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In ganzem bayerischen Landkreis: Kitas verkürzen Öffnungszeiten - weil das Personal fehlt

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Von: Bettina Stuhlweißenburg

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Eine professionelle Kinderbetreuung wünschen sich viele Eltern. Doch in den Randzeiten wird es schwierig: Mit Blick auf den Erziehermangel setzen Kitas ihr knappes Personal lieber in den Kernzeiten ein.
Eine professionelle Kinderbetreuung wünschen sich viele Eltern. Doch in den Randzeiten wird es schwierig: Mit Blick auf den Erziehermangel setzen Kitas ihr knappes Personal lieber in den Kernzeiten ein. © Uwe Anspach/DPA

Für berufstätige Eltern in einem bayerischen Landkreis wird es ab September schwieriger, Familie und Job unter einen Hut zu bekommen.

Landkreis – Zum Beispiel die Kita St. Josef in Holzkirchen. Bislang war hier montags bis donnerstags von 7 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Ab September jedoch schließt die Einrichtung bereits um 16 Uhr: „Nur ein bis zwei Familien von 92 insgesamt haben Betreuungsbedarf bis 17 Uhr“, sagt die Leiterin der Einrichtung, Veronika Voigt. „Da ist das ohnehin schon knappe Personal an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt.“ Dass nicht mehr Familien Bedarf an einer Betreuung in der Randzeit haben, verwundert Voigt nicht: „Wir haben in Holzkirchen ja ausreichend Kitas mit erweiterten Betreuungszeiten. Familien, die das brauchen, gehen gleich dorthin.“

Tatsächlich ist der Markt Holzkirchen in der komfortablen Lage, gleich vier Einrichtungen zu haben, die Öffnungszeiten bis 17 Uhr bieten – zwei weitere haben sogar bis 18 Uhr geöffnet. Allerdings ändert sich das ab September teilweise: Die Kita Frühlingsdorf mit ihren neun Gruppen verkürzt moderat um eine halbe Stunde. „Dann ist noch immer fünf Tage die Woche bis 17.30 Uhr geöffnet“, betont die Pressesprecherin der Marktgemeinde, Annika Walther. „Personal und Bedarf müssen im Verhältnis stehen.“

Holzkirchen bietet sechs Kitas mit erweiterten Betreuungszeiten

Laut Agentur für Arbeit Rosenheim sind derzeit 18 Stellen in der Kindererziehung im Kreis Miesbach frei. Ihnen stehen nur elf Jobsuchende gegenüber. Das macht es den Trägern der Betreuungseinrichtungen schwer, ausreichend Personal vorzuhalten, um einen Schichtdienst zu organisieren, der Betreuungszeiten von täglich zehn oder elf Stunden abdecken kann. Dem gegenüber steht der Bedarf: Laut dem jüngsten Kinderbetreuungsreport des Deutschen Jugendinstituts (DJI) brauchen bundesweit 30 Prozent aller Eltern von Kindern zwischen drei und sechs Jahren eine Betreuung in den Randzeiten und 15 Prozent aller Eltern von Kindern zwischen eins und drei Jahren. Randzeiten definiert das DJI als die Zeiten vor 8 Uhr morgens und nach 17 Uhr.

Wie das Bayerische Familienministerium auf Nachfrage mitteilt, sind die Kommunen verpflichtet, ein bedarfsgerechtes Angebot vorzuhalten. Sie können dies mittels kommunaler Einrichtungen oder über freie Träger sicherstellen. Wünschen Eltern Ganztagsplätze, ist das in die Bedarfsermittlung aufzunehmen.

Kitas kürzen Öffnungszeiten: Planungssicherheit wegen Corona fehlt

Die Kinderland GmbH, die im Oberland und im Kreis München insgesamt zwölf Einrichtungen führt, ist dafür bekannt, gerade jene Familien zu adressieren, die lange Öffnungszeiten brauchen. Trotzdem behält sie ihre Corona-Pandemie-bedingt auf 17 Uhr verkürzten Betreuungszeiten vorerst bei: „Wir müssen sehen, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt“, sagt Geschäftsführerin Petra Götzenberger. „Eine Betreuung bis 18 Uhr anzubieten, wie wir es tun, ist organisatorisch anspruchsvoll. Dafür brauchen wir Planungssicherheit.“ Nicht zuletzt, weil sie viele weibliche Angestellte habe, die Teilzeit arbeiteten.

Allerdings betont Götzenberger, dass eine Verkürzung über 17 Uhr hinaus nicht in Frage komme – selbst bei geringer Nachfrage. „Prozentual betrachtet ist es der kleinere Teil der Familien, der eine Randzeitenbetreuung braucht. Für uns ist das aber nicht entscheidend. Eine weitere Verkürzung würde diese Familien in eine schwierige Situation bringen, und das wollen wir nicht.“

Kita überredet Eltern zu kürzeren Buchungszeiten

Auch Franz Hafner, Leiter des Katholischen Kita-Verbunds Tegernseer Tal, zu dem der Kindergarten St. Quirinus in Tegernsee gehört, hat die Familien im Blick: „Wir haben sogar im Lockdown einen Notdienst bis 17 Uhr angeboten.“ Dass der Bedarf an einer Randzeitenbetreuung sinkt – etwa weil berufstätige Eltern dank Homeoffice kürzere Arbeitswege haben – kann Hafner nicht feststellen. „Im Gegenteil, wir haben sogar eine Erhöhung der Buchungszeit verzeichnet.“ Weil aber noch längere Buchungszeiten personell schwierig abzudecken seien, habe man versucht, die Eltern zu überreden, die Buchungszeit nicht zu erhöhen – und im Gespräch andere Lösungen zu finden.

Auch die Irschenberger Kita Farbenfroh bemüht sich, die Eltern nicht im Stich zu lassen. Die Einrichtung kürzt ab September für vorerst ein Jahr die Öffnungszeiten von Kindergarten und Krippe von 17 Uhr auf 16 Uhr – der Hort ist nicht betroffen. „Wir haben sehr viele Teilzeitkräfte, gleichzeitig müssen wir unseren Personalschlüssel halten“, erklärt Leiterin Melanie Niedermaier. Eine Bedarfsumfrage bei den Eltern habe ergeben, dass ab September nur drei Kinder einen Betreuungsbedarf bis 17 Uhr haben. „Bei 130 Kindern insgesamt ist das zu wenig, um das abzudecken.“ Einige Eltern könnten die Verkürzung am Nachmittag kompensieren, in dem sie früher buchen – die Kita öffnet bereits um 7 Uhr. Für die anderen suche man derzeit eine Lösung, versichert Niedermaier.

In der Corona-Pandemie haben Eltern seit Frühsommer die Möglichkeit, ihre Kita-Kinder kostenlos zu Hause zu testen. Bei den Einrichtungen im Landkreis Miesbach kam das gut an.

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