Winterfreuden auf dem zugefrorenen Spitzingsee. Die Masse der Ausflügler sorgt vor allem seit Beginn der Coronakrise für massiven Ärger. Foto: TP
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Winterfreuden auf dem zugefrorenen Spitzingsee. Die Masse der Ausflügler sorgt vor allem seit Beginn der Coronakrise für massiven Ärger.

Gespräch mit Bürgermeisterin Katrin Habenschaden

Nach Eskalation zwischen Münchner Ausflüglern und Anwohnern im Oberland: Erster Krisengipfel mit Bürgermeistern

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Tagesausflüge in den Landkreis Miesbach sind aktuell per Allgemeinverfügung verboten. Aber wie soll es danach weitergehen? Dazu gab‘s eine Videokonferenz mit Münchens Zweiter Bürgermeisterin.

  • Gesprächsrunde auf Initiative von Tourismus-Chef Christian Kausch.
  • Münchner Vize-Bürgermeisterin Katrin Habenschaden entwirft mit Bürgermeistern gemeinsame Strategie.
  • Runder Tisch Tagestourismus und Informationskampagne geplant.

Landkreis – Im Moment liegt das Problem auf Eis. Tagesausflüge in den Landkreis Miesbach sind per Allgemeinverfügung verboten, Punkt. Aber darum ging es nicht in der per Videokonferenz geführten Gesprächsrunde mit Münchens Zweiter Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne) und Bürgermeistern aus dem Oberland. Sondern darum, wie die Situation zu beherrschen ist, wenn das Verbot wieder fällt. Am Ende war man sich einig: Das Gespräch war erst der Anfang. Es soll eine Informationskampagne geben und einen Runden Tisch zum Thema Tagestourismus.

„Über die Feiertage haben uns die Ereignisse überrollt“, erinnert Christian Kausch, Geschäftsführer der Tegernseer Tal Tourismus GmbH. Sie gipfelten in einer unflätigen Botschaft am Miesbacher Ortseingang: ein Stinkefinger über dem Münchner Kennzeichen, dazu eine derb formulierte Aufforderung, an alle Münchner, daheim zu bleiben.

Gesprächsbedarf nach Eskalation

Die Eskalation bewog Kausch, ein auf längere Sicht geplantes Gespräch über Konzepte zum Umgang mit den Ausflüglerströmen vorzuziehen. In Kontakt war Kausch mit Habenschaden schon seit sie im Mai 2020 ihr Amt als Zweite Bürgermeisterin angetreten hat. In ihren Aufgabenbereich fallen Wirtschaft und Tourismus. Damit ist sie in der Landeshauptstadt Kauschs oberste Ansprechpartnerin. „Und für uns ist es sehr wichtig zu wissen, wie München tickt“, sagt Kausch.

Beim Gespräch mit dabei waren Miesbachs Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU) und seine Stellvertreterin Astrid Güldner (Grüne), Schliersees Rathauschef Franz Schnitzenbaumer (CSU), der Wiesseer Bürgermeister Robert Kühn (SPD) und der Tegernseer Vize-Bürgermeister Michael Bourjau (FWG). „Erst einmal ging’s ums Kennenlernen“, meint Tourismus-Chef Kausch. Und darum, die speziellen Problemlagen zu schildern. In jedem Bereich, ob Miesbach, Schliersee oder Tegernsee, gebe es andere Aspekte. Es sei ein konstruktives Gespräch gewesen, eine Stunde lang, und es sei schnell klar geworden, dass der Kreis erweitert werden soll. So werden beim geplanten Runden Tisch unter anderem auch Vertreter des Alpenvereins hinzugebeten. Ein Termin für die große Runde soll zügig festgezurrt werden.

Miesbachs Bürgermeister Braunmiller verspricht sich viel von dem Plan, die Verkehrsströme durch Echtzeit-Infos zu lenken. Dabei verwies er auf ein bereits von der Landkreis-Tourismusorganisation ATS entwickeltes Werkzeug, das Daten zur Lage auf den Hauptverkehrsadern Richtung Tegernsee und Schliersee sammelt und aufbereitet. „Zukünftig werden wir die Mobilität nur in den Griff bekommen, wenn wir uns vernetzen“, meint Braunmiller. Mit den Verkehrsdaten des Landkreises und den Vertriebskanälen der Landeshauptstadt könnte dieses Projekt vorangebracht werden.

Verkehrsströme lenken

Auch sein Schlierseer Kollege Schnitzenbaumer setzt darauf, die Ausflügler in andere Gebiete zu lenken, wenn die Hotspots mal wieder überlaufen sind. „Da kann man doch schauen, wo es sonst noch schön ist.“ Angesichts des in der Krise überbordenden Ausflugsverkehrs habe die Region ein Problem mit der Infrastruktur: „Das Ganze geht ja nicht gegen München.“ Wiessees Bürgermeister Kühn sieht die Gesprächsrunde als „freundlichen und guten ersten Aufschlag“. Es habe ihn überrascht, wie viele Gedanken sich man im Münchner Rathaus bereits über das Ausflügler-Problem im Oberland gemacht habe. Habenschaden habe „einen Strauß der Möglichkeiten aufgezeigt“, um den Verkehr zu steuern, meint Kühn. Er sehe eine gute Basis für weitere Gespräche.

Info-Kampagne soll Tagestouristen sensibilisieren

Gegenseitiges Verständnis sei wichtig, beteuern alle Beteiligten. Miteinander reden, nicht nur übereinander. Der Tagestourismus soll ja auch nicht verschwinden. „Das Tegernseer Tal empfängt seit Generationen Gäste und versteht sich als Erholungsgebiet“, erinnert Tegernsees Vize-Bürgermeister Bourjau. Tourismus-Chef Kausch ist sehr daran gelegen, dass dieses Image nicht nachhaltig beschädigt wird.

„München und das Umland leben in einer Symbiose, und besonders während Corona müssen wir einander helfen und solidarisch sein“, meint Bürgermeisterin Habenschaden. Es war ihr Vorschlag, Münchner Tagestouristen mit einer Informationskampagne für die Situation im Alpenvorland zu sensibilisieren. Es sei „eine Sauerei“, wenn Menschen ihren Müll hinterlassen. „Gleichwohl finde ich es inakzeptabel, wenn die Münchner angefeindet werden nur aufgrund ihrer Herkunft.“

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