Auch leger ist erlaubt: Bei der Wahl der Kleidung lässt die Kreissparkasse ihren Mitarbeitern – hier Melanie Vogl (l.) – mehr Freiheiten. Foto: thomas Plettenberg
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Auch leger ist erlaubt: Bei der Wahl der Kleidung lässt die Kreissparkasse ihren Mitarbeitern – hier Melanie Vogl (l.) – mehr Freiheiten.

Ohne Schlips am Schalter

Krawattenpflicht? Wie es die Banken mit den Kleidungs-Vorschriften halten

Die Banken im Landkreis erlauben ihren Angestellten auch legere Kleidung. Wir haben genau hingeschaut, was die Banker tragen dürfen - und was nicht.

Landkreis – Die Hamburger Sparkasse gilt als Vorreiter für eine neue Freiheit am Schalter. Im Jahr 2016 schafften die Hanseaten die Krawattenpflicht für ihre Mitarbeiter ab. Das jüngste Beispiel für Schlipsfreiheit am Schalter kommt aus der Oberpfalz, wo die Regensburger Sparkasse neue Regeln einführte. Doch auch im Landkreis Miesbach verwehrt man sich dem Trend zum lockeren Kleidungsstil in den Banken nicht. Im Gegenteil: Die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee hat schon länger ihre Vorschriften gelockert. „Keiner muss Krawatte tragen“, sagt Sprecherin Babette Eberhardt. „Aber man darf natürlich“, ergänzt sie. Die Raiffeisenbank Holzkirchen-Otterfing fährt ebenfalls einen lockeren Kurs, auch wenn sie an der Krawattenpflicht festhält. Wenn aber im Sommer die Temperaturen in die Höhe steigen, wird auch bei den Genossenschaftsbanken der Kleidungsstil angepasst.

Krawattenpflicht: Wie es die Banken mit den Kleidungs-Vorschriften halten

Obwohl die Krawatte auf den ersten Blick lediglich ein Stück Mode ist, sind mit ihr in der Geschäftswelt doch mehr Eigenschaften verbunden. Seriosität soll sie ausstrahlen, ein Stück Elite-Bewusstsein. Vielleicht gehört dazu auch eine identitätsstiftende Funktion: Denn wenn am Wochenmarkt zur Mittagszeit gut angezogene Menschen ihr Essen kaufen, sind die Chancen hoch, dass es sich um Bankangestellte handelt. Doch zur klassischen Uniform des Bankers gehört schon längst nicht mehr nur die Krawatte oder – für die weiblichen Angestellten – der Hosenanzug in dunklen, gedeckten Farben. Der Freiheitsoffensive der Hamburger Sparkasse schlossen sich bereits mehrere Banken an. Auch in der Geschäftswelt ist Flexibilität angesagt. So kennt man etwa den früheren Daimler-Chef Dieter Zetsche als Jeans- und Sneakerträger. Anzug und Krawatte passen nicht mehr recht zum heutigen Wirtschaftsleben. Den Ton geben eher Personen wie der T-Shirt-tragende Facebooks-Chef Mark Zuckerberg und nicht die Firmenbosse aus der Zeit des Wirtschaftswunders vor.

Wie die neue Lockerheit von den Mitarbeitern der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee umgesetzt wird, sei ganz unterschiedlich, berichtet Pressesprecherin Eberhardt. Man könne auch nicht sagen, dass nur junge Leute die Krawatte weglassen. Kleidungstechnisch sei einiges möglich, von einer schönen Chino-Hose bis hin zu Sneakern. Frauen, so Eberhardt, haben mehr Varianten zur Verfügung, Röcke oder Kleider etwa, auch gemusterte Kleidungsstücke seien kein Tabu mehr. Dass Kunden den Kleidungsstil bemerken, kann sie bestätigen: „Man hört schon manchmal, dass man ein schönes Kleid an hat“, sagt Eberhardt. Kritik an einem zu lockeren Kleidungsstil sei ihr noch nicht untergekommen. Als Leitfaden für die Mitarbeiter hat Eberhardt jüngst eine Art Kleiderknigge erstellt, der als Orientierung beim morgendlichen Ankleiden dienen soll.

Bei der Raiffeisenbank Holzkirchen-Otterfing besteht grundsätzlich eine Business-Kleiderordnung, wie der Vorstandsvorsitzende Konrad Buckel betont. Diese sei vor allem für die Mitarbeiter im Kundengeschäft wichtig. Dass männliche Bankmitarbeiter Krawatte tragen, gelte, seit er denken kann. Viele Menschen würden das mit Seriosität in Verbindung bringen, meint er. „Ich habe die Vorschriften aber vor Kurzem aufgehoben, für die Zeit, wenn es draußen heiß wird“, berichtet Buckel. „Wir wollten nicht genau festlegen, was erlaubt ist, sondern haben das in die Eigenverantwortung der Mitarbeiter gegeben.“ Lachend ergänzt der Banker: „Wir haben freitags immer Trachtentag in unseren Filialen. Mit der kurzen Lederhose hat sich das Hitzeproblem eh erledigt.“

von Andreas Wolkenstein

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