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Weniger Autos, mehr Aufenthaltsqualität: Wie dies erreicht werden kann, soll die neue Arbeitsgruppe mit maximal fün f Stadträten entwerfen.

Stadtrat Miesbach: Absage an Planungsbüro Nonconform

Fünfer-Gremium soll Kompromiss bei Marktplatz-Gestaltung erarbeiten

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Selbst ist die Stadt: Statt das österreichische Planungsbüro Nonconform mit einem Ideenentwicklungs-Wochenende zu beauftragen, setzt der Stadtrat auf sich selbst. 

Miesbach – Die Entwicklung des Marktplatzes nimmt eine neue Wendung. Ein bis zu fünfköpfiges Gremium aus dem Stadtrat soll einen Versuch zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität in Miesbachs guter Stube starten. Als Grundlage dienen die Überlegungen der SPD- und CSU-Fraktion sowie das Schott-Konzept von 1996. Ein Ergebnis soll zeitnah, spätestens aber 2018 vorgelegt werden.

Dabei war dieser Beschluss, den der Stadtrat am Donnerstag einstimmig traf, so gar nicht geplant. Ursprünglich ging es um die Frage, ob die Stadt mit dem Planungsbüro Nonconform aus Wien einen Bürgerbeteiligungsprozess zum Marktplatz durchführen soll. „Die Bürger wollen sehen, dass es weitergeht“, hatte Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) als Nonconform-Verfechterin eingangs festgestellt und verwies auf Warmfreibad und Museum. „Diese beiden haben auch Machbarkeitsstudien.“

Markus Seemüller (Freie Wähler) gab Pongratz nur bedingt recht: „Die Bürger sind auch frustriert, dass es trotz der vielen Gutachter und Berater keinen Fortschritt gibt.“ Deshalb schlug er eine andere Herangehensweise vor: Fünf Vertreter aus dem Stadtrat, „die für dieses Thema brennen“, sollen eine Kompromisslösung finden. Sollte dies bis spätestens 2018 nicht gelingen, könne man immer noch auf Nonconform zurückgreifen. Zumal Pongratz’ Vorschlag eine Beauftragung des Büros eh erst für Frühjahr 2018 vorsah. Damit will sie den Geschäftsleuten wegen des heuer erfolgenden Umbaus der Johannisbrücke eine Baupause verschaffen.

CSU-Fraktionssprecher Franz Mayer zeigte sich von Seemüllers Idee überrascht: „Erst wird die große Bürgerbeteiligung gefordert, und jetzt machen das fünf Stadträte untereinander aus. Ich bin ein Anhänger von Nonconform.“ Deren Machbarkeitsstudie würde „uns Druck machen“, da innerhalb von fünf Jahren in Sachen Umsetzung etwas passieren solle. Auch werde das Büro von der Städtebauförderung anerkannt, was für spätere Zuschüsse wichtig sei.

Zustimmung bekam Seemüller von Inge Jooß (SPD). „Wir kennen unsere Leute und brauchen kein Büro, das eine Menge Geld kostet“, sagte sie mit Blick auf die 60 000 Euro, die der Beteiligungsprozess wohl kosten soll. Auch Drittem Bürgermeister Michael Lechner (FW) war die Unterstützung von außen „zu kostenintensiv“. Manfred Burger (Grüne) forderte von Seemüller, der im Fünfer-Rat gerne mitarbeiten würde, schnelle Arbeit: „Ende 2017 muss ein Ergebnis vorliegen.“ Auch die Bürgermeisterin gab grünes Licht: Sie könne sich das „als Zwischenschritt“ vorstellen.

Während Alfred Mittermaier (CSU) befürchtete, nur alte Argumente auszutauschen, mahnte sein Fraktionskollege und Badreferent Erhard Pohl zu Realismus: „Der Marktplatz funktioniert.“ Bevor man dort für Verschönerung bis zu drei Millionen Euro ausgebe, seien die Sanierung von Warmfreibad und Kloster vorzuziehen. Dem widersprach Astrid Güldner (Grüne): „Der Marktplatz funktioniert nicht. Warum machen sonst die Läden zu?“

Erfolg hatte auch Markus Baumgartner (CSU). Er hatte angeregt, die alten Pläne des Planers Schott von 1996 – immerhin Grundlage für den Umbau der Marktplatz-Ostseite – mit aufzunehmen. „Wir haben ja Pläne in der Schublade“, sagte er. „Für die Westseite fehlte damals nur das Geld.“ Auch Walter Fraunhofer (SPD) gefiel die Seemüller-Idee: „Wir haben schon Ergebnisse. Man muss es nur wollen.“

ddy

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