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Zwischen Politiker und Privatmann: Olaf von Löwis (CSU) und Wolfgang Rzehak (r.) bei Facebook.

Kommunalwahl 2020

Strand-Selfie gegen Profi-Profil: Landratskandidaten starten in den Facebook-Wahlkampf

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Der Landratswahlkampf bei Facebook hat begonnen. Den ersten Schlagabtausch haben sich Wolfgang Rzehak (Grüne) und Olaf von Löwis (CSU) bereits geliefert. Ihr Profil könnte unterschiedlicher nicht sein.

Wann wird gewählt? Wie sieht der Stimmzettel aus? Wir haben bereits alle Informationen zur Komunalwahl 2020 in Bayern zusammengestellt.

Landkreis – 22. Juni, 18.56 Uhr: Urlaubs-Selfie mit nassen Haaren und nacktem Oberkörper am Strand von Sardinien. 22. Juni, 22.39 Uhr: Kommentar zur „Super Aktion gegen die rechten Dumpfbacken“ von Bürgern vor dem Neonazi-Festival im sächsischen Ostritz. 23. Juni, 22.24 Uhr: Gratulation an den Oppositionskandidaten nach dem Sieg bei der Bürgermeisterwahl in Istanbul. Wer sich durch den Facebook-Auftritt von Wolfgang Rzehak klickt, erlebt weit mehr als nur den Landrat des Landkreises Miesbach. Nahezu jeden Tag teilt der Grünen-Politiker sein Leben mit mehr als 2500 Freunden. Privat, beruflich – und gern auch richtig politisch.

Letzteres bringt Rzehak durchaus Gegenwind ein. Jüngstes Beispiel: die Niederlage der deutschen Pkw-Maut vor dem Europäischen Gerichtshof. Aus seinem Familienurlaub auf Sardinien teilt der Landrat die Eilmeldung der Tagesschau – mit einem scharfen Kommentar. „CSU und eine vernünftige Verkehrspolitik passt halt nicht zusammen: Weder im Bund noch in Bayern!“, schreibt Rzehak am 18. Juni um 10.40 Uhr. Dann folgt der lokalpolitische Seitenhieb: Die Bahn-Infrastruktur, auch hier im Oberland, sei dabei vernachlässigt worden, immer mehr verlottert und zum Teil sogar bewusst abgebaut worden. „Alles unter der Verantwortung von CSU-Verkehrsministern im Bund und in Bayern!“

Kommunalwahl 2020: Schlagabtausch über Maut-Debakel der CSU

Die Retourkutsche folgt um 16.09 Uhr. Der CSU Kreisverband Miesbach postet ein Schreiben von Landratskandidat Olaf von Löwis: „Sehr geehrter Herr Landrat, lieber Wolfgang, ich bin entschieden nicht Deiner Meinung!“ Die CSU, allen voran Ilse Aigner und Alexander Radwan, würde sich seit Jahren für einen verbesserten Nahverkehr auf Straße und Schiene einsetzen. Mit Erfolg: Gerade die kürzlich bekannt gegebene Vorfinanzierung des Freistaates sei ein klares Signal für eine Elektrifizierung im Oberland. „Auch der Anstoß zum MVV-Beitritt kam von der Landkreis-CSU und wurde von Dir zuerst nicht unterstützt“, schießt Löwis gegen Rzehak. Nicht zuletzt bittet er auch „um etwas mehr Fairness im Umgang mit dem politischen Konkurrenten“.

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Zwei Dinge lassen sich daraus folgern. Erstens: In den sozialen Netzwerken hat der Wahlkampf begonnen. Und zweitens: Der Grüne Landrat und sein CSU-Rivale verfolgen höchst unterschiedliche Strategien. Während Rzehak sein Leben als Politiker, Familienmensch, Trachtler oder Eishockey-Fan bei Facebook bewusst miteinander verknüpft, setzt Löwis auf eine strikte Trennung.

Der Landrat ist seit 2013 im sozialen Netzwerk aktiv. „Das gehört als Politiker in der heutigen Zeit einfach dazu“, sagt er. Facebook biete die Möglichkeit, Themen zu fokussieren oder Falschbehauptungen richtigzustellen. Selbst im Familienurlaub legt Rzehak sein Smartphone nicht still. Als Landrat müsse er für seine Mitarbeiter immer erreichbar sein. Doch er wird auch von sich aus aktiv.

Kommunalwahl 2020: Landrat postet private Fotos ganz bewusst

Mit privaten Fotos geizt er dabei nicht. Und dies nicht nur für sein persönliches Tagebuch, sondern auch als bewusste Methode: „Damit ist man für die Leute nahbarer, ein ganz normaler Mensch“, erklärt Rzehak. Dass auch seine Frau Susi und die beiden Töchter auf den Bildern auftauchen, störe „seine Mädels“ nicht: „Sie wissen, was gepostet wird.“ Sonst schaue aber vor Veröffentlichung niemand über seine Posts, versichert der Landrat.

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Sein Herausforderer hat hingegen ein paar Korrekturschleifen eingebaut. Ein Team aus jungen Leuten unterstütze ihn bei der Betreuung seines Facebook-Accounts, erklärt Löwis. Zwar habe er sich 2014 „breitschlagen lassen“, sich im sozialen Netzwerk anzumelden, wirklich gepflegt habe er seinen privaten Auftritt aber lange Zeit nicht. Dennoch hätten ihm seine Mitstreiter bei der Nominierungsversammlung dazu geraten, seine Aktivitäten im Wahlkampf zu intensivieren. Dies ist kürzlich mit der Eröffnung einer professionellen Facebook-Seite geschehen.

Kommunalwahl 2020: Herausforderer beschränkt sich auf politische Themen

Löwis ist es wichtig, sich hier rein als Politiker zu präsentieren. Urlaubsfotos oder weltpolitische Kommentare sucht man bei ihm vergeblich. „Meine Aufgabe ist die Lokalpolitik“, sagt Löwis. Überhaupt hält der Bürgermeister von Holzkirchen nichts von emotionalen Diskussionen im sozialen Netzwerk. Man müsse nicht immer sofort auf jeden Post reagieren. „Ich halte da die Leine lieber lang“, sagt Löwis. In den kommenden Monaten werde er sich mit seinem Team darauf konzentrieren, selbst Themen zu setzen.

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So gesehen kam der „Aufschlag“ mit der Reaktion auf Rzehaks Maut-Kommentar eigentlich früher als geplant. Tatsächlich sei er wie der Landrat zu dieser Zeit im Urlaub gewesen, erzählt Löwis schmunzelnd. Seine Leute im Kreisverband hätten ihm dennoch dazu geraten, in diesem Fall zeitnah zu antworten. Eines ist für Löwis aber wichtig: Schnellschüsse wird es bei ihm nicht geben. „Wenn Facebook, dann gscheit.“

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