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Quasi Freiwild: Feuerwehrler auf der A 8 bei einem Unfall. Während sie helfen, müssen sie mit Beschimpfungen rechnen.

Interview mit Kreisbrandrat: „Autofahrer werden immer aggressiver“

Beschimpft und angepöbelt: Das erleben Feuerwehrler im Dienst

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Pöbeleien, Ignoranz, dumme Aktionen: Anton Riblinger, Kreisbrandrat des Landkreises Miesbach, spricht mit uns über unschöne Erfahrungen im Feuerwehrdienst - mit denen er ein Buch füllen könnte.

Landkreis Kürzlich wurde vor Gericht ein Fall behandelt, bei dem es um das Verhalten der Bevölkerung gegenüber der Feuerwehr ging: Ein Feuerwehrmann wurde massiv angepöbelt und beleidigt. Dass das kein Einzelfall ist, bestätigt Kreisbrandrat Anton Riblinger (54). Seit dreieinhalb Jahren hat der Otterfinger dieses Amt inne, seit 38 Jahren ist er als Feuerwehrmann im Einsatz. Was er alles schon an Unverschämtheiten erlebt hat, ist kaum zu glauben. Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt er von den kuriosesten Vorfällen, was das für die Feuerwehr bedeutet und wie er persönlich damit umgeht.

Herr Riblinger, Sie haben von dem Fall vor Gericht gehört. Gibt es solche Situationen öfter?

Riblinger: Ja, schon. Das Verständnis der deutschen Autofahrer ist gering. Sie werden immer aggressiver. Das fängt bei Schimpfwörtern an, die ich hier aber lieber nicht nennen will. In den vergangenen Jahren ist das immer schlimmer geworden. Ich habe das selbst auch schon einige Male erlebt oder die Kollegen erzählen mir von ihren Erfahrungen.

Erzählen Sie doch Mal, was Sie persönlich schon mitbekommen haben.

Riblinger: Das war bei einer Absperrung für einen Trachtenzug im vergangenen Jahr. Da kam ein Autofahrer, ein Auswärtiger mit Fahrrädern auf dem Dach, der wollte unbedingt nach Tegernsee durch. Und weil das eben nicht ging, hat er sich ziemlich aufgeführt und mich beschimpft.

Sind das meist Leute von auswärts?

Riblinger: Nein, das ist ganz gemischt. Auch vom Alter. Da gibt es auch genügend Anwohner, die sich aufregen, wenn wir zum Beispiel für den Martinsumzug sperren. Ich verstehe das gar nicht, dann müssen die halt mal ein oder zwei Kilometer außen rum fahren. Im Grunde dauert eine solche Sperrung ja gar nicht lange, außer es ist ein größerer Unfall passiert. Aber für den können wir auch nichts. Und für uns ist jede Minute, die wir früher wieder in der Arbeit oder bei der Familie sind, wichtig.

Schließlich machen Sie das alles ehrenamtlich.

Riblinger: Alle Feuerwehrler hier machen das in ihrer Freizeit und unterstützen damit auch die Polizei. Es kann ja zum Beispiel sein, dass bei einem Unfall ein Gutachter Spuren sichern muss. Und die, die dort arbeiten, sollen ja nicht gefährdet werden.

Ist denn trotz Absperrung schon mal was passiert?

Riblinger: Das nicht, aber fast. Zum Beispiel beim Festzug zum Zehnjährigen des Kreisfeuerwehrverbands wollte unbedingt einer mit dem Auto an der Absperrung vorbei und hat beinahe einen von uns angefahren. In einer Großstadt wie München wird man aber schon auch körperlich angegangen. Bei uns ist es zum Glück noch nicht so weit.

Angenehm ist es aber auch nicht, wenn man da beschimpft wird.

Riblinger: Gerade jüngere Kameraden finden das nicht sonderlich motivierend, wenn sie da angepöbelt werden. Dann stehen sie vielleicht auch noch im Regen oder bei Schneefall. Das muss doch nicht sein, dass da auch noch jemand aggressiv wird. Wir merken das schon, dass die Lust auf solche Veranstaltungen abnimmt.

Wie gehen Sie selbst mit solchen Situationen um?

Riblinger: In dem Moment ärgere ich mich schon. Dann stecke ich es aber weg, das geht doch sonst auf die Gesundheit. Aber wenn dir einer in der Rettungsgasse auf der Autobahn den Vogel zeigt, da fragt man sich halt schon, was das soll. Einer ist mal ausgestiegen und hat Fotos gemacht. Als wir ihn gebeten haben, den Weg frei zu machen, da hat er gesagt, er muss erst noch das Foto machen. Über das, was man da erlebt, könnte man echt ein Buch schreiben.

Was wäre denn in ihrem Buch die kurioseste Geschichte?

Riblinger: (überlegt kurz) Das war beim vergangenen Hochwasser im Tegernseer Tal. Das ist schon ein paar Jahre her. Der Tegernsee ist über die Straße getreten und wir haben die Stelle abgesperrt. Ein Autofahrer ist dann ohne anzuhalten an uns und der Absperrung vorbei und rein ins Wasser. Der hatte dann einen Motorschaden. Und wissen Sie was? Der wollte dann die Feuerwehr dafür zur Rechenschaft ziehen. Weil wir ihn nicht aufgehalten haben. Aber der ist ja gar nicht erst stehen geblieben. Das war echt kurios.

nip

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