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Die Schlierach als Endstation für Autos: Die Johannisbrücke soll 2016 und 2017 jeweils für mehrere Monate gesperrt werden.

Neubau der Johannisbrücke

Krach wegen Doppel-Sperre

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Miesbach - Der Neubau der Johannisbrücke hat im Miesbacher Bauausschuss für Kontroversen gesorgt. Markus Baumgartner (CSU) kritisierte dabei die Informationspolitik der Bürgermeisterin. Das Hauptproblem: Für den Bau wird der Verkehrsweg über die Schlierach für Autos zwei Mal gekappt.

Markus Baumgartner beschrieb die Situation der Einzelhändler in Miesbachs Innenstadt mit kräftigen Worten. „Die Kacke ist am Dampfen“, stellte der CSU-Stadtrat, dem das Textilgeschäft Thoba am Bahnhofplatz gehört, am Dienstagabend im Bauausschuss fest. Auslöser war die Nachricht, die Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) den Stadträten am Dienstag per E-Mail mitgeteilt hatte (wir berichteten): Die Verträge über die Nutzung der für den Bau benötigten Grundstücke sind fix. Deshalb soll voraussichtlich bereits am 4. Juli mit der Sperrung der Johannisbrücke begonnen werden. Als Ende der Sperrung ist der 18. Oktober anberaumt.

Was Baumgartner besonders ärgert: Die fast viermonatige Sperrung ist nötig, um vorab eine Behelfsbrücke für Fußgänger und Radler anzulegen sowie die unter der Brücke verlaufenden Leitungen zu verlegen. 2017 folgen der eigentliche Abriss und Neubau und so die nächste monatelange Sperre der Johannisbrücke für Autos und Lkw. „Es war nie davon die Rede, dass die Brücke zweimal gesperrt wird“, betonte Baumgartner. „Das ist gegenüber den Gewerbetreibenden in der Innenstadt unfair.“

Wie berichtet, befürchten Baumgartner und viele Geschäftsleute massive Umsatzeinbußen, wenn die zentrale Brücke über die Schlierach für den Autoverkehr gesperrt wird. Bislang war angedacht, die Zeit mit Aktionen so zu gestalten, dass genug Kunden kommen. Dies sieht Baumgartner nun gefährdet: „Der Vorlauf für die Gewerbetreibenden ist aktuell gleich null. Wie will die Stadt innerhalb weniger Wochen ein Konzept hinstellen? Ich glaube nicht, dass die Stadt in der Lage ist, das professionell hinzubekommen.“

Pongratz verteidigte dagegen ihre Vorgehensweise: Grundstücksverträge seien generell eine heikle Angelegenheit, und im konkreten Fall sei der Abschluss erst vor wenigen Tagen zustande gekommen. Auch habe sie diesmal alle Stadträte – anders als im Fall des unzureichenden Brandschutzes an der Grundschule Parsberg (wir berichteten) – umgehend informiert. Baumgartners Forderung, mit einer Sanierung Sperrungen zu vermeiden, lehnte die Rathaus-Chefin ebenfalls ab: „Ein Neubau ist die langlebigere Lösung, die zudem gefördert wird. Die Brücke muss erneuert werden. Es ist halt so.“

CSU-Fraktionssprecher Franz Mayer sprach den Geschäftsleuten zwar sein Verständnis aus, jedoch könne man nichts ändern. Die Situation müsse positiv begleitet werden. Ähnlich sah es Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD): „Ich bin auch erst erschrocken, aber Miesbach ist ja nicht abgeschnitten.“ Dem stimmte Dritter Bürgermeister Michael Lechner (FW) zu: „Zwei Sperrungen sind ein hartes Brot, aber ich glaube nicht, dass deshalb keiner mehr zu uns kommt.“

Beim Gewerbeverband GWM reagierte Vorsitzender Luitpold Grabmeyer am Mittwoch geschockt auf die Neubau-Nachricht: „Wir wussten nichts davon. Vielmehr hatten wir die klare Zusage, dass 2016 nichts kommt – erst 2017.“ Wie die Geschäftsleute darauf reagieren, könne er noch nicht sagen. Klar sei lediglich: „Es ist eine katastrophale Situation, für die wir aktuell keine Lösung haben.“

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