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Miesbachs neue Kulturchefin Isabella Krobisch ist seit Sommer 2016 im Amt. 

Miesbachs neue Kulturchefin im Gespräch

Isabella Krobisch: „Wir müssen total kreativ sein“

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Miesbach - Seit Sommer 2016 hat die Kultur in Miesbach ein neues Gesicht: Isabella Krobisch. Im neuen Jahr verantwortet die 54-Jährige ihr erstes Programm im Waitzinger Keller.

Das Chefbüro im Waitzinger Keller sieht mittlerweile etwas anders aus als noch vor einem Jahr. Der Schreibtisch wurde verschoben, neue Bilder hängen an der Wand, und in der Mitte dominiert ein ovaler Holztisch. Bei Martin Fischhaber war es einst ein eckiger Tisch