Kinder spielen mit einer Erzieherin, die Maske trägt, im Kindergarten.
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Unterstützung in schwierigen Zeiten: Viele Eltern sind auf die Betreuung durch Kitas angewiesen.

KINDERBETREUUNG - Einrichtungen müssen größere Nachfrage der Familien auffangen

Kitas zwischen Notdienst und Normalbetrieb

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Soll das Kind zu Hause bleiben oder in die Kita gehen? Viele Familien haben bei dieser Frage keinen Entscheidungsspielraum. Sie brauchen die Kinderbetreuung – egal ob Krippe, Kindergarten oder Hort. Wenn beide Elternteile berufstätig sind, ist die Kita unverzichtbar – egal ob systemrelevant oder nicht.

Landkreis – Daher ist es keine Überraschung, dass die Einrichtungen im Landkreis trotz Corona-Lockdown so sehr benötigt werden, dass sie fast oder vollständig im Normalbetrieb laufen. „Es ist zwar weniger als sonst“, sagt Franz Hafner, Leiter des katholischen Kita-Verbunds Tegernseer Tal, „aber bei uns sind alle im Einsatz.“ Je 20 Kinder waren gestern in der sechsgruppigen Kita Rottach-Egern, im dreigruppigen Kindergarten Tegernsee und im dreigruppigen Pendant plus Krippe in Bad Wiessee.

Im Tegernseer Tal stellt man sich bereits darauf ein, dass der Bedarf länger anhalten wird. Deshalb wurden die Team-Fortbildungen, die für die betreuungsfreie Faschingswoche angesetzt waren, bereits abgesagt, um für die Betreuung zu öffnen. Dass der Lockdown verlängert wurde, hatte Hafner nicht überrascht: „Irgendwie habe ich damit gerechnet. Mir war klar, dass nach den Weihnachtsferien noch nicht Schluss sein wird.“

Auf Dauer wird mit mehr Bedarf gerechnet

Auch Johann Grasser, Leiter des katholischen Kita-Verbunds Miesbach/Hausham/Leitzachtal mit Einrichtungen in Miesbach, Parsberg, Agatharied, Fischbachau und Bayrischzell, glaubt, dass der Bedarf an Notbetreuung steigen könnte. „Aktuell behelfen sich die Eltern sehr gut selbst“, erklärt er. „Da helfen die Oma oder eine Nachbarin. Aber je länger dieser Zustand dauert, desto größer wird der Betreuungsbedarf bei uns.“ Weil Übergangslösungen eben keine Dauerlösungen seien.

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In den fünf Einrichtungen seines Verbunds werden aktuell im Schnitt etwa 14 Kinder betreut – in der Kreisstadt seien es mit 40 naturgemäß etwas mehr. „Unsere Eltern sind da sehr besonnen“, sagt er, „aber wenn beide arbeiten oder einer alleinerziehend ist, braucht es Unterstützung.“ Personell sei man in Vollbesetzung am Start.

Angebote für daheim gebliebene Kinder

Das gilt ebenso für die Caritas, die Einrichtungen in Irschenberg und Holzkirchen betreibt. Jeweils ein Drittel der Kinder nimmt hier die Notbetreuung in Anspruch. Wie Caritas-Kreisgeschäftsführerin Petra Schubert berichtet, seien alle gesunden Kräfte im Einsatz. Teils werde auch im Homeoffice gearbeitet, um liegen gebliebene Dokumentationen abzuarbeiten und via Videokonferenz auch Elterngespräche zu führen.

Zudem arbeiten die Leiterinnen derzeit an Lösungen, wie die daheim gebliebenen Kinder weiterhin gefördert werden können. Gerade bei den Vorschülern sei das wichtig. So kann laut Schubert die Kybernetische Methode per Videoschaltung via Skype oder Zoom vermittelt werden. „Die datenschutzrechtlichen Voraussetzungen prüfen wir gerade“, sagt sie. Auch eine Abholstation, wo Eltern Lernmaterial abholen können, sei eine Möglichkeit.

Kurze Reaktionszeiten belasten die Einrichtungen

Zwischen 35 und 40 Prozent beträgt die Nachfrage beim Kinderland, das im Landkreis Kitas in Weyarn, Holzkirchen und Gmund hat. Gestern wurden dort 84 Kinder betreut – an den insgesamt zwölf Standorten waren 331 Kinder. Normalerweise seien weit über 1000, erklärt Geschäftsführerin Petra Götzenberger. Anders als in den oben genannten Einrichtungen sind im Landkreis nur zehn der etwa 50 Mitarbeiterinnen im Einsatz – der Rest sei in Kurzarbeit. „Bei Bedarf können wir nachjustieren und Leute holen.“ Das sei verwaltungstechnisch ziemlich aufwendig, aber der beste Weg. Denn das große Problem – das stellen alle Befragten fest – sei die Kurzfristigkeit, mit der reagiert werden müsse. Götzenberger: „Man muss flexibel bleiben und viel kommunizieren.“

ddy

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