1. Startseite
  2. Lokales
  3. Miesbach
  4. Miesbach

Klimafreundlicher Bergsport: DAV Miesbach plant Hüttenabgabe

Erstellt:

Von: Sebastian Grauvogl

Kommentare

Miesbacher Hütte, Spitzingsee
Wird ausschließlich mit erneuerbaren Energien versorgt: die Miesbacher Hütte der DAV-Sektion Miesbach am Spitzingsee. © DAV Miesbach

Den C02-Fußabdruck beim Bergsport verringern: Das hat sich die DAV-Sektion Miesbach zum Ziel gesetzt. Sogar über eine Hüttenabgabe wird diskutiert.

Miesbach – Die erste Spur im frischen Pulver: Der Traum eines jeden (Ski)Bergsteigers. Doch was die Sportler meist ausblenden, ist die zweite Spur, die sie bei ihren Ausflügen hinter sich her ziehen. Die ist zwar unsichtbar, aber dafür unauslöschlich: ihre CO2-Bilanz. Und die fällt auch bei Naturliebhabern alles andere als positiv aus, weiß Peter Rosner, Ehrenvorsitzender und Naturschutzreferent bei der Alpenvereinssektion Miesbach. „Bergsport ist Motorsport“, sagt Rosner.

Damit meint der Naturschutzreferent nicht die eigentliche Tour, sondern die Anreise. Trotz immer besserer Angebote öffentlicher Verkehrsmittel gebe es – gerade bei Zielen in entlegeneren Gebieten – nach wie vor keine Alternative zum Auto. 85 Prozent des C02-Fußabdrucks von Bergsteigern würden durch Anfahrt und Übernachtung entstehen. Was also tun? Lieber daheim bleiben? „Sicher nicht“, sagt Rosner. Eines der Vereinsziele der Alpenvereins-Sektion laute nun mal: „Geht’s in die Berge und freut’s euch dort der schönen Natur.“ Und doch sollte man sein Verhalten hinterfragen und sich seiner sozialen und ethischen Verantwortung bewusst sein, findet Rosner.

Lesen Sie auch: „Alpen unter Druck“: DAV-Ausstellung zeigt Größenwahn am Berg

Damit macht der DAV Miesbach jetzt ernst. Unter dem Motto „Vermeiden – Reduzieren – Kompensieren“ wollen sich die Bergsteiger zu folgenden Verhaltensweisen verpflichten: Sie wählen Ziele aus, die mit dem Rad, Bus oder Bahn erreichbar sind. Wo dies nicht möglich ist, bilden sie Fahrgemeinschaften. Weite Strecken bei Eintagestouren werden vermieden, und für die Übernachtung werden Hütten mit Umweltgütesiegel sowie Biohotels ausgewählt.

Hüttenabgabe wird diskutiert

Auf dem sektionseigenen Stützpunkt, der Miesbacher Hütte am Spitzingsee, kommen ausschließlich erneuerbare Energien zum Einsatz. Über eine Umweltabgabe für jede Übernachtung wollen die DAV-Mitglieder bei ihrer Hauptversammlung beraten. Sogar ihre Ausrüstung nehmen sie genau unter die Lupe. Sie informieren sich vor dem Kauf über die Produktionsbedingungen und die Firmenpolitik der Hersteller. Zudem wollen sie klimaschädliche Emissionen – etwa bei Auto- oder Flugreisen – freiwillig kompensieren.

Die Sektion hat dies 2019 bereits gemacht. 500 Euro haben die Verantwortlichen an die Initiative Atmosfair gespendet, die das Geld in das Projekt „Neue Energie für Nepal“ steckt. Ziel ist es, den Bewohnern eines erdbebenverwüsteten Tals Zugang zu klimaschonender Energie zu verschaffen – und ihnen dadurch gleichzeitig eine neue Lebensgrundlage zu verschaffen, berichtet Rosner.

Lesen Sie auch: Miesbacher DAV-Vize: Darum brauchen wir unbedingt eine Senioren-Wandergruppe

Der Naturschutzreferent verschweigt nicht, dass er in der Sektion einiges an Überzeugungsarbeit für das Regelwerk zum Umwelt- und Klimaschutz leisten musste. Doch für ihn steht fest, dass man nicht nur der Politik oder Industrie die Verantwortung zuschieben dürfe. „Bergsteiger sind Landschaftskonsumenten und bewegen sich auf einem schneidigen Grat“, sagt Rosner. Sie reisen, tragen Funktionskleidung und würden jede Infrastruktur nutzen. Deshalb sei es Zeit, sich selbst zu hinterfragen und Alternativen zu nutzen. Dies werde nun mit dem neuen Verhaltenskodex erfolgen.

Rosner ist überzeugt, dass es mit der Umsetzung klappt. Denn noch besser als die erste Spur im unberührten Schnee ist das Gefühl, der Natur in den Bergen damit nicht geschadet zu haben.

Auch interessant

Kommentare