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Setzt auf Verjüngung von unten: Michael Lechner in einem Waldstück in Lichtenau bei Miesbach. 

Waldumbau notwendig?

Klimawandel: Diese exotischen Bäume könnten bald bei uns heimisch werden

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Der Wald als Klimaretter? Dafür braucht es Bäume, die heißen und trockenen Sommern trotzen. Die ersten Vertreter wurden rund um Miesbach bereits gepflanzt.

Miesbach – So richtig fremd sind die Neuzugänge nicht. Streng genommen handelt es sich bei ihnen sogar um Heimkehrer. Zum Ende der Kreidezeit – also vor rund 66 Millionen Jahren, waren die Tulpenbäume in Europa weit verbreitet. Damals sah es hier aber auch sonst ziemlich anders aus als heute. Tropische Temperaturen ließen nicht nur aus heutiger Sicht exotische Pflanzen gedeihen, sondern auch mächtige Tiere: die Dinosaurier.

Zumindest die Tulpenbäume feiern jetzt ihre Rückkehr in unsere Breitengrade. Beim ehemaligen Gemeindehaus Wies in Miesbach wurden zwei der Magnoliengewächse gepflanzt, berichtet Miesbachs Umweltreferent und Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung (WBV) Holzkirchen, Michael Lechner. Der bereits gut verwurzelte Baum an der Stadtbücherei hat damit neue Artgenossen in unmittelbarer Nachbarschaft erhalten.

Lechner geht davon aus, dass es nicht die einzigen Beispiele bleiben werden. In Zeiten des Klimawandels sei es an der Zeit, über die Ansiedlung neuer Arten in öffentlichen Parks oder auch privaten Gärten nachzudenken. Teilweise werde das schon praktiziert, etwa beim griechischen Restaurant Meteora, wo nun Platanen für Schatten und gute Luft sorgen sollen. „Das sind alles Bäume, die mit der Entwicklung gut zurecht kommen“, sagt Lechner. Sprich: Sie lassen sich auch von längeren heißen und trockenen Phasen im Sommer nicht aus der Ruhe bringen.

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Das Ende von Ahorn, Esche und Co. im Landkreis? Der WBV-Vorsitzende schüttelt den Kopf. Ganze Wälder von Platanen und Tulpenbäumen werde es vorerst nicht geben. Doch auch die Waldbesitzer müssten handeln und ihre Bestände fit für die Folgen der Erderwärmung machen. Lechner rät hier vor allem zur Verjüngung im Schutz der ausgewachsenen Gehölze. Unter diesem „Schutzschirm“ könne man Laubbäume und Tanne leichter großziehen als auf freiem Feld – und so bereits jetzt eine „Versicherung“ gegen neue Wetterextreme wie Stürme, Schneebruchereignisse oder Schädlingsangriffe abschließen. Sich nur auf die Fichte zu verlassen, hält der Experte hingegen für „grob fahrlässig.“ Als geeignet erscheint ihm ein ausgewogenes Verhältnis mit 30 Prozent Tanne, 30 Prozent Laubbäume und maximal 40 Prozent Fichte.

Zwar sei der Waldumbau in erster Linie Sache der Waldbesitzer. Doch müssten sie auch in ihrer Arbeit unterstützt werden – finanziell, aber auch mit Beratungsangeboten und der politischen Umsetzung des Grundsatzes „Wald vor Wild“. Gerade der Verbiss würde die Aufzucht klimafreundlicher Bäume im Landkreis oft gefährden, erklärt Lechner. Und damit auch die gesellschaftlich notwendigen Funktionen des Waldes: „Keine Form der Landbewirtschaftung bringt so viel für das Gemeinwohl wie der Wald“, ist der WBV-Chef überzeugt.

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Dass der Forst nun aber gar als „Allheilmittel“ gegen den Klimawandel stilisiert wird, geht Lechner deutlich zu weit. „Für mich ist das eine Alibi-Geschichte.“ Gerade im ohnehin mehr als zur Hälfte aus Wald bestehenden Landkreis Miesbach sei es unrealistisch, auf grüner Wiese Anpflanzungen im großen Stil zu fordern. Viel wichtiger sei es, die Bestände zu schützen und eben durch Verjüngung zu erhalten. Und da dürfe man auch im Wald durchaus mal experimentierfreudig sein, betont Lechner. Er selbst versucht sich gerade mit der Douglasie. Offenbar mit Erfolg: „Das ist ein Hoffnungsträger.“

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