Der Zeiselbach in Bad Wiessee tritt nach heftigen Regenfällen über die Ufer.
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Extreme Unwetterereignisse häufen sich. Unsere Aufnahme entstand im Juni vergangenen Jahres, als der Zeiselbach in Bad Wiessee nach heftigen Regenfällen über die Ufer trat.

Bessere Vorbereitung für Extremwetter

Klimawandel: Forschungsprojekt soll Gemeinden im Landkreis Miesbach besser schützen

  • Katrin Kleinschmidt
    VonKatrin Kleinschmidt
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  • Sebastian Grauvogl
    Sebastian Grauvogl
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Der globale Klimawandel ist längst im Lokalen angekommen. Wie sich die Kommunen im Landkreis Miesbach besser darauf vorbereiten können, untersucht das Forschungsprojekt KARE.

Landkreis – In einem Ortsteil laufen die Keller voll, ein paar Kilometer weiter gießen die Hausbesitzer ihre ausgetrockneten Gärten. Starkregenereignisse werden in Zeiten des Klimawandels nicht nur häufiger, sondern auch immer schwerer vorherzusagen. Wo und wann genau die höchsten Niederschlagsmengen auftreten, können die klassischen Wettermodelle angesichts der großen Unterschiede auf kleinstem Raum kaum mehr erfassen. Klar: Es steht ja auch nicht auf jedem Quadratkilometer eine Messstation.

Wie sich Landkreise und Gemeinden besser auf die lokalen Auswirkungen des Klimawandels vorbereiten können, untersucht das Projekt KARE (Klimawandelanpassung auf regionaler Ebene), in dessen Begleitgruppe auch der Landkreis Miesbach mitwirkt. Wie Klimaschutzmanagerin Veronika Halmbacher erklärt, werden hier Ergebnisse, die in den Pilotgemeinden Garmisch-Partenkirchen und Weilheim erarbeitet werden, diskutiert und auf ihre Übertragbarkeit hin überprüft. Die Projektleitung liegt bei der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) sowie der Energiewende Oberland (EWO) mit Sitz in Penzberg als Praxispartner in der Region.

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Sturzflutrisikomanagement für Kommunen

„Ziel ist es, in den kommenden drei Jahren Kommunen im Oberland effektiv bei der Etablierung eines Sturzflutrisikomanagements und einer Risikokommunikation zu unterstützen“, berichtet Halmbacher. Auch der Umgang mit Hochwasser-, Schneelast- und Hangrutschereignissen steht im Fokus. Zudem sollen Kommunen und die Bevölkerung für die Klimaanpassung sensibilisiert werden.

Zum Auftakt – der corona-bedingt virtuell stattfand – loggten sich knapp 50 Teilnehmer in die Video-Konferenz ein, weitere 40 Interessierte verfolgten das Geschehen live auf Youtube. Unter ihnen waren Vertreter von Gemeinden und Behörden sowie Wissenschaftler und Experten, die ihre Kenntnisse und Forschungsergebnisse bei KARE einbringen.

Was die Lokalpolitiker aus dem Gefühl heraus berichteten, belegte Stefan Emeis mit Fakten. Der Forscher vom Campus Alpin des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) in Garmisch-Partenkirchen zeigte anhand von Daten, dass es immer stärkere Niederschläge in immer kürzerer Zeit gebe. „Gleichzeitig nimmt aber auch die Anzahl der Tage zu, an denen es überhaupt nicht regnet“, sagte Emeis. Das sei ein Nachteil, weil die Böden dann austrocknen und schlechter Wasser aufnehmen könnten. Zudem steige die durchschnittliche Temperatur, vor allem in den Frühlings- und Wintermonaten.

Präzisere und engmaschigere Messstationen

Im Rahmen von KARE will das Institut nun noch genauer betrachten, wie die Niederschläge fallen. Deshalb seien in Weilheim und Garmisch-Partenkirchen weitere Messstationen errichtet worden. „So bekommen wir räumlich verfeinerte Daten.“ Zudem sollen vor allem Niederschläge betrachtet werden, die in 15 bis 30 Minuten fallen und damit ursächlich für Überschwemmungen sind. Ziel sei es, exaktere Hochwasserkarten erstellen zu können, aus denen ersichtlich wird, wo der Regen hinfließt. Auch Sturzflutrisikoanalysen sind angedacht. „Wir hoffen, dass wir dann etwas über das Hochwasserrisiko 2035, 2050 und 2075 sagen können.“

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Mit diesem Wissen könnten Planer, Politiker und auch Unternehmen besser Entscheidungen treffen, wenn es beispielsweise um Bauvorhaben geht. Denn wie KARE-Gesamtleiter Matthias Garschagen von der LMU München ausführte, trifft der Klimawandel eben auch auf den sozioökonomischen Wandel: Wachstumsdruck, Flächenversiegelung und Versicherungsfragen, wenn es um die Einschätzung des Risikos geht. Bei den Lösungsansätzen müssten viele Dinge berücksichtigt werden: Effizienz, soziale Akzeptanz, politische Umsetzbarkeit und Kosteneffizienz.

„Das ist die Mammutaufgabe, die wir vor uns haben“, resümierte Garschagen. „Aber wir können sie angehen. Und dafür haben wir mit KARE unheimlich gute Voraussetzungen.“

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