Klopf & Collect: Das Fenster der Stadtbücherei fungiert derzeit gewissermaßen als Drive-in-Schalter, an dem die Kunden ihre bestellten Medien abholen können.
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Klopf & Collect: Das Fenster der Stadtbücherei fungiert derzeit gewissermaßen als Drive-in-Schalter, an dem die Kunden ihre bestellten Medien abholen können.

Mehr Ausleihen im vergangenen Jahr

Klopf & Collect: So profitiert die Bücherei Miesbach vom Corona-Lockdown

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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In den vergangenen Monaten hat die Corona-Pandemie das Leben der Menschen stark beeinträchtigt und etablierte Freizeitbeschäftigungen radikal auf Eis gelegt. Eine Situation, von der die Stadtbücherei Miesbach offenbar profitiert hat. Denn die Zahl der Ausleihen ist in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen.

Miesbach – In die Stadtbücherei Miesbach kehrt wieder ein wenig des einst gewohnten Lebens zurück. Seit einer Woche werden dort im Rahmen von Click & Collect wieder Medien ausgeliehen. Betreten dürfen die Nutzer das Reich der Bücher, Zeitschriften und Hörspiele coronabedingt zwar immer noch nicht, aber immerhin ist es ein Schritt zurück in Richtung Normalität. Einfach online oder per Telefon die gewünschten Titel bestellen und am nächsten Tag abholen. Als Ausgabeschalter dient hier das Fenster der Bücherei.

Zahlenmäßig ist die Resonanz der Nutzer aktuell zwar noch nicht abrufbar, aber Leiterin Stephanie Kilian hat dennoch festgestellt: „Das Angebot wird sehr gut angenommen.“ Besonders stark zugenommen hat der Zugriff auf die Onleihe. Das Angebot bietet Bücher zum zeitlich beschränkten Download auf das E-Book-Lesegerät. 16 499 Leihen wurden 2020 durchgeführt – das sind elf Prozent mehr als im Vorjahr. Noch aussagekräftiger ist die Zahl der Nutzer. Diese stieg im vergangenen Jahr um 154 auf nunmehr 532.

„Der Trend ist absolut positiv“, sagt Kilian. Zumal das Ausleihen derzeit den Corona-Schutzmaßnahmen sehr gut entgegenkommt: Ein persönlicher Kontakt ist nicht nötig – man leiht online aus und mit Ablauf der Leihfrist erlischt die Zugriffsmöglichkeit.

Damit hierbei das Lesefutter nicht ausgeht, hat die Bücherei im Vorfeld weitere Lizenzen gekauft und das Angebot erweitert. Dass damit dem Trend der Zeit entsprochen wurde, belegen die Zugriffszahlen.

Aber auch beim Entleihen von Medien wurde mehr mit nach Hause mitgenommen – und das, obwohl die Bücherei nur 770 von eigentlich vorgesehenen 1352 Stunden im vergangenen Jahr geöffnet hatte. Dennoch wurden 82 446 Medien an derzeit 2424 aktive Nutzer ausgegeben.

Ganz oben auf der Beliebtheitsskala stehen Titel für Kinder und Jugendliche. So wurde „Das magische Baumhaus“ 173 Mal ausgeliehen, gefolgt von „Bibi Blocksberg“ (164), „Harry Potter“ (151), den drei Fragezeichen (147), Asterix (138) und „Mama Muh“ (137).

Bei den Erwachsenen lassen sich solch klare Magnete nicht benennen – hier seien die Vorlieben breiter gefächert. „Was immer noch sehr beliebt ist, das sind Krimis und Thriller“, berichtet die Büchereileiterin. Und natürlich die Titel von der Spiegel-Bestsellerliste. „Da geht es für uns auch darum, möglichst aktuell zu sein“, erklärt Kilian. Auch historische Stoffe würden von einem breiteren Publikum gerne gelesen. Neuer im Angebot sind Tonies und Gesellschaftsspiele, und auch damit hat das Bücherei-Team seiner Kunden gut eingeschätzt. „Beides erfreut sich großer Beliebtheit.“

Um hier auf dem Laufenden zu bleiben, hat das Team gut zu tun. Trotz Corona gab es für die 2,7 festangestellten Mitarbeiter und zwölf ehrenamtlichen Helfer keine Kurzarbeit. In der Lockdown-Phase wurde umgeräumt und der Bestand aktualisiert. Mit Blick auf die Leseförderung wurde vor allem der Kinderbereich bis neun Jahre neu aufgestellt und der Erstleserbereich aufgestockt.

Wer aktuell Mitglied bei der Bücherei werden möchte, kann dies ebenfalls kontaktlos abwickeln – per Mail und eingescanntem Personalausweis an stadtbuecherei@miesbach.de. Die Bezahlung der 15 Euro Jahresgebühr (ermäßigt sieben Euro oder gratis) erfolgt per Lastschriftverfahren oder Überweisung.

Doch so gut das Bestellen und Abholen aktuell funktioniert: Ein endloser Zustand kann das Click-&-Collect-System nicht sein. Denn im Rahmen der Corona-Vorschriften können die Medien derzeit nicht zurückgegeben werden – ohne Säumnisgebühr. „Das Material geht uns trotzdem nicht aus“, sagt Kilian. Dennoch kann nur verliehen werden, was im Bestand ist. Die Rückkehr der Medien wird jedenfalls arbeitsintensiv. Denn wie nach dem ersten Lockdown müssen sie drei Tage in Quarantäne – zum Desinfizieren.

ddy

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