Einigermaßen verwittert ist dieses AST-Schild auf Höhe des Rathauses in Gmund. Es steht sinnbildlich dafür, dass rund 400 Haltestellen im Tegernseer Tal seit 2014 nicht mehr angefahren werden. Immerhin fahren AST-Taxis mittlerweile wieder bis nach Gmund, wo ein Anschluss an die Ringlinie Tegernseer Tal besteht.
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Einigermaßen verwittert ist dieses AST-Schild auf Höhe des Rathauses in Gmund. Es steht sinnbildlich dafür, dass rund 400 Haltestellen im Tegernseer Tal seit 2014 nicht mehr angefahren werden. Immerhin fahren AST-Taxis mittlerweile wieder bis nach Gmund, wo ein Anschluss an die Ringlinie Tegernseer Tal besteht.

Kreisentwicklungsausschuss beschließt Weiterführung

Anruf-Sammel-Taxi soll attraktiver werden

  • Stephen Hank
    vonStephen Hank
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Das Anruf-Sammel-Taxi im Landkreis Miesbach soll wieder Fahrt aufnehmen: mit besseren Preisen, der neuerlichen Anbindung des Tegernseer Tals und einer Buchbarkeit per App.

Landkreis – Bei seiner Einführung 1998 galt es als innovatives System. Doch die Glanzzeiten des Anruf-Sammel-Taxis (AST) sind längst vorbei. Seit 2014 wird das Tegernseer Tal mangels interessierter Betreiber nicht mehr bedient, und auch im Rest des Landkreises sind die Nutzerzahlen überschaubar. Jetzt soll es wieder in Schwung kommen. Letztlich ist es aber nur eine Übergangslösung bis zum Beitritt des Landkreises zum Münchner Tarif- und Verkehrsverbund (MVV) in zwei bis drei Jahren.

Selbstkritische Worte im Kreisentwicklungsausschuss

Peter Schiffmann gab sich durchaus selbstkritisch. „Wir haben es versäumt, das System weiterzuentwickeln“, sagte der Fachbereichsleiter Mobilität am Landratsamt in der Sitzung des Kreisentwicklungsausschusses. Denn eigentlich ist der Grundgedanke gut, weil das Anruf-Sammel-Taxi der Individualität Vorrang gibt. Die Nutzer sind unabhängig von Linienverbindungen und zentralen Haltestellen. Pro Jahr wird es dennoch nur etwa 4500 Mal in Anspruch genommen. Wohl auch, weil das Angebot vergleichsweise teuer ist. „Eine Fahrt von Miesbach nach Irschenberg kostet aktuell 11,50 Euro“, nannte Schiffmann ein konkretes Beispiel. „Das ist nicht sonderlich attraktiv.“ Die Voraussetzungen zu ändern, sei nun das Bestreben des Landkreises.

Vertrag mit Taxiunternehmen läuft Ende des Jahres aus

Ende des Jahres laufen die bestehenden AST-Verträge mit den Taxiunternehmen aus. Das System ganz einzustellen, sei für ihn keine Option, betonte Landrat Olaf von Löwis (CSU): „Wir sehen darin eine interessante und wichtige Alternative zum Individualverkehr und eine Ergänzung beim Öffentlichen Personennahverkehr.“ Gerade im Hinblick auf den MVV-Beitritt will sich der Landkreis nichts verbauen. Bis dahin soll das AST in – attraktiverer Form – weiterlaufen. Ab 2024 soll es dann das MVV-Angebot sinnvoll ergänzen und als Zubringer für den Linien- und Schienenverkehr fungieren.

Die meisten Kreisräte teilten die Einschätzung des Landrats. „Einen Rückschritt können wir uns nicht leisten“, sagte beispielsweise Elisabeth Dasch (SPD). Das System, das Teil des Nahverkehrsplans ist, müsse aber dringend weiterentwickelt werden. Johanna Wunderle (CSU) erinnerte daran, dass vor allem auch finanziell schwach gestellte Senioren auf das Angebot angewiesen seien. An sie müsse man bei der Preisgestaltung denken. Und Bernd Mayer-Hubner (Grüne) sah ebenso wie Olaf Fries (ÖDP) eigentlich gar keine Alternative zu einem individualisierten Verkehr wie dem AST, wenn man den Individualverkehr zurückdrängen wolle. Aber freilich müsse man die Kosten im Auge behalten.

