+
Stellten die Kriminalstatistik für 2016 vor: (v.l.) Leitender Polizeidirektor Harald Pickert, Polizeipräsident Robert Kopp und Kriminalrat Dieter Hausberger bei der Pressekonferenz im Präsidium in Rosenheim.

Kriminalstatistik der Polizei

Fast 19 Prozent mehr Straftaten im Landkreis

  • schließen

Um fast 19 Prozent hat sich die Zahl der Straftaten 2016 im Landkreis erhöht. Der Polizeipräsident führt dies unter anderem auf die Zuwanderung zurück - und wünscht sich eine kommunale Sicherheitswacht.

Landkreis – Wer nur einen flüchtigen Blick auf die Grafik zur Entwicklung der Kriminalitätslage im südlichen Oberbayern wirft, zuckt unweigerlich zusammen. Im Zehnjahresvergleich schießt der blaue Balken für 2016 fast durch die Decke. Tatsächlich wurden im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd im Vorjahr genau 213 354 Straftaten und damit mehr als doppelt so viele wie 2015 (98 346) begangen. „Dieser Vergleich ist aber nicht sachgerecht“, sagte Polizeipräsident Robert Kopp gestern bei der erstmals zentral im Präsidium in Rosenheim abgehaltenen Pressekonferenz zur Kriminalstatistik für 2016. So müsse man auch die steigenden Einwohnerzahlen sowie die Migrationslage berücksichtigen.

Letztere ist der Hauptgrund für den außergewöhnlich hohen Anstieg. In drei Viertel aller Fälle handelte es sich um Verstöße gegen das Aufenthalts- und Asylverfahrensgesetz, also um illegale Migration. Bereinigt man die Statistik um diesen Tatbestand, fällt das Plus mit 8,5 Prozent deutlich geringer aus. Trotzdem hat die Polizei 2016 insgesamt 52 546 Delikte gezählt. „Das ist wenig erfreulich“, räumte Kopp ein. Im langfristigen Vergleich könne sich die Sicherheitsbilanz dennoch sehen lassen. Zudem liege die Häufigkeitszahl – also die Zahl der Straftaten pro 100 000 Einwohner – mit 4167 zwar klar über 2015 (3895), aber immer noch unter dem bayernweiten Durchschnitt von 4785.

Der Landkreis Miesbach macht den präsidiumsweiten Trend mit – wenn auch mit teils erheblich höheren Ausschlägen. So wurden hier 2016 insgesamt 4219 Straftaten begangen. Mit 18,8 Prozent ist das der zweithöchste Anstieg im Präsidiumsbereich. Negativ heraus stechen bei den Häufigkeitszahlen die Gemeinden Holzkirchen, Rottach-Egern und Tegernsee, am sichersten war es in Fischbachau und Warngau. In Irschenberg machen sich auch heuer wieder die Aufgriffe der Schleierfahnder auf der Autobahn bemerkbar.

Betrachtet man die Einzeldelikte, fällt auch im Landkreis ein starker Anstieg der Gewaltkriminalität auf (+56,4 Prozent). Die Zahl der Sexualdelikte hat sich sogar um 58,1 Prozent auf 49 Fälle erhöht. Ein Teil geht auf das Konto des Exhibitionisten, der im Gemeindebereich Schliersee sein Unwesen trieb. Der größte Anteil an allen Straftaten im Landkreis entfällt auf die Vermögens- und Fälschungsdelikte.

Das Plus von 26,8 Prozent bei den Körperverletzungen führt die Polizei auf Auseinandersetzungen unter Asylbewerbern zurück. „Wir werden hier weiterhin auf die Einhaltung der Spielregeln des geordneten Zusammenlebens achten“, betonte Kopp. Präsidiumsweit liegt der Anteil der Zuwanderer an den tatverdächtigen Personen bei 17,2 Prozent. Die Zahl der von ihnen begangenen Straftaten hat sich sogar auf 4663 Fälle verdoppelt. Bei den um 51,7 Prozent gestiegenen Rauschgiftdelikten im Landkreis mache sich hingegen die verstärkte Kontrolltätigkeit der Polizei bemerkbar.

Der einzige große Verbrechensrückgang im Landkreis hat sich bei den Wohnungseinbrüchen ereignet – dafür um stolze 47,8 Prozent auf 24 Fälle. Auch die schweren Diebstähle in Gewerbebetrieben sind – entgegen des präsidiumsweiten Trends – von 65 auf 59 leicht abgesunken. In diesem Zusammenhang verwies Kopp auf die 2016 erneut gestiegene Aufklärungsquote von 66,1 Prozent im Präsidiumsbereich. Auch in Miesbach hat sich diese um 3,3 auf 63,4 Prozent erhöht.

Der Polizeipräsident lobte hier auch das „Notrufverhalten“ der Bürger. In 297 Fällen habe man dank einer zügigen Mitteilung den Verdächtigen noch am Tatort festnehmen können. Nicht zuletzt aus Präventionsgründen machte sich Kopp zudem für eine „ergänzende, kommunale Sicherheitswacht“ stark. Dies werde in einigen Städten und Gemeinden bereits erfolgreich praktiziert. „Eine hundertprozentige Sicherheit wird es zwar nie geben“, sagte der Polizeipräsident, „aber wir werden uns für ein Höchstmaß einsetzen.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Rzehak: „Wir haben viel herausgeholt“
Das Verfahren zur Ausweisung einer Wasserschutzzone Thalham-Reisach-Gotzing wird wieder aufgenommen. Verzögert hatte das ein Ministerinnen-Schreiben. Die dort gestellten …
Rzehak: „Wir haben viel herausgeholt“
Namensproblem bei AfD-Kandidat: Stimmzettel bleiben gültig
Liegt im Fall um den Namen des AfD-Kandidaten Constantin Prinz von Anhalt ein strabares Verhalten vor? Vermutlich noch vor der Bundestagswahl soll das geklärt sein. Bis …
Namensproblem bei AfD-Kandidat: Stimmzettel bleiben gültig
Über den Wipfeln auf dem Schliersberg
Der Schliersberg soll für Besucher noch reizvoller werden. Eigentümer Ingo Bauer will einen Aussichtsturm bauen. 
Über den Wipfeln auf dem Schliersberg
Drei Personen bei Verkehrsunfall bei Miesbach verletzt
Leicht verletzt mussten zwei Autofahrer und ein Beifahrer am Wochenende ins Krankenhaus gebracht werden. Ein VW und ein Mercedes waren auf der B472 zusammengekracht.
Drei Personen bei Verkehrsunfall bei Miesbach verletzt

Kommentare