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Gemeinsam vor Gericht: Ex-Sparkassen-Chef Georg Bromme (r.) und Ex-Landrat Jakob Kreidl (M.) mit den Mitangeklagten Martin Mihalovits (2.v.l.) und Roland Böck (hinten r.).

Und ein Korkenzieher für 119 Euro

Kreidl-Prozess: Ein Thermo-Hundebett auf Sparkassenkosten und noch unglaublichere Enthüllungen

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Vor dem Landgericht München hat die Aufarbeitung der sogenannten Sparkassenaffäre begonnen. Dabei kamen auch neue Details ans Licht. Die Angeklagten wiesen alle Vorwürfe zurück.

München/Miesbach – Jakob Kreidl ist der Erste. Gegen 9.15 Uhr betritt der frühere Landrat mit seinen Anwälten den Sitzungssaal B 273 am Landgericht München. Zu diesem Zeitpunkt haben sich die ersten Prozessbeobachter aus dem Landkreis bereits eingefunden. Den 66-Jährigen live auf der Anklagebank zu sehen und die Vorwürfe persönlich aus dem Mund des Staatsanwalts zu hören, das wollen sich einige dann doch nicht entgehen lassen. „Dann schau ma moi“, sagte einer der rund 20 Schaulustigen gespannt.

Zusammen mit dem früheren Sparkassen-Vorstandsvorsitzenden Georg Bromme (69), der gut fünf Minuten später eintrifft, nimmt Kreidl in der ersten Reihe Platz, dazwischen die Anwälte der beiden. Links hinter Kreidl der aktuelle Vorstandsvorsitzende Martin Mihalovits (49), rechts im Eck der frühere Vorstand Roland Böck. Letzterer feiert in wenigen Tagen seinen 50. Geburtstag und fühlt sich noch unwohler als die anderen. Böck arbeitet inzwischen für die Sparkasse Landsberg-Dießen. Dass ihn seine knapp zweieinhalb Jahre im Landkreis Miesbach derart einholen würden, hätte er wohl nicht gedacht.

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Dann passiert – erst mal nichts. Eine Schöffin hat, so stellt sich später heraus, den Termin vergessen. Sie muss erst angerufen werden und zum Gericht kommen. Der Prozess startet mit 45-minütiger Verspätung. Kurze Verschnaufpause für die Angeklagten. Bei ihrer Rückkehr hat sich die erste Anspannung ein wenig gelegt.

Gut zwei Stunden verlesen die beiden Oberstaatsanwälte Jürgen Rohrmüller und Stephan Necknig schließlich die 30-seitige Anklageschrift. Neben den bereits bekannten Vorwürfen, die von den gesponserten Geburtstagsfeiern für den früheren Vize-Landrat Arnfried Färber (79) und Kreidl selbst über die Bürgermeisterfahrt nach Interlaken, die Renovierung des Landratsbüros und das BayWa-Grundstücksgeschäft in Holzkirchen bis hin zum Beratervertrag für Bromme reichen, kommen am ersten Prozesstag auch einige noch nicht öffentlich bekannte Punkte ans Licht.

So werden detailliert die Gelegenheitsgeschenke aufgelistet, die Bromme den Vorstandsmitgliedern und Verwaltungsräten hat zukommen lassen. Von einem Brotzeitbrett für 267,75 Euro ist da ebenso zu hören wie von einem Korkenzieher für 119 Euro. Bromme hatte sich auch selbst beschenkt – mit einem Thermo-Hundebett für 228,90 Euro. Man darf freilich davon ausgehen, dass er nicht selbst darin geschlafen hat.

Überdies wird bekannt, dass der 69-Jährige von 2011 auf 2012 privat Silvester im Jagdhof im Stubaital gefeiert und das über die Kreissparkasse abgerechnet hat. Kostenpunkt: 606 Euro. Für einen „Ladies Lunch“ im Seehotel Überfahrt in Rottach-Egern bezahlte die Kreissparkasse auf Veranlassung Brommes rund 3900 Euro. Es handelte sich um zwölf Partnerinnen der Verwaltungsratsmitglieder der Sparkasse Kulmbach-Kronach. Ein betrieblicher Bezug sei nicht gegeben gewesen, stellt dazu die Staatsanwaltschaft fest.

Am Nachmittag äußern sich erstmals die Angeklagten und deren Anwälte. Erwartungsgemäß weisen sie alle Anschuldigen zurück. Während Kreidl wie in früheren Zeiten ausführlich seine Errungenschaften für den Landkreis preist und berichtet, dass es für ihn als Verwaltungsratsvorsitzenden bezüglich der Kreissparkasse „nie einen Hinweis gab, dass da was verändert werden soll“, spricht Brommes Anwältin Stefanie Mayer von einer „massiven Vorverurteilung“. Bromme habe sich nicht bereichert oder gar auf Kosten der Sparkasse gelebt.

Eine „nicht sehr angenehme Zeit“ seien die Jahre in Miesbach gewesen, gesteht Böck. „Ich wollte da so schnell wie möglich wieder raus.“ Zwischen Bromme und ihm habe es wegen verschiedener Fragen ein großes Zerwürfnis gegeben.

Auch das Verhältnis zwischen dem früheren Vorstandsvorsitzenden und seinem Nachfolger Mihalovits war angespannt. So stellt der aktuelle Sparkassen-Chef klar, dass er die notwendigen Veränderungen überhaupt erst angestoßen habe. Dafür jetzt auf der Anklagebank zu sitzen, sei bitter. Der Prozess wird am 5. November mit der ersten Zeugenbefragung fortgesetzt. Dann soll es zunächst um die aufwendige Renovierung des Landratsbüros gehen.

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