„Ein auslaufendes System und viel zu teuer“

Genau daran störte sich Josef Bogner (FW). Mit Blick auf den MVV-Beitritt sei das AST ein auslaufendes System und viel zu teuer für einen weiteren Versuch. Er kenne niemanden im Tegernseer Tal, der das Angebot vermisse, so der Rottacher Gastwirt. Bogner bezweifelte auch, dass sich das System signifikant verbessern lässt: „Zu Stoßzeiten bekommt man bei uns so schnell kein Taxi. Beim AST wird das nicht anders sein.“ Als Einziger stimmte er letztlich gegen die Weiterführung, sprach sich ebenso wie alle anderen aber dafür aus, für die Zeit ab 2024 ein MVV-kompatibles Bedarfssystem zu entwickeln.

Kosten von bis zu 300.000 Euro im Jahr.

Wie viel die Weiterentwicklung und Attraktivitätssteigerung des AST den Landkreis jährlich genau kostet, ist noch offen. Die Verwaltung geht von 250.000 bis 300.000 Euro aus. Geld, das im Haushalt eingestellt sei, wie der Landrat betonte. Zudem bemühe man sich um Zuschüsse. Finanziert werden sollen damit günstigere Fahrpreise für die Kunden, eine Buchbarkeit per App und die Reaktivierung der AST-Insel Tegernseer Tal mit ihren 400 Haltestellen. Ziel ist eine Verdoppelung der aktuellen Nutzungszahlen.

Wenn der MVV kommt, beginnt ein völlig neues Spiel“, betonte der Landrat. Das untermauerte Mobilitätsmanagerin Mona Dürrschmidt, die nach Fürstenfeldbruck blickte. Der Landkreis dort habe sein Anruf-Sammel-Taxi später erfolgreich in den Verkehrsverbund integriert. „Der MVV“, sagte sie, „ist das Überthema.“

Zur Sprache kamen in der Sitzung auch die Bemühungen der Holzkirchner, ein eigenes Demand-System auf die Beine zu stellen. Beim Landkreis hält sich die Begeisterung darüber in Grenzen. „Zwei Systeme innerhalb Holzkirchens erachte ich für schwierig“, sagte Schiffmann. Derzeit sei noch nicht ganz klar, wie die Holzkirchner Lösung aussieht, berichtete er. Der Fachgebietsleiter steht in engem Kontakt mit der Marktgemeinde und hat die Gespräche und Diskussionen dort von Anfang an begleitet. Inwieweit die Bedenken des Landkreises dabei zur Sprache kamen, wurde in der Sitzung nicht deutlich.

Landrat Olaf von Löwis (CSU) zumindest forderte, dass die Demand-Systeme des Landkreises und der Marktgemeinde zusammenpassen müssen, wenn in zwei bis drei Jahren der Beitritt zum Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) erfolgt ist. Der Kreis Fürstenfeldbruck verfüge bereits über ein gut funktionierendes Demand-System im Zusammenspiel mit dem MVV. „Wir können darauf zurückgreifen und müssen nicht unbedingt warten, bis die Marktgemeinde hier Erfahrungen gesammelt hat“, sagte der frühere Holzkirchner Bürgermeister. Kreisrätin und Marktgemeinderätin Elisabeth Dasch (SPD) bat die Kreisverwaltung darum, die Holzkirchner jetzt nicht vorpreschen zu lassen, um dann später festzustellen, dass die Systeme nicht zusammenpassen. Man möge jetzt schnell das Gespräch mit dem Bürgermeister suchen.

So funktioniert das Anruf-Sammel-Taxi

Das System des Anruf-Sammel-Taxis existiert unverändert seit 1998. Interessierte melden ihre Abfahrtsstelle und ihren Fahrtwunsch spätestens eine Stunde vor Abfahrt unter Tel. 0 80 25 /99 99 82 bei der AST-Zentrale an. Abfahrten sind im 30-Minuten-Takt zwischen 6 und 24 Uhr möglich. Die AST-Zentrale bestätigt Abfahrtszeit und -stelle sowie den ÖPNV-Gesamtpreis. Er setzt sich aus dem Grundfahrpreis und dem entfernungsabhängigen Tarif zusammen. Erwachsene zahlen derzeit einen Grundpreis von 3,60 Euro, Kinder und Jugendliche 1,80 Euro. Das Taxi fährt die Kunden von der angegebenen Abfahrtsstelle bis zur Haustür oder zu einem Ziel innerhalb der jeweiligen sogenannten AST-Insel, von denen es innerhalb des Landkreises vier gibt. Von Donnerstag bis Samstag jeweils ab 18 Uhr werden auch Gemeinden anderer Inseln angefahren.

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