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Kita-Plätze: Auch die Öffnungszeiten müssen passen

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Von: Bettina Stuhlweißenburg

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Spielen, Lernen, Freunde treffen: Kinder verbringen heute deutlich mehr Zeit in Kindertageseinrichtungen, als vor der Schaffung des Rechtsanspruchs auf frühkindliche Förderung.
Spielen, Lernen, Freunde treffen: Kinder verbringen heute deutlich mehr Zeit in Kindertageseinrichtungen, als vor der Schaffung des Rechtsanspruchs auf frühkindliche Förderung. © Thomas Plettenberg

Gemeinden haben die Pflicht, ein bedarfsgerechtes Betreuungsangebot für Kinder zu schaffen. Dabei geht es nicht nur um die Zahl der Kita-Plätze – auch die Öffnungszeiten müssen passen. Keine leichte Aufgabe für Kommunen im Landkreis Miesbach.

Landkreis – Mama arbeitet als Stewardess, Papa schiebt Schichtdienst im Krankenhaus – eine Konstellation, die nicht nur die Eltern selbst bei der Betreuung ihrer Kinder in die Bredouille bringen kann: Kommunen sind verpflichtet, ein bedarfsgerechtes Betreuungsangebot für Kinder vorzuhalten. Wie das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales auf Nachfrage mitteilte, zählen dazu auch Öffnungs- und Buchungszeiten sowie deren Lage. Außerdem die Zumutbarkeit des Weges zur Kinderbetreuung und weitere Kriterien.

Eine Mindestzahl an Kindern braucht es nicht, um einen Bedarf – zum Beispiel an konkreten Öffnungszeiten – zu definieren. Vielmehr heißt es in § 24 SGB VIII: „Der Umfang der täglichen Förderung richtet sich nach dem individuellen Bedarf.“ Laut Ministerium sind die Umstände des Einzelfalls maßgeblich – über die im Streitfall ein Gericht entscheidet, wenn die Eltern klagen.

Hausham

Im Kreis Miesbach ist es bislang noch nicht zum Äußersten gekommen: „Bei uns hat sich noch keiner beschwert“, sagt zumindest Rudi Randler, Geschäftsleiter der Gemeinde Hausham. Die Kommune hat keine Kita, die über 16 Uhr hinaus geöffnet ist. „In der Regel gehe ich davon aus, dass bei uns kein Bedarf an erweiterten Öffnungszeiten besteht“, sagt Randler. Schließlich hätten Eltern bei der Anmeldung die Möglichkeit, ihren Bedarf zu äußern. „Auf dem Formular unter dem Punkt Wünsche und Anregungen.“

Vor etwa vier Jahren jedoch habe es den Fall einiger Eltern gegeben, die im Kindergarten Agatharied freitags länger buchen wollten. „Aus personellen Gründen konnten wir das damals nicht anbieten“, erinnert sich Randler. Im Gespräch mit den Eltern hätten diese schließlich auf längere Zeiten verzichtet.

Tegernsee

Die Stadt Tegernsee hat mit der Bereitstellung von Kita-Plätzen die katholische und evangelische Kirche als Träger beauftragt. Der evangelische Pfarrer Martin Weber – zuständig für vier Krippen im Tegernseer Tal – verlängert ab September die Öffnungszeiten der Wiesseer Einrichtung von 15 auf 16 Uhr. Das sei nur mit sehr engagierten Mitarbeitern zu stemmen und mit kommunalen Partnern, denen die inhaltliche Qualität so wichtig sei, dass höhere Kosten aufgefangen würden und nur gutes Personal eingestellt werde, sagt Weber. „Es geht ja nicht nur um Aufbewahrung von Kindern, sondern um einen Bildungsauftrag – und das gerade beginnend bei den Kleinsten.“

Die Probleme bei der Bereitstellung eines bedarfsgerechten Angebots seien das Ergebnis von Wahlkampfpolitik. „Man macht Versprechungen, ohne das System darunter darauf vorzubereiten, und die Verantwortung wird dann den einzelnen Kommunen zugeschoben“, kritisiert Weber. Wie berichtet, hatten zuletzt einige Kitas im Landkreis ihre Öffnungszeiten gekürzt, weil sie Probleme haben, die Randzeiten personell abzudecken.

