Wartebereich Impfbereich
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Der neue Wartebereich am Impfzentrum in Hausham

Klarstellung in der Sitzung des Miesbacher Kreistags

„Bei Impfung wird niemand bevorzugt“

  • Stephen Hank
    vonStephen Hank
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Bei der Corona-Schutzimpfung werden keine Personen bevorzugt. Das stellten Landrat Olaf von Löwis und Dr. Thomas Straßmüller, Ärztlicher Leiter des Impfzentrums, im Kreistag klar.

Landkreis ‒ Bei der Corona-Schutzimpfung werden keine Personen bevorzugt, die Terminvergabe erfolgt strikt nach Priorisierung und mittels der vom Freistaat eingesetzten Software. Das sagten Löwis und Straßmüller am Mittwoch in der Sitzung des Kreistags im Rottacher Seeforum. Anlass waren Äußerungen von Kreisbrandrat Anton Riblinger im Miesbacher Merkur, wonach ein Teil der Einsatzkräfte der Feuerwehren bereits gegen Corona geimpft worden sei.

2000 Beschwerden rund ums Impfen und Testen

„Das Landratsamt hat bislang rund 2000 Beschwerden erhalten, die sich nur ums Impfen und Testen drehen, und wir haben jede einzelne davon beantwortet“, berichtete Löwis. Allein ein Viertel dieser Beschwerden habe sich auf die Priorisierung bezogen. „Ich gehe nach wie vor davon aus, dass viele dieser Beschwerden aus Unkenntnis entstehen“, sagte der Landrat. „Und ich gehe fest davon aus, dass im Impfzentrum alles mit rechten Dingen zugeht.“

Straßmüller, der für die FWG auch im Kreistag sitzt, bestätigte das. Ja, das Impfzentrum habe in der Anfangsphase Namenslisten angelegt, auf denen unter anderem auch Feuerwehrler standen. Ziel sei es gewesen, kurzfristig Ersatz zu finden, wenn bereits vereinbarte Impftermine platzen. „In den ersten vier Wochen mussten wir mit einem selbst gebastelten Vergabesystem arbeiten, weil die Software des Freistaats nicht funktioniert hat“, erinnerte der Mediziner. Die laufe aber inzwischen, und so werden nun sämtliche Termine ausschließlich automatisiert über die Software vergeben. Die Listen seien überflüssig und würden nicht mehr verwendet. „Wir haben auf die Terminvergabe keinen Einfluss“, stellte Straßmüller – wie schon so oft in den vergangenen Wochen – klar.

Die Aussage Riblingers, wonach bereits „ein Teil der Einsatzkräfte“ geimpft worden sei, halte er für extrem übertrieben. Mengenmäßig sei die Zahl der geimpften Feuerwehrler nicht relevant. Tatsächlich wurden nur vier Impfwünsche berücksichtigt, und zwar von Feuerwehrmännern, die gleichzeitig beim Rettungsdienst arbeiten und damit sowieso zur höchsten Priorisierungsgruppe gehörten.

Dr. Thomas Straßmüller, FWG-Kreisrat und Ärztlicher Leiter des Impfzentrums.

Straßmüller verwies darauf, dass das Listensystem im ersten Monat nach Impfbeginn auch dazu beigetragen habe, dass kein wertvoller Impfstoff weggeworfen werden musste. „Seit 27. Dezember impfen wir jeden Tag von frühmorgens bis spätabends“, berichtete er. „Wir haben bei den Impfdosen immer gut gerechnet und hatten nichts übrig.“ Insgesamt habe man die Situation im Landkreis nicht schlecht gemeistert.

„In Untiefen der menschlichen Psyche geblickt“

Berichte darüber, welche Personen schon geimpft worden seien und welche nicht, halte er angesichts der augenblicklichen Impfstoff-Knappheit für fehl am Platze. „Die Leute wollen das momentan nicht sehen“, sagte Straßmüller. Er selbst würde die Aufgabe des Ärztlichen Leiters mit den jetzigen Erfahrungen vermutlich nicht ein zweites Mal übernehmen, bekannte der Allgemeinmediziner aus Gmund. Er bewege sich jeden Tag auf einem Minenfeld und sei eines der Gesichter „einer nicht glücklichen Impfkampagne in Deutschland“. Unzählige Stunden schon habe er am Telefon die Gemüter beruhigt und dabei so manches Mal „in die Untiefen menschlicher Psyche geblickt“.

Grünen-Kreisrat Waas übt Kritik an Vergabe und Öffentlichkeitsarbeit

Auch im Kreistag brach sich die allgemeine Gereiztheit Bahn. Das Impfzentrum leiste zwar gute Arbeit, so Gerhard Waas (Grüne), habe aber nicht vorschriftsmäßig gehandelt. „Mit dem Programm ist auch Missbrauch betrieben worden“, warf er den Verantwortlichen vor. Viele Dinge seien nicht kommuniziert worden, die Öffentlichkeitsarbeit des Landratsamts lasse zu wünschen übrig. Löwis als auch Pressesprecherin Sophie Stadler, die tagtäglich umfassend über die aktuelle Lage informiert, wollten das nicht auf sich sitzen lassen. „Eine gewisse Holschuld hat die Menschheit schon auch noch“, betonte der Landrat und stellte sich ausdrücklich hinter seine Pressestelle. „Wir veröffentlichen so viel wie möglich, aber es sind immer nur Momentaufnahmen.“

Bei den meisten Kreisräten kam die Kritik Waas’ nicht gut an. „Diese emotionale Debatte ist der Ausdruck dieser momentan schwierigen Lebenssituation“, sagte Ursula Janssen (Grüne). „Thomas Straßmüller bemüht sich wie kein Zweiter.“ Vor Schuldzuweisungen warnte auch CSU-Fraktionssprecher Christian Köck: „Reißen wir uns alle ein bisschen zusammen.“

Die aktuelle Entwicklung lesen Sie in unserem Corona-Ticker. Und wichtige Fragen rund um die Impfung beantworten wir hier.

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