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Nachfolger gesucht: In Miesbach hat sich bislang noch kein klarer Kandidat für das Amt des Bürgermeisters herauskristallisiert. Aber es gibt Spekulationen.

Kommunalwahl 2020

Miesbach sucht den Bürgermeister

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Im kommenden Jahr endet die Amtszeit von Bürgermeisterin Ingrid Pongratz. Zeit für einen Neuanfang, sagen viele. Doch der wird schwierig. Den Parteien fehlen Kandidaten, die für das Amt antreten wollen. Das Problem: Die Schwergewichte sind zu alt, und neue Kräfte gibt es kaum. Die Kreisstadt im Dilemma.

Als Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) 2015 zu ihrer letzten Amtszeit antrat, stellten die anderen Fraktionen des Stadtrats gar keinen Gegenkandidaten mehr auf. Gegen die Amtsinhaberin – so sagte man – hätte jeder einen schweren Stand. Es sei also unnötig, einen vielleicht verheißungsvollen neuen Kandidaten mit einer Niederlage zu verheizen. Lieber wolle man sich auf 2020 konzentrieren, wenn der Chefsessel im Rathaus definitiv neu besetzt wird. Nun, ein Jahr davor, sind jene Kandidaten rar. Jede Fraktion sucht und hofft, dass sich in den nächsten Wochen oder Monaten irgendwie die personelle Wunschlösung auftut, mit der sich eine Wahl gewinnen lässt.

Dabei hätte Miesbach durchaus jemanden, der sich bereits bewährt hat. Als Pongratz 2017 krankheitsbedingt für zwei Monate ausfiel, hat Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) sie vertreten und sich dabei viel Anerkennung bei den Fraktionen im Stadtrat und bei der Verwaltung erarbeitet. Der Mann aus der zweiten Reihe könnte die Amtsgeschäfte übernehmen. Ähnlich wie Pongratz 2003, als sie nach dem Tod von Bürgermeister Gerhard Maier das Amt übernahm. Die Sache hat nur einen Haken: Fertl ist älter als Pongratz (63) und steht mit aktuell 67 Jahren für eine Wahl 2020 nicht mehr zur Verfügung.

Für 2020 wurden keine Kandidaten aufgebaut

Miesbach hat damit ein Dilemma: Es fehlen potenzielle Nachfolger, die gezielt für 2020 aufgebaut wurden. Vor allem bei der CSU offenbart sich ein Vakuum. Sicher, die Amtsinhaberin wäre 2020 erst 64 Jahre alt, könnte also noch mal, doch hatte sie bereits vor ihrer Wiederwahl 2015 gesagt, dass dies ihre letzte Amtsperiode sei – überreden zwecklos.

„Wir sind immer noch auf der Suche“, sagt CSU-Ortschef Gerhard Braunmiller. Eigentlich wollte die CSU im Herbst 2018 bereits eine gewisse Klarheit haben, aber das Thema zieht sich. „Wir befinden uns immer noch in Gesprächen und können derzeit noch nichts sagen“, erklärt der Vorsitzende. Einzelne Namen – zu hören sind immer wieder JU-Kreisvorsitzende Verena Assum, SV-Miesbach-Vorsitzender Stefan Griesbeck und auch Braunmiller selbst – will der Vorsitzende nicht kommentieren. Gerade aus dem Stadtrat komme im Prinzip fast jeder infrage – und ja, auch er.

Noch etwas Zeit brauchen die Grünen, die Ende Februar einen neuen Ortsvorstand gewählt haben. „Wir sind jetzt erst in einer Orientierungsphase“, sagt die neue Vorsitzende, Stadträtin Astrid Güldner. Einen Kandidaten würden die Grünen gerne ins Rennen schicken, doch noch ist keiner gefunden. Eines stehe jedoch fest: Aus der Stadtratsfraktion werde es niemand sein – auch sie nicht.

Parteien auf der Suche

„Noch ist nichts spruchreif“, sagt Michael Lechner über die Kandidatensuche bei den Freien Wählern. „Mit Namen können wir noch nicht dienen.“ Man habe leider Absagen bekommen, aber es zeichne sich etwas ab. Wer seit Jahren für die anderen Fraktionen als Kandidat irgendwie feststeht, ist Markus Seemüller, der sich im Stadtrat als kritischer Kollege, aber auch im Arbeitskreis Marktplatz profiliert hat, aber dem vernehmen nach nicht so recht zieht. „Er wäre ein sehr guter Kandidat und sehr geeignet“, meint Lechner, aber er könne dazu „nichts Genaues“ sagen. Eines stehe jedoch fest: Er selbst komme dafür nicht infrage. „Vom Alter her dürfte ich zwar, denn ich wäre 2020 erst 65 Jahre alt, aber“, so ergänzt der Waldwirt und Baumreferent des Stadtrats, „für einen Naturmenschen wie mich wäre das nicht das Richtige.“

Auch bei der SPD laufen die Überlegungen „seit Längerem“, wie Fertl sagt. „Noch gibt es aber kein finales Ergebnis.“ Namen will er keine nennen, aber zwei, die derzeit genannt werden, kommentiert er dennoch: SPD-Ortsvorsitzender Thomas Schneider und Ex-Feuerwehrkommandant Walter Fraunhofer, der zwar kein Parteimitglied ist, aber seit Jahren der Fraktion angehört. „Beide sind vorstellbar“, sagt Fertl. Schneider hätte als Architekt das Zeug dazu, zumal Baurecht einen großen Teil der Arbeit im Rathaus ausmache. Und Fraunhofer wäre als Stadtrat gut eingearbeitet. Zudem ist zu hören, dass Fraunhofer ein überparteilicher Kompromiss werden könnte. Entsprechende Gespräche soll es schon gegeben haben.

Ein Problem ist, und das verbindet alle Fraktionen: Für etwaige Kandidaten müssen die Umstände passen. Das sind die Situation in Beruf und Familie, das richtige Alter und die persönliche Eignung. Nicht zuletzt, sagen die Befragten, sei der Job des Rathauschefs in der Kreisstadt anspruchsvoll und zeitintensiv – was man mögen muss. Und man muss sich eine Arbeit mit dem Stadtrat vorstellen können.

ddy

Die Serie

Wie es ein Jahr vor der Kommunalwahl in den einzelnen Kommunen aussieht, welche Herausforderer die Fraktionen ins Rennen schicken wollen und welche Namen gehandelt werden, beleuchten wir in dieser Serie.

Lesen Sie dazu auch unseren Auftaktbericht. Dort finden Sie weitere Links zum Thema Kommunalwahl 2020 in den übrigen Gemeinden.

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