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Klare Worte im Gottesdienst: „Es ist an der Zeit, Buße zu tun“

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Von: Jonas Napiletzki, Dieter Dorby

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Auf der katholischen Kirche lastet laut Pfarrvikar Michael Engel (am Altar) „eine große Bürde“. In Miesbachs Stadtpfarrkirche betete er gestern dafür, „dass alle Verantwortlichen zur Verantwortung gezogen werden“.
Auf der katholischen Kirche lastet laut Pfarrvikar Michael Engel (am Altar) „eine große Bürde“. In Miesbachs Stadtpfarrkirche betete er gestern dafür, „dass alle Verantwortlichen zur Verantwortung gezogen werden“. © Max Kalup

Gegenüber der Presse durften sich Pfarrer zum Missbrauchsgutachten nicht äußern – der Pfarrgemeinde gegenüber schon. Wie haben sie das Thema vor den Gläubigen aufgegriffen? Wir haben am Sonntag zwei Gottesdienste begleitet.

Miesbach/Irschenberg – In der Miesbacher Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt war es am Sonntag mucksmäuschenstill, als Pfarrvikar Michael Engel die Gläubigen begrüßte und dabei auch auf das aktuell veröffentlichte Missbrauchsgutachten (wir berichteten) einging. Für die meisten der rund 40 Gottesdienstteilnehmer dürften es die ersten Worte gewesen sein, die sie zu diesem Thema in ihrer Pfarrei hörten.

Und die saßen. „Liebe Schwestern und Brüder, seit dem Bekanntwerden der Berichte über die Missbrauchsfälle am vergangenen Donnerstag lastet auf uns eine besonders große Bürde“, sagte Engel. Und: „Beten wir dafür, dass alle Verantwortlichen zur Verantwortung gezogen werden.“ Aus Sicht von Gottesdienstbesucher Erhard Pohl ein guter Start: „Der Fingerzeig ging klar in Richtung Rom.“

Kritik vom CSU-Stadtrat

Aber: „Danach wurde stocksteif die Zeremonie durchgeführt“, kritisierte der CSU-Stadtrat. Kein Wort sei in der Predigt zum Gutachten gefallen. „Das war genau das, was der Kirche vorgehalten wird: dieses Verschweigen.“ Pohl gestand: „Nach der Predigt wollte ich den Gottesdienst verlassen.“ Doch dann wurde mit den Fürbitten „das Ruder rumgerissen“, sagte er.

Fürbitten für die Opfer

Die richteten sich zuerst an „alle Opfer von sexuellem Missbrauch“. Dann an die Täter – „die, die schuldig geworden sind“. Sie sollen „Einsicht und Hilfe auf dem Weg der Reue und Buße“ erfahren. An alle Bischöfe und Papst Franziskus war die dritte Fürbitte gewandt: „Schenke ihnen Mut zur Aufklärung“; alles solle offen gelegt werden. Der vierte und fünfte Teil richtete sich an alle Kinder, denen die Menschen wohlgesonnen gegenübertreten sollen und – schlussendlich – an die Gemeinde selbst: „Schenke uns Wachsamkeit und den Blick für sexuellen Missbrauch.“ Und: „Gib uns den Mut, Verfehlungen beim Namen zu nennen.“

Täter zur Verantwortung ziehen

Auch im Gottesdienst in Irschenberg wurde am Sonntag das Thema Missbrauch angesprochen. Pfarrer Tadeusz Kmiec-Forstner stellte sich dabei klar auf die Seite der Opfer. „Es ist an der Zeit, Buße zu tun“, sagte er am Ende der Messe. Es gehe darum, jene zur Verantwortung vor den entsprechenden Gremien und Instanzen zu ziehen, die so schwer gesündigt hätten. Das Thema beschäftige die Gläubigen, „und viele haben mich gefragt, wie ich dazu stehe. Ich habe dazu eine klare Meinung.“

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Bereits bei den Fürbitten hatte der Geistliche angemerkt, man möge für die Opfer beten, dass sie die Hilfe bekommen, die sie brauchen. Dass es am wichtigsten sei, den Opfern zu helfen, griff Pfarrer Tadeusz auch am Ende des Sonntagsgottesdienstes auf.

Das Thema sei nicht damit erledigt, einen bestimmten Betrag zu zahlen. Auch ein Reinwaschen dürfe mit so einer Zahlung nicht verbunden sein. Die Verantwortung für die gesamte Gemeinschaft sei klar: „Kinder müssen geschützt sein – im Alltag und in der Kirche.“

nap/ddy

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