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Anders als im Gesamtbereich des Präsidiums Oberbayern Süd hat sich die Fallzahl im Landkreis nur geringfügig erhöht. Die Entwicklung der Straftaten in den vergangenen Jahre und den Anteil der einzelnen Delikt-arten zeigt unsere Grafik.

Infografik zeigt die Details

Kriminalitätsstatistik: So sicher ist der Landkreis

Miesbach - Die Bürger im Landkreis dürfen sich sicher fühlen. Mit genau 3666 Straftaten hat die Polizei 2015 nur 19 mehr Fälle gezählt als 2014. Doch auch hier gibt es Licht und Schatten – und die Autobahn.

Wer nur einen flüchtigen Blick auf die Kriminalitätsstruktur-Karte des Landkreises wirft, zuckt zusammen. Die Gemeinde Irschenberg sticht dunkelblau heraus. Ist der beschauliche Ort in Wahrheit ein Verbrecherparadies? Jürgen Thalmeier, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, winkt ab: „Die Irschenberger sind genauso brav wie die meisten anderen Landkreisbürger auch.“ Dass die Polizei hier – auf 100 000 Einwohner hochgerechnet – 2015 trotzdem die meisten Straftaten gezählt hat, liegt an der Autobahn. Egal ob Drogenkuriere aus Amsterdam oder Waffenschmuggler aus dem Osten: An der Rastanlage sind den Schleierfahndern auch im vergangenen Jahr viele dicke Fische ins Netz gegangen. 525 Fälle waren es insgesamt, 73 mehr als 2014. „Die Grenzkontrollen haben ja erst im September begonnen“, erklärt Thalmeier. Vorher habe die Schleuserwelle ihren Höhepunkt erreicht.

Anders als im Gesamtbereich des Präsidiums Oberbayern Süd hat sich die Fallzahl im Landkreis nur geringfügig erhöht. Die Entwicklung der Straftaten in den vergangenen Jahre und den Anteil der einzelnen Delikt-arten zeigt unsere Grafik.

Insgesamt fällt der Sicherheitsbericht für den Landkreis Miesbach deutlich unspektakulärer aus. Entsprechend zufrieden zeigte sich gestern Polizeipräsident Robert Kopp bei seinem ersten Sicherheitsgespräch mit den Leitern der Inspektionen Miesbach, Bad Wiessee und Holzkirchen und Landrat Wolfgang Rzehak. Genau 3666 Straftaten weist die Statistik für 2015 aus, ein Anstieg um 19 Fälle oder 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Das ist immer noch der zweitniedrigste Wert seit 2006“, sagte Kopp. „In den wesentlichen Punkten passt’s also.“ Kleiner Wermutstropfen: Die Aufklärungsquote hat sich um 3,2 Prozentpunkte auf 60,1 Prozent verschlechtert.

Landrat Rzehak ist trotzdem zufrieden. „Bei uns ist es nicht nur gefühlt sicherer als woanders, sondern auch objektiv“, lobte er. In der Tat steht der Landkreis im Vergleich zum präsidiumsweiten Trend gut da. So zählten die Beamten im Gesamtbereich Oberbayern Süd 98 346 Straftaten, ein sattes Plus von 53,7 Prozent.

Doch auch in einzelnen Gemeinden des Landkreises gab es Anstiege zu verzeichnen. Etwa in Tegernsee von 169 auf 184 Fälle, in Rottach-Egern von 249 auf 272 oder in Holzkirchen von 684 auf 781. Letzteres lässt sich laut Thalmeier aber ebenfalls auf die A 8 zurückführen. Weniger Straftaten ereigneten sich hingegen in Bad Wiessee (199 statt 240) oder Miesbach (379 statt 450). Erfreuliches Detail: Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist von 51 auf 46 leicht zurückgegangen. „Da möchte ich aber noch weiter runterkommen“, betonte Kopp.

Den Lagebericht zur Sicherheit im Landkreis legte Polizeipräsident Robert Kopp (l.) gestern Miesbachs Landrat Wolfgang Rzehak vor.

Schaut man sich die Delikt-arten genauer an, zeigt sich ein gespaltenes Bild. Während Raub und Körperverletzungen um 7,8, Verstöße gegen strafrechtliche Nebengesetze wie Betäubungsmittelmissbrauch um 9,0 sowie Vermögens- und Fälschungsdelikte um 6,1 Prozent zugenommen haben, gab es vor allem bei den Sexualverbrechen einen starken Rückgang um 41,5 Prozent. Der könne jedoch trügerisch sein, warnte Kopp. „Da passiert vieles im Nahbereich.“ Auch bei den Tötungsdelikten zählte die Polizei 2015 mit fünf Fällen einen mehr als 2014. Das heißt aber nicht, dass im Landkreis tatsächlich fünf Morde verübt wurden, erklärt Thalmeier. „Da wird auch der Verdacht auf Tötungsabsicht eingerechnet.“

Zusätzliche Arbeit hat den Beamten auch die Zuwanderung von Asylbewerbern beschert. 237 Mal rückten sie im Landkreis zu Gemeinschaftsunterkünften aus. Einheimische waren nicht betroffen. „Diese Konflikte haben sich ausschließlich zwischen Flüchtlingen verschiedener Nationalität abgespielt“, erklärte Kopp. Tolerieren dürfe man die Gewalt, die sich in drei Fällen auch gegen Polizisten richtete, jedoch nicht. „Das Landratsamt bringt jeden Fall zur Anzeige“, betonte Rzehak. „Die Leute müssen Respekt lernen.“

Eins der besten Mittel gegen Kriminalität ist für den Polizeipräsidenten die Prävention. So seien auch heuer zahlreiche Aktionen, zum Beispiel an Schulen, geplant. Ein erster Erfolg habe sich bereits gezeigt. Der Täteranteil der unter 21-Jährigen ist von 21,6 Prozent im Jahr 2009 auf 16,5 Prozent (2015) gesunken. Laut Rzehak auch deshalb, weil der Landkreis viel in die Jugendarbeit investiert. „Und das kostet halt nunmal Geld“, sagte er. Halb so wild, meinte Kopp: „Ein Jugendarrest kostet noch viel mehr.“

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