Eltern können ihr Kind flexibel abholen und bringen

Die Träger von Kindertageseinrichtungen erhalten staatliche Fördergelder, deren Höhe sich an den Buchungskategorien orientiert. Die Träger verlieren diese Förderung nicht, wenn Eltern ihr Kind früher abholen als gebucht. Darauf weist das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales in seinem 18. Newsletter hin: „Die kindbezogene Förderung kennt keine Stechkarten und Strichlisten.“ Demnach können Eltern ihr Kind flexibel abholen und bringen. Die Förderung richte sich nach den Buchungszeiten, sodass die tatsächlichen täglichen Betreuungszeiten der Kinder nicht erfasst werden müssten. Schließlich buchten Eltern keine festen Zeiten, sondern Zeiträume. Dadurch bestehe von Grund auf bereits eine Varianz von bis zu fünf Stunden wöchentlich, was Holen und Bringen des Kindes anbelangt.


Erst wenn jede Woche um mindestens fünf Stunden – und das über einen Zeitraum von mehr als einem Monat – vom Buchungszeitraum abgewichen wird, spricht man von einer „Luftbuchung“ – und der Betreuungsvertrag muss angepasst werden.


Der 18. Kita-Newsletter stammt aus dem Jahr 2005, seine Ausführungen sind noch immer aktuell, teilte das Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales auf Nachfrage mit.

Holzkirchen

Die Marktgemeinde Holzkirchen erhebt den Betreuungsbedarf jährlich. Per Umfrage unter den Bestandseltern sowie per Sichtung der Neuanmeldungen. Die Schwierigkeit der Bedarfsermittlung liegt laut Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) auch darin, dass Eltern bei Umfragen oft längere Buchungszeiten angeben, als sie später tatsächlich in Anspruch nehmen. „Wenn Mütter wieder ins Berufsleben einsteigen, dann oft in Teilzeit. Um im Gespräch mit dem Arbeitgeber flexibel zu sein, melden sie einen umfangreichen Betreuungsbedarf an, den sie aber nicht ausschöpfen, sobald ihre Arbeitszeiten feststehen.“ Das verzerre den tatsächlichen Bedarf.

Lesen Sie auch: Im ganzen Landkreis Miesbach: Kitas verkürzen Öffnungszeiten - weil das Personal fehlt

Dennoch sei der Trend eindeutig: „Die Zahl der Plätze steigt, und auch die Betreuungszeiten werden länger.“ 2004 habe es in Holzkirchen nur zwölf Krippenplätze gegeben, aktuell seien es 126. Die überwiegende Zahl der insgesamt 942 Plätze in Krippe, Hort und Kindergarten sei ganztags buchbar. Tatsächlich bieten fast alle Einrichtungen der Marktgemeinde zumindest montags bis donnerstags eine Betreuung bis 17 Uhr. Die mit 170 Kindern größte Kita Holzkirchens, das „Frühlingsdorf“ betreut sogar bis 17.30 Uhr. „Wir orientieren uns am Bedarf des Kunden“, sagt Schmid. Eltern, die mit den angebotenen Zeiten nicht zurechtkommen, seien Einzelfälle, mit denen man das Gespräch suche.

Schmid ist stolz darauf, den Bedarf bisher immer bedient haben zu können: „Ich glaube, dass wir in Holzkirchen das vielfältigste Kinderbetreuungsangebot im Landkreis haben.“

Miesbach

Die Stadt Miesbach hat den Münchner Dienstleister MUC-Consulting mit einer Kinderbetreuungsstudie beauftragt. Sie untersucht derzeit den voraussichtlichen Bedarf der Jahre 2022 bis 2024 – die Ergebnisse sollen in Kürze vorliegen. „Tendenziell ist es so, dass die Öffnungszeiten länger werden“, meint Alexander Keck von der Stadt Miesbach. Derzeit bietet keine kommunale Kita über 16 Uhr hinausgehende Öffnungszeiten – nur die Einrichtungen freier Träger, zu denen auch die Krippen zählen. Darauf führt Keck auch den künftigen Bedarf an längeren Betreuungszeiten zurück: „Die Eltern sind es von der Krippe gewohnt und erwarten es dann auch vom Kindergarten.“ Dass die bislang angebotenen Buchungszeiten ausreichend waren, liegt für Keck auf der Hand: „Wenn man gleich bei der Anmeldung sagt, dass es keine längeren Öffnungszeiten gibt, arrangieren sich die Eltern damit.“ Falls nicht, müsse man sich etwas einfallen lassen.

Landkreis

Landkreisweit gibt es 750 Krippenplätze, 3387 Kindergarten- und 583 Hortplätze. „Wenn die Kommunen keinen passenden Platz haben, ist das Landratsamt gefragt“, erklärt Robert Wein, der den Fachbereich Jugend und Familie am Landratsamt leitet. Es suche dann nach einer Alternative, etwa in der Nachbargemeinde.

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bst

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