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Mehr Daten für den Ausflugsticker

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Von: Jonas Napiletzki

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Im Ausflugsticker noch nicht live zu finden: Die Staus in der Region, hier vor Schliersee, sollen künftig in Echtzeit erfasst und im Sinne einer besseren Besucherlenkung publiziert werden.
Im Ausflugsticker noch nicht live zu finden: Die Staus in der Region, hier vor Schliersee, sollen künftig in Echtzeit erfasst und im Sinne einer besseren Besucherlenkung publiziert werden. © Thomas Plettenberg

Landkreis – Könnte der Ausflugsticker schon jetzt mit Live-Daten gefüttert werden. Ja, meint Anton Grafwallner. Nein, sagt das Straßenbauamt. Letzteres macht aber Hoffnung.

Mit 30 Millionen Euro lässt sich viel anfangen – beispielsweise Sensortechnik für den Ausflugsticker Oberbayern beschaffen. Diese Fördersumme hatte Tourismusminister Hubert Aiwanger (FW) für digitale Besucherlenkung in Aussicht gestellt. Auch die Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS), die den Ticker für den Kreis Miesbach befüllt, könnte profitieren (wir berichteten).

Daten an Kreuzungen werden bereits erhoben

„Aber was, wenn dies gar nicht nötig wäre, weil die Technik bereits vorhanden ist?“ Diese Frage wirft Anton Grafwallner in einem Gespräch mit unserer Redaktion auf. Der ehemalige Behindertenbeauftragte des Landkreises arbeitete 25 Jahre lang als Verkehrsingenieur für den Weltkonzern Siemens. Auf seine eigene Frage antwortet Grafwallner selbstbewusst: „Dann könnte Herr Aiwanger die 30 Millionen gleich wieder einstecken.“ Denn: Etwa aus Ampelanlagen wie an der Kreuzstraße in Gmund würde das Straßenbauamt Rosenheim entsprechende Daten sowieso erhalten.

Straßenbauamt schränkt ein: Nicht alle Verkehrsströme werden erfasst

Auf Nachfrage bestätigt Ursula Lampe, Pressesprecherin des Straßenbauamts: „An der Ampelanlage an der Kreuzstraße wurde 2018 für die Erfassung von Umleitungsverkehren eine Zählfunktion aktiviert.“ Aber: Erfasst werden Lampe zufolge nur Linksabbieger, die von Bad Tölz kommend in Richtung Holzkirchen abbiegen. „Alle anderen Richtungen werden an diesem Knotenpunkt nicht gezählt.“

Zwar lägen für das komplette Straßennetz im Zuständigkeitsbereich der Behörde Daten aus der Verkehrszählung vor – allerdings keine Live-Daten, wie sie für den Ausflugsticker benötigt würden. Lampe erklärt: „Die Zählungen erfolgen in einem Fünf-Jahres-Zeitraum und dienen der Ermittlung des sogenannten ,Durchschnittlichen täglichen Verkehrs’, kurz DTV.“ An den Zählstellen wird laut der Pressesprecherin nicht durchgängig gemessen. „Diese Daten erscheinen zur Verwendung im Rahmen des Auflugstickers Oberbayern eher ungeeignet.“

Grafwallner sieht das anders: „Die Messwerte liegen stundengenau vor – es wäre anhand von Wochentag und Uhrzeit unter Einbeziehung des Wetters möglich, eine Prognose abzugeben.“ Schließlich würde sich die Verkehrsbelastung immer wieder wiederholen.

Verkehrszählung alle fünf Jahre - 2020 fiel sie aus

Dem widerspricht Lampe: „Der Zeitraum bedeutet eine Messung pro fünf Jahre – beispielsweise heuer von April bis September.“ Die nächste Zählung erfolge entsprechend erst fünf Jahre später. Nur: „Vergangenes Jahr haben wir die Zählung verschoben, weil es pandemiebedingt zu erheblichen Abweichungen kam.“ Eine Prognose sei also nicht unter allen Umständen möglich und zielführend.

Auch das Bereitstellen von Live-Daten sei nicht ohne Weiteres möglich. Lampe: „Die Daten der Induktivschleifen im Bereich von Lichtsignalanlagen werden im Steuergerät der Anlage verarbeitet, um in Abhängigkeit der Verkehrsstärke ein geeignetes Ampelprogramm auszuwählen.“ Übersetzt bedeutet dies: Die Daten werden nur innerhalb der Ampel verarbeitet – und nicht gezählt. Für die Verwendung im Ausflugsticker müssten Lampe zufolge jedoch eine valide Datengrundlage und eine entsprechende Ausstattung etwa bei Schleifentypen oder Steuergeräten gegeben sein.

Zwar würden aktuell die technischen Voraussetzungen für Echtzeitdaten geschaffen – „eine Nutzung dieser Daten für einen sogenannten Ausflugsticker ist jedoch noch nicht geplant“, teilt Lampe weiter mit.

Ausflugsticker könnte mit Daten von BayernInfo gefüttert werden

Allerdings: Der Ausflugsticker könnte dennoch bald mit umfangreichen Daten – auch denen der Straßenbauämter – gespeist werden: „Die Zentralstelle Verkehrsmanagement bei der Landesbaudirektion erarbeitet derzeit mit den Verantwortlichen des Auflugstickers eine Lösung“, teilt Lampe mit. Bayernweit sollen die aktuelle Verkehrslage, Baustellensituation und Routingempfehlung aus dem Verkehrsinformationssystem „BayernInfo“ des Freistaats Bayern für den Ausflugsticker zur Verfügung gestellt werden.

Damit wären die Daten gar umfangreicher, als wenn sie durch Ampeln gespeist würden, denen noch die Ausstattung fehlt. Denn: „BayernInfo“ kombiniert laut Lampe Daten der Autobahn GmbH, der Staatlichen Bauämter in Bayern und Informationen der Polizei zu Gefahrensituationen. Auch zahlreiche Landkreise und Städte würden Baustellen, Sperrungen und kurzfristige Eingriffe in den Straßenverkehr melden. Eigenen Angaben von „Bayern-Info“ zufolge fließen auch Daten aus vernetzten Fahrzeugen und Apps ein, die ihre aktuelle Position und Geschwindigkeit in Echtzeit übermitteln. Daraus würde das Portal Meldungen berechnen, „die Staulängen und Verlustzeiten beinhalten“, heißt es.

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