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Wissenswertes für künftige Stifter: Vorstandsmitglied Erwin Graf (l.) und Pressesprecher Peter Friedrich Sieben zeigen die neu aufgelegte Broschüre.

Kreissparkasse ruft Stiftergemeinschaft ins Leben

Wenn der Normalbürger stiften geht

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Landkreis - Der Weg zur eigenen Stiftung ist lang – normalerweise. Jetzt geht das theoretisch innerhalb eines Tages. Die Sparkasse hat eine Stiftergemeinschaft gegründet, die als Plattform dient und die Gründung erleichtert. „Es gibt keinen Haken“, versichert Vorstandsmitglied Erwin Graf.

Verwendungszweck festlegen, Satzung erarbeiten, Beirat vorschlagen, Anerkennung beantragen – wer auf herkömmlichem Wege eine Stiftung gründet, muss Geduld mitbringen und viel Zeit und Arbeit investieren. Gerade für Menschen, die mit einem eher kleinen Vermögen Gutes tun wollen, lohnt sich der Aufwand oftmals nicht, zumal in Zeiten niedriger Zinsen. Die Kreissparkasse stößt in diese Lücke vor. Sie hat eine Stiftergemeinschaft ins Leben gerufen, die mit wenig bürokratischem Aufwand Stiftungen schon ab einem Betrag von 10 000 Euro ermöglicht. „Mit einfachen Mitteln lässt sich damit eine eigene Namensstiftung einrichten“, berichtet Vorstandsmitglied Erwin Graf, der das Projekt betreut.

Die Idee ist nicht neu. Rund 80 Sparkassen in ganz Deutschland haben bereits Stiftergemeinschaften gebildet. Starker Partner im Hintergrund ist die Deutsche Stiftungstreuhand. Sie kümmert sich um Betreuung und Abwicklung. Die Verwaltungsgebühr von jährlich 0,6 Prozent des Stiftungsvermögens speist sich aus den Erträgen. „Wir haben in unseren Beratungsgesprächen gemerkt, dass gerade viele ältere Bürger nach ihrem Tod der Region etwas zurückgeben möchten“, berichtet Graf. „Bislang konnten wir ihnen dafür kein entsprechendes Angebot unterbreiten.“

Im Rahmen der Stiftergemeinschaft können sie nun auf einfachem Wege schon zu Lebzeiten eine Stiftung unter ihrem Namen einrichten und den Verwendungszweck festlegen – oder ihn sogar immer wieder ändern. Wer selbst keine konkrete Einrichtung unterstützen möchte, schließt sich einfach anderen an. Auch die Kreissparkasse hat vorab fünf Themenfelder definiert: Musikschulen, Altenhilfe, Gesundheitswesen, Tafeln, Tierschutz. Jährlich entscheidet ein Kuratorium aus fünf Mitgliedern, wohin die Erträge aus denjenigen Stiftungen fließen, die keinen festen Verwendungszweck angegeben haben.

Die Kreissparkasse verfolgt mit der Stiftergemeinschaft nicht primär wirtschaftliche Interessen, sondern sieht sie in erster Linie als Teil ihres öffentlichen Auftrags, die Region zu fördern. Denn unabhängig von konjunkturellen Gegebenheiten gewährleisten Stiftungen nachhaltig kontinuierliche Ausschüttungen. Freilich profitiert auch die Bank, indem die Stiftungstreuhand das Geld bei ihr anlegt. Die Ertragslage sei angesichts niedriger Zinsen momentan schwierig, gesteht Graf. 2,5 bis 3 Prozent Ausschüttung abzüglich der Verwaltungskosten sollten pro Jahr aber drin sein. Der Stifter selbst darf mit Steuervergünstigungen rechnen.

Eine Grenze nach oben gibt es nicht – weder was die Zahl der Stifter noch die Höhe des jeweils eingebrachten Vermögens betrifft. Fürs erste Jahr hat es sich die Kreissparkasse zum Ziel gesetzt, gut eine Million Euro Stiftungsvermögen einzusammeln. Bei der derzeitigen Ertragslage wären das rund 20 000 Euro, die an verschiedene Einrichtungen im Landkreis fließen könnten. Denkbar ist für potenzielle Stifter freilich auch die Einrichtung einer Verbrauchsstiftung, die das Kapital über einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren direkt ausschüttet.

Theoretisch ist die Gründung einer Stiftung innerhalb eines Tages möglich. Laut Graf braucht es nur den guten Willen und ein paar Unterschriften. Selbst bestehende Stiftungen können unters Dach der Gemeinschaft schlüpfen und sich damit möglicherweise Verwaltungskosten und -arbeit ersparen. Die Kreissparkasse ist von dem Modell überzeugt. „Die Menschen im Landkreis“, sagt Graf, „werden auf Dauer profitieren.“

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