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Wenn es so raucht wie bei diesem Brand und die Einsatzkräfte mit Atemschutzgerät arbeiten, kann es zu Störungen mit dem Digitalfunk kommen.

Kommunikation bei der Feuerwehr

Probleme mit dem neuen Digitalfunk: Lebensgefährliche Funkstille

Landkreis - Bei der Feuerwehr im Kreis Miesbach schwelt Ärger. Der neue Digitalfunk erfüllt in der Praxis  nicht immer die Erwartungen. Bei der Kommunikation mit Atemschutzträgern gibt‘s besonders große Probleme.

Undurchdringlicher schwarzer Rauch erfüllt eine in Brand geratene Lagerhalle. Riesige Flammen und große Hitze schlagen den Atemschutzträgern entgegen, die sich in das Inferno gewagt haben. Die Sicht ist gleich null. Einer der Männer möchte über das in seine Maske integrierte Mikrofon Kontakt zu seinem Kommandanten aufnehmen, um entsprechende Anweisungen zu bekommen. Der versteht jedoch nur bruchstückhaft, was sein Kamerad ihm mitteilen möchte.

Ein solches Szenario mag für die hiesigen Feuerwehren vielleicht nicht alltäglich sein, realistisch ist es aber allemal. Und vor allem gefährlich. Besonders dann, wenn im Ernstfall tatsächlich die Technik nicht das hält, was sie selbstverständlich tun sollte – nämlich in jeder Situation absolut zuverlässig zu arbeiten. Das tut sie offenbar aber nicht.

Beim Start des Digitalfunks ahnten (v.l.) Karl Limmer, Anton Riblinger, Florian Vitzthum und Marco Kuhn noch nichts von den Funkproblemen. Foto: Archiv Thomas PLettenberg

Wie berichtet, wurden in den vergangenen Monaten Zug um Zug alle Feuerwehren und Rettungsdienste im Freistaat von analogem auf digitalen Funk umgerüstet – eine umfangreiche Testphase läuft und hat erste, durchaus schwerwiegende Probleme ans Tageslicht gefördert, wie der Irschenberger Kommandant Tom Niggl berichtet. Zumindest, was die Zuverlässigkeit der Handgeräte im Direktbetrieb anbelangt.

Zur Erklärung: Bei der digitalen Technik sind grundsätzlich zwei Varianten zu unterscheiden. Da ist einerseits der Netzbetrieb (TMO), der eine Funkkommunikation im Netz ermöglicht. Diese Variante kommt etwa zum Einsatz, wenn aus einem Fahrzeug heraus mit der Leitstelle kommuniziert wird. Variante zwei, die sogenannte Direct-Mode-Operation (DMO), funktioniert ohne Netzanbindung von Funkgerät zu Funkgerät, ähnlich wie ein herkömmliches Walkie-Talkie.

Probleme, sagt der erfahrene Feuerwehrmann Tom Niggl, bereiten in der Praxis beide. Beim Netzbetrieb gebe es noch „viele weiße Flecken. Das funktioniert vorne und hinten nicht“, ärgert sich der 42-Jährige. Der Direktbetrieb arbeite prinzipiell zwar recht gut. „Die Reichweite ist sogar besser als vorher.“ Problematisch sei allerdings die Sprachqualität im Atemschutzbetrieb. „Draußen ist absolut unverständlich, was die Kameraden drinnen sagen“, zürnt der Kommandant. „Das kann und darf nicht sein. Man muss doch wissen, was Sache ist. Da hängt das Leben der Rettungskräfte dran.“ Er sei nicht nur enttäuscht, sondern „sauer“. Schließlich sollte der Digitalfunk ja bereits 2006 zur Fußballweltmeisterschaft an den Start gehen. „Das ist bald ganze elf Jahre her“, betont Niggl.

Dabei sei er über Jahre hinweg sogar ein Fürsprecher der Technik gewesen und habe sich zeitweise mit Kollegen angelegt, um diese zu überzeugen. „Ich habe den Zweiflern damals gesagt, dass das doch eine großartige Sache ist, wenn es so umgesetzt wird, wie es uns versprochen wurde.“ Seine bisherigen Erfahrungen nach der Umstellung seien aber negativ. „Und wir sind immerhin diejenigen, die in der Praxis damit arbeiten.“ So sehr die Technik teilweise öffentlich gelobt werde: „Wenn man sich mit anderen unterhält, bekommt man ein anderes Bild.“

Weitaus positiver bewertet Kreisbrandrat Anton Riblinger indes den Digitalfunk. „Man darf nicht vergessen, dass wir im Probebetrieb sind“, sagt Riblinger, räumt aber ein: „Es ist richtig, dass es diese Verständigungsschwierigkeiten im Schutzanzug gibt. Wir müssen schauen, dass wir da zu einer Lösung kommen.“ Es gebe kostengünstige Möglichkeiten der Nachrüstung. „Das ist keine Riesen-Anschaffung.“

Wesentlich mehr ärgert den Kreisbrandrat, dass 37 Feuerwehren vergangenes Jahr Messungen in der Region durchgeführt haben, um Löcher im digitalen Funknetz aufzuspüren. „Wir haben die Protokolle an die zuständige Autorisierte Stelle Bayern geschickt, aber bis heute nichts gehört.“ Noch immer sei der Funkmast auf der Aueralm nicht in Betrieb, mit dem alles stehe und falle. „Die müssen da auf jeden Fall nachjustieren, sonst brauchen wir nicht in den Echtbetrieb zu gehen.“

Grundsätzlich überwiegen für Riblinger jedoch die Vorteile des Tetrafunks. „Es ist ein neues System, das auch Schwächen hat. Wir müssen jetzt das Negative in Positives umwandeln.“ Verschiedene Kanäle gleichzeitig bei mehreren Einsätzen nutzen zu können, sei ein enormer Fortschritt. „Früher war das oft ein großes Durcheinander.“

Auch für die Miesbacher Polizei gehen vorwiegend Verbesserungen mit der Umstellung einher, wie Dienststellenleiterin Katharina Schreiber betont. „Persönlich habe ich bislang nur beste Erfahrungen gemacht.“ Dass es vereinzelt Schwierigkeiten mit dem Digitalfunk in Gebäuden gibt, ist auch Schreiber aufgefallen. „Bei uns ließ sich das aber lösen, indem wir auf einen anderen Modus am Funkgerät umgestellt haben.“

ah

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