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Bei der Razzia im Januar 2015 wurden sowohl der Hauptsitz der Sparkasse als auch Kreidls Privathaus durchsucht.

Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee

Sponsoring-Affäre: Ende der Ermittlungen zeichnet sich ab

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Die Großrazzia im Zuge der Sponsoring-Affäre rund um die Kreissparkasse jährt sich an diesem Freitag zum zweiten Mal. Und noch immer sind die Ermittlungen nicht abgeschlossen.

Landkreis - Die Durchsuchungsaktion hatte dereinst für großes Aufsehen gesorgt. 88 Ermittler standen am 27. Januar 2015 vor 27 Häusern, Wohnungen und Büros von 16 Beschuldigten, um Unterlagen sicherzustellen, die deren mögliche Verquickung in die Sponsoring-Affäre rund um die Kreissparkasse belegen. Bekanntermaßen hatte das Geldinstitut unter seinem früheren Vorstandsvorsitzenden Georg Bromme über seinen eigentlichen Förderauftrag hinaus ein großzügiges finanzielles Engagement gezeigt – von Geschenken an Verwaltungsräte über Fahrten mit Bürgermeistern bis hin zur Ausstattung des Landratsbüros.

Die Anfänge

Den Stein ins Rollen brachte im Dezember 2013 ein Bericht in unserer Zeitung über die exorbitant hohen Bezüge der Verwaltungsräte. In der Folge kamen Fragen zu den gewaltigen Kosten für die Feier zum 60. Geburtstag des damaligen Landrats Jakob Kreidl (CSU) auf, die zum größten Teil die Kreissparkasse übernommen hatte. Kreidl verlor bei der Kommunalwahl 2014 sein Amt. Im Landtag beschäftigte sich der Innenausschuss mit dem Sponsoring-Gebaren des Geldhauses.

Die Durchsuchung

Im Rahmen der Durchsuchung vor zwei Jahren klingelten die Ermittler bei Sparkassen-Führungskräften, Kommunalpolitikern und örtlichen Unternehmern. Mittlerweile werden 20 Personen als Beschuldigte geführt. In 17 Fällen steht der Vorwurf der Untreue im Raum, in drei Fällen wird wegen Bestechung und Bestechlichkeit ermittelt.

„Die Kollegen haben in den vergangenen zwei Jahren 450 Aktenordner gesichtet und rund 50 Zeugen vernommen“, berichtet Ken Heidenreich, Sprecher der Staatsanwaltschaft München II, auf Nachfrage. „Die Zahl der durchsuchten Objekte hat sich auf 41 erhöht.“ Großes Aufsehen erregte vor wenigen Wochen die Nachricht, dass die Staatsanwaltschaft zur Klärung von Sachverhalten auch Telefonanschlüsse durch das Landeskriminalamt anzapfen ließ. Wie lange die Ermittlungen noch dauern werden, vermag Heidenreich nicht zu sagen. Aber: „Ein Ende nähert sich.“

Das weitere Vorgehen

Das freilich bedeutet nur, dass dann Staatsanwaltschaft und Polizei ihre Arbeit fürs Erste erledigt haben. Es ist der Zeitpunkt, zu dem die Anwälte umfängliche Akteneinsicht erhalten und zu den Vorwürfen Stellung nehmen können. Möglicherweise kommt es anschließend zu Nachermittlungen. Erst wenn dies alles beendet ist, entscheidet der Staatsanwalt, ob und welche Verfahren er einstellt oder in welchen Fällen er Anklage erhebt.

Die Geschädigten

Zivilrechtlich hingegen ist die Sponsoring-Affäre bereits abgeschlossen. Die Kreissparkasse, die von früheren Vorstands- und Verwaltungsratsmitgliedern rund 5,4 Millionen Euro gefordert hatte, erhielt nach Verhandlungen mit ihrer Manager-Haftpflicht pauschal zwei Millionen Euro. Die umstrittene Geitauer Alm konnte sie für rund 1,5 Millionen Euro ans Kloster Scheyern verkaufen, der Verkauf des Bücherbestands aus dem Tegernseer Psallierchor erbrachte rund 100 000 Euro. Offen ist jetzt nur noch der Verkauf des Psallierchors selbst. Insgesamt blieb die Bank zwar auf einem Schaden von rund 22 300 Euro sitzen, teure Prozesse mit unsicherem Ausgang hätten aber wohl deutlich mehr gekostet.

Auch der Landkreis hat sein Geld, inzwischen zurück. Er schloss mit dem früheren Landrat zwei Vergleiche. Kreidl erstattete eine Summe im insgesamt niedrigen fünfstelligen Bereich. Hier ging es vorrangig um Reise- und Handykosten, die der damalige Landrat zu Unrecht über die Kreiskasse abgerechnet hatte. Zudem zahlte das Finanzamt zu viel entrichtete Lohnsteuer im niedrigen fünfstelligen Bereich im Zusammenhang mit Kreidls Geburtstagsfeier zurück. Ein Verhaltenskodex, den der Kreistag im Sommer 2014 verabschiedet hat, soll dafür sorgen, dass sich Derartiges künftig nicht wiederholt.

Der Auslöser

Die rund 120 000 Euro teure Fete Kreidls, die seinerzeit bundesweit für Empörung und Kopfschütteln gesorgt hatte, war übrigens nie Gegenstand der jetzt zu Ende gehenden strafrechtlichen Ermittlungen. Den Akteuren, die die Geburtstagsfeier organisiert hatten, konnte keine grobe Pflichtverletzung nachgewiesen werden.

sh

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