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Noch ist alles leer: Die Handwerker verpassen der neuen Versteigerungshalle den letzten Schliff. 1200 Menschen finden hier Platz.

Rundgang in der neuen Oberlandhalle

Ein Königreich für das Fleckvieh

Miesbach - Heute, Mittwoch, geht der erste Zuchtviehmarkt in der neuen Versteigerungshalle in Miesbach über die Bühne. Wir haben vorab einen Blick hinter die Kulissen geworfen.

Es wird spannend zu beobachten, wer heute beim ersten Zuchtviehmarkt nervöser sein wird. Die Tiere, ihre Besitzer oder Balthasar Biechl, der Vorsitzende des Zuchtverbands? Letzterer wirkt zumindest am Tag zuvor relativ entspannt. „Ich habe zurzeit zwar viel zu tun, bin aber von Haus aus eher ein ruhiger Typ“, sagt Biechl. Und gearbeitet wird wirklich bis zum letzten Tag. Die metallenen Treppengeländer sind noch von Folien geschützt, in der Versteigerungshalle schraubt ein Arbeiter die letzten Sitzbänke fest. Auch der typische Stallgeruch fehlt noch, aber das wird sich bald ändern.

Wer auf das neue Zuchtverbandsgelände fährt, kommt zunächst auf die weitläufige Anlieferungszone vor den Stallungen. Hier laden die Züchter ihre Zenzis, Almas oder Glockis aus und führen sie in den Stall. „Fast alle Tiere haben einen Namen“, berichtet Biechl. Die Züchter haben eine sehr persönliche Verbindung zu ihren Rindviechern. Bevor Zenzi in den Stall darf, wird sie in einem Vorraum zuerst noch untersucht. Sie bekommt eine Marktnummer, wird tierärztlich begutachtet und schließlich noch gewogen. Sind alle Überprüfungen beendet, geht es unter die Dusche – mit angenehm lauwarmem Wasser. Und sogar eine Fußbodenheizung ist im Beton verlegt, damit das wertvolle Vieh nicht auf gefrorenem Beton ausrutscht.

Das ist die neue Zuchtverbandshalle Miesbach

Das ist die neue Zuchtverbandshalle Miesbach

Stallungen

Als nächstes geht es in den Stall. Auch da wird es den Rindern so angenehm wie möglich gemacht. Das Großvieh, also Kühe und Bullen, steht dann im Haupttrakt in Reih und Glied. Die Kapazität ist auf 180 Tiere ausgelegt. „Hier wird es keinem zu eng“, verspricht Biechl. „Damit verhindern wir, dass die Viecher nach dem Transport noch zusätzlich gestresst werden.“ Die Kälber haben ihren eigenen Stall, sie werden in Sammelboxen untergebracht. Bis zu 850 Jungtiere haben hier Platz. Noch ist der Betonboden blank, das Stroh wird erst noch verteilt. „Aus Hygienegründen spülen wir den Stall nach jeder Versteigerung wieder aus“, erläutert Biechl. Eines haben beide Gebäude gemeinsam: Sie sind von Tageslicht durchflutet. „Durch die Lichtfirste im Dach wirkt alles sehr luftig und hell“, sagt der Zuchtverbandsvorsitzende.

Versteigerungshallen 

Irgendwann ist es dann so weit. Der große Moment für Zenzi und ihren Besitzer ist gekommen. Durch einen breiten Gang schreiten sie in das Rund der Versteigerungshalle. 1200 Sitzplätze gibt es hier, der Versteigerer steht auf der von einem gläsernen Geländer eingefassten Empore. Alle wichtigen Daten wie Milchmenge, Melkbarkeit und Gewicht werden per Beamer an die Wand projiziert. Die Kälber werden unterdessen in einem separaten Raum versteigert – erstmals am morgigen Donnerstag. Auf der Tribüne in der kleinen Halle finden bis zu 60 Leute Platz.

Verwaltungsgebäude 

Direkt neben der großen Halle liegt der Verwaltungstrakt. Noch stehen viele Kisten im Gang, in den Büros wird aber schon fleißig gearbeitet. „Das sind meine wichtigsten Leute“, sagt Biechl. Bis drei Wochen vor der Versteigerung nehmen die acht Mitarbeiter Anmeldungen entgegen. Und sie kümmern sich um die Herdbuchführung, die Erfassung des Stammbaums der Tiere. Damit alles reibungslos funktioniert, sind sie mit den Versteigerern und der Marktabrechnung vernetzt. Im Obergeschoss liegt die Kantine. Hier stärken sich die Züchter, bevor ihre Tiere aufgerufen werden. Über große Fenster können sie bei Weißwurst und Bier das Geschehen in der Halle verfolgen. Es ist alles angerichtet. Doch bis sich alles eingespielt hat, wird es noch ein bisschen dauern. „Vielleicht schaffe ich es dann mal, mein Büro einzuräumen“, sagt Biechl und schmunzelt. „Aber das kann warten.“ Denn momentan ist er sowieso eher im Stall anzutreffen.

Von Sebastian Grauvogl

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