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„Wertvoller innerstädtischer Bereich“: Das Grundstück zwischen Münchner- und Riezlerstraße ist zu schade für ein Parkdeck. Jetzt könnte hier sozialer Wohnungsbau entstehen. Landwirtschaftsamt und -schule (im Hintergrund) werden durch einen Neubau ersetzt. Hierfür wurde ein Architektenwettbewerb gestartet.

Ohne neue Schulden wird das nicht gehen

Kreis als Baumeister: Chance auf sozialen Wohnraum in Miesbach

Steigt der Landkreis in den sozialen Wohnungsbau ein? Ein Ideenwettbewerb soll zeigen, wie sich an der Miesbacher Riezlerstraße Wohnen und Parken möglichst kostenverträglich kombinieren lassen.

Miesbach/Landkreis – Ursprünglich sollte auf dem Areal neben dem geplanten Landratsamtsneubau nur ein Parkdeck für die Fahrzeuge der Mitarbeiter entstehen. Doch der Miesbacher Stadtrat spielte da nicht mit: Er forderte in diesem wertvollen innerstädtischen Bereich eine Tiefgarage. Die Landkreis-Verwaltung musste neu denken, gab eine Studie in Auftrag – und legte jetzt im Kreisausschuss das Konzept vor.

Das Stichwort heißt „Sozialer Wohnungsbau“. Auf dem Areal könnten zwei Mehrfamilienhäuser mit 26 Wohneinheiten entstehen, dazu eine Tiefgarage mit 244 Stellplätzen für Mitarbeiter und Mieter. Insgesamt rund 12,3 Millionen Euro – 7,1 Millionen für eine dreigeschossige Tiefgarage, 5,2 Millionen für die Wohnhäuser – kämen auf den Landkreis zu. Im Rahmen des Wohnungspakts Bayern könnte er zwar mit einer Förderung von 30 Prozent für die Wohnungen und die dazugehörigen Stellplätze rechnen. Um eine Kreditaufnahme käme der Landkreis aber dennoch nicht umhin. In der vorliegenden Form wäre das Projekt finanziell nicht darstellbar.

Von einem Ideenwettbewerb verspricht sich die Kreisverwaltung deshalb wertvolle Impulse. Eine Kombination von ober- und unterirdischen Stellplätzen beispielsweise könnte die dritte Tiefgaragenebene überflüssig machen und die Kosten schon mal um 1,5 Millionen Euro drücken. Abzüglich aller Zuschüsse müsste der Landkreis nach Berechnungen von Kreiskämmerer Gerhard de Biasio für das gesamte Projekt dann wohl eine Summe von rund vier Millionen Euro finanzieren. „Da es sich um rentierliche Schulden handelt, weil wir die Zinszahlungen ja über die Mieteinnahmen decken, dürften wir von der Regierung eine Zustimmung für die Kreditaufnahme bekommen“, sagte er.

Die Aussicht auf neue, wenn auch rentierliche Schulden begeisterte die Kreisräte erwartungsgemäß nur wenig. Andererseits begrüßten sie die Möglichkeit, sozialen Wohnraum zu schaffen. „Aus Sicht der Bevölkerung ist es dringend geboten, dass das Landratsamt hier eine Vorbildfunktion einnimmt“, betonte Bernd Haberzettl (Grüne). Klaus Thurnhuber (FWG) stimmte ihm zu. Die Vorzeichen für sozialen Wohnungsbau seien so gut wie nie, sagte er, und rentierliche Schulden – so ergänzte Fraktionskollege Hans Schönauer – durchaus auch vermittelbar.

„Angesichts des Wohnungsmangels ist es eine gute Gelegenheit, für die Bevölkerung etwas Positives zu tun“, merkte CSU-Fraktionssprecher Josef Bierschneider an. FWG-Fraktionssprecher Norbert Kerkel betonte die Notwendigkeit neuer Wohnungen nicht zuletzt auch wegen des Arbeitsmarkts: „Wir brauchen sie, um qualifiziertes Personal zu bekommen.“

Letztlich stimmte der Kreisausschuss dem Ideenwettbewerb einhellig zu. Die Kosten belaufen sich auf 100 000 Euro, 60 Prozent übernimmt die Regierung. Das Ergebnis verpflichtet das Landratsamt zunächst zu nichts. Für Paul Fertl (SPD), der in der Sitzung als Vizebürgermeister von Miesbach auch um Verständnis für die hartnäckige Haltung der Stadt warb, wäre es aber eine vertane Chance: „Der Landkreis kann hier sehr günstig große Wertsummen erwirtschaften.“

sh

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