1. Startseite
  2. Lokales
  3. Miesbach
  4. Miesbach

Kitzrettung als gemeinsame Mission: Im Landkreis Miesbach fliegt wieder die Drohne

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Gabi Werner

Kommentare

Machen gemeinsame Sache bei der Rehkitzrettung per Drohne: (v.l.) Matthias Robl von der BJV-Kreisgruppe Miesbach, Johanna Ecker-Schotte, Marinus Vogl von Air Bavarian und Wolfgang Mayr, Vorsitzender der BJV-Kreisgruppe Miesbach.
Machen gemeinsame Sache bei der Rehkitzrettung per Drohne: (v.l.) Matthias Robl von der BJV-Kreisgruppe Miesbach, Johanna Ecker-Schotte, Marinus Vogl von Air Bavarian und Wolfgang Mayr, Vorsitzender der BJV-Kreisgruppe Miesbach. © Privat

Die Aktion soll den Tieren einen sinnlosen Tod ersparen: Im Landkreis Miesbach werden vor der Heuernte die Flächen per Drohne nach Rehkitzen abgesucht.

Miesbach – Demnächst beginnt für die Bauern im Landkreis Miesbach die Heuernte – für junge Wildtiere ist das eine gefährliche Zeit. Neu geborene Rehkitze, die sich Schutz suchend ins hohe Gras ducken, sind für die Landwirte bei der Mahd nur schwer zu erkennen. Die Tiere können daher leicht den Maschinen zum Opfer fallen. Um das zu vermeiden, hat der Tierschutzverein Tegernseer Tal schon vor einigen Jahren die Kitzrettung auf neue Beine gestellt: Per Drohne und Wärmebildkamera werden die Wiesen vor der Mahd nach Kitzen abgesucht. Seit heuer verfügt der Verein dank Förderung durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft sogar über eine eigene Drohne – und es haben sich engagierte Piloten gefunden, die diesen Job ehrenamtlich übernehmen.

20 freiwillige Helfer haben Führerschein für Drohne absolviert

„Ich freue mich riesig, dass unsere Helfer jetzt über den gesamten Landkreis hinweg verteilt sind“, sagt Johanna Ecker-Schotte, Vorsitzende des Tierschutzvereins. Rund 20 Freiwillige – darunter auch viele aus den Reihen der Kreisgruppe Miesbach des Bayerischen Jagdverbands (BJV) – haben mit Unterstützung der Firma Air Bavarian erfolgreich den Drohnen-Führerschein erworben. Eine „geniale Kooperation“, wie Ecker-Schotte findet. Seit ein paar Tagen ist die Drohne bereits im Einsatz, erste Kitze wurden schon geortet und anschließend in Sicherheit gebracht.

„Jedes getötete Kitz ist für die Bauern eine Katastrophe“

Mit im Boot sitzt bei der Initiative auch der Bayerische Bauernverband (BBV) im Kreis Miesbach. Gemeinsam mit ihm hatte der Tierschutzverein vor einigen Jahren die Kitzrettung neu organisiert. Die Ziele sind klar: Zum einen will man den kleinen Kitzen – und auch anderen Tieren wie Junghasen, Bodenbrütern und Katzen – einen grausamen und sinnlosen Tod ersparen. Zum anderen bleibt den Landwirten ihre wertvolle Silage erhalten. Denn jede Mahd, bei der ein Tier verletzt oder getötet wird, darf nicht mehr verwendet werden und muss entsorgt werden. „Jedes getötete Kitz ist für die Bauern eine Katastrophe“, weiß Ecker-Schotte.

Landwirte können Drohnen-Flieger per Telefon anfordern

Der Bauernverband übernimmt es, seine Mitglieder über die Möglichkeit der Drohnen-Kitzrettung zu informieren. Über die Rufnummer 0 15 23 / 1 37 90 44 können von den Bauern Flüge angefordert werden. Durch die ehrenamtliche und für den Landwirt kostenlose Suche früh morgens und nachts wolle man die Hürden möglichst niedrig ansetzen, heißt es auf der Homepage der Kitzrettung Landkreis Miesbach. Ecker-Schotte betont aber auch, dass es rechtliche Vorgaben gebe, die den Landwirt zur Umsicht bei der Mahd verpflichten. Das Tierschutzgesetz nämlich besagt, „dass niemand ohne vernünftigen Grund Tieren Leiden und Schmerzen zufügen darf“. Das gelte auch für die Mahd. Primär sei also der Landwirt für das Absuchen seines Landes verantwortlich.

Dass es im Landkreis Miesbach mittlerweile ein Zusammenspiel von Jägern, Landwirten und dem Tierschutz gibt, empfindet Ecker-Schotte als den „einzig richtigen Weg“. „Das Miteinander ist so wichtig.“

Tiere werden nach der Ortung aus der Wiese geholt und gesichert

Und so funktioniert eine Drohnen-Rettung: Wird ein Kitz beim Abfliegen der Fläche im hohen Gras entdeckt, wird per Funk an die Helfer weitergeleitet, wo genau sich das Tier befindet. Das Jungtier wird dann mit Handschuhen und – gegebenenfalls mit viel Gras – aus der Wiese geholt und in einem Korb gesichert, bis die Fläche gemäht ist. „Die Resonanz ist schon jetzt riesengroß – ich bin begeistert“, sagt Ecker-Schotte über die Nachfrage seitens der Landwirte.

Und sie formuliert noch eine „Herzensbitte“ an die Bauern im Landkreis: Die Flächen sollten „von innen nach außen“ abgemäht werden – „auch das kann die Wildtiere schützen“.

gab

Auch interessant

Kommentare