Kommentar: Stephen Hank
+
Stephen Hank, Redaktionsleiter von Miesbacher Merkur, Holzkirchner Merkur und Tegernseer Zeitung.

Kommentar zu Liveübertragungen aus dem Sitzungssaal

Falsche Selbstwahrnehmung

  • Stephen Hank
    vonStephen Hank
    schließen

Wecken Liveübertragungen das Interesse für Kommunalpolitik? Und ersetzen sie die Berichterstattung seriöser Medien? Dazu ein Kommentar von Redaktionsleiter Stephen Hank

Man kann von Liveübertragungen halten, was man will: Ein Feuer der Begeisterung für Kommunalpolitik entfachen sie sicher nicht. Zu glauben, ein breites Publikum mit dem mitunter zähen Talk aus dem Sitzungssaal fesseln zu können, zeugt von einer falschen Selbstwahrnehmung. Transparenz hin oder her: Politik lebt von Teilhabe, auch virtuell. Erfolgreiche Online-Formate wie kürzlich der digitale Bürgerdialog des Wiesseer Bürgermeisters sind ein gutes Beispiel dafür.

Liveübertragungen ersetzen auch keine – kritische – Berichterstattung. Wer die Hoffnung hegt, mit ihnen der Presse die Macht zu nehmen, offenbart ein problematisches Grundrechtsverständnis und verkennt die Rolle der Medien für eine funktionierende Demokratie. Und er setzt aufs falsche Pferd. Denn die Gefahr droht genau von der anderen Seite – von den sozialen Netzwerken und der dortigen Stimmungsmache. Eine virtuelle Welt, in der Fehltritte, wie sie bei Liveübertragungen nicht ausbleiben werden, womöglich erbarmungslos ausgeschlachtet werden. Wer damit umgehen kann und von Anfeindungen oder Verspottung unberührt bleibt, ist wahrlich gesegnet. Jeder andere sollte gut abwägen, ehe er sich auf diese Liaison einlässt.

Lesen Sie dazu: Wer schaut die Übertragungen aus dem Sitzungssaal?

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare