Weniger Gläubige: Die Kirchen im Landkreis Miesbach – hier der Blick in die Pfarrkirche in Miesbach – büßten im Jahr 2020 erneut an Mitgliedern ein. Die Austrittszahlen waren jedoch geringer als noch 2019.
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Weniger Gläubige: Die Kirchen im Landkreis Miesbach – hier der Blick in die Pfarrkirche in Miesbach – büßten im Jahr 2020 erneut an Mitgliedern ein. Die Austrittszahlen waren jedoch geringer als noch 2019.

Statistik zu Mitgliederverlusten

Kirchen im Landkreis verlieren Gläubige – jedoch weniger als noch im Vorjahr: „Angebote stark gefragt“

  • Jonas Napiletzki
    VonJonas Napiletzki
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942 Menschen traten im Corona-Jahr 2020 aus den Kirchen im Landkreis Miesbach aus. Aber: Noch im Vorjahr kehrten deutlich mehr Gläubige ihren Gemeinden den Rücken.

Landkreis – Die Entwicklung ist dem Trend gegenläufig - Pfarrer im Landkreis rätseln über die Gründe. Erwin Sergel, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Miesbach, sagt: „Im vergangenen Jahr war spürbar, dass die Austrittszahlen geringer waren.“ Seine Erklärung: „Während des Lockdowns waren die Angebote der Kirchengemeinde stark gefragt.“

Bei Gottesdiensten sei dies am deutlichsten gewesen – in Präsenz wie digital. Positive Rückmeldungen erhielt er auch auf andere Aktionen. Wer trotzdem austrat, bekam von Sergel einen Brief, in dem er sein Bedauern ausdrückte. Die Kirchentür stünde weiter offen, eine Kontaktaufnahme sei möglich. Aber: „Es kommt selten zu einem Gespräch.“

Gründe für Kirchenaustritte wohl Umzug oder Kirchsteuer - weniger Austritte wegen Corona-Angeboten

Bei den meisten sei die Entscheidung unwiderruflich gefallen. „Oft liegt’s wohl an der Kirchensteuer, oft ist auch ein Umzug der Anlass.“ Neuzugezogene würden häufiger austreten. „Jeder Austritt schmerzt enorm“, sagt Sergel. Eine bunte Kirchengemeinde sei wichtig und auf viele verschiedenartige Menschen angewiesen. „Wie wichtig die Gemeinschaft ist, ist auch an den Eintritten älterer Menschen zu sehen, die früher ausgetreten sind und die Gemeinde später vermissen.“ Auch Hochzeiten seien Auslöser für Wiedereintritte.

Stephan Fischbacher, stellvertretender Dekan und Pfarrer im Verband Waakirchen-Schaftlach, erklärt sich den Austritts-Rückgang ebenfalls mit dem Corona-Programm. „Wir haben mit QR-Codes am Fronleichnamweg und Gottesdiensten im Freien positives Feedback gesammelt.“

Einen Brief bekommen Ausgetretene von Fischbacher nicht. „Ich müsste reinschreiben, was sie nicht mehr dürfen – beispielsweise Pate werden.“ Den erhobenen Zeigefinger hält der katholische Pfarrer aber für falsch – und verzichtet deshalb auf das Schreiben. „Mir ist die Glaubensfreiheit sehr wichtig“, betont Fischbacher. Trotz seines Bedauerns bei Austritten habe er Verständnis, wenn Menschen nicht mehr glauben und sich deshalb von der Kirche lösen. „Viele bleiben aber trotzdem dabei, um die kirchliche Arbeit – beispielsweise der Caritas – zu stützen.“

Die Zahlen im Überblick

Johannes Minkus, Pressesprecher der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, sagt zu den Entwicklungen im Dekanat Bad Tölz, zu dem auch der Landkreis Miesbach zählt: „Ende 2019 lebten 30 093 Evangelische im Dekanat, es gab 578 Austritte und 56 Eintritte.“ Ende 2020 seien es noch 29 581 Mitglieder gewesen – 425 Austritte, 24 Eintritte, Umzüge und Verstorbene eingerechnet.

Hendrik Steffens, Pressesprecher des Erzbischöflichen Ordinariats München, sagt: „Ende Dezember 2019 lebten im Dekanat Miesbach 52 118 Katholiken, 636 traten aus, 13 Menschen ein.“ Im Jahr 2020 waren es 51 309 Kirchenmitglieder. „Vergangenes Jahr gab es 517 Austritte und vier Eintritte.“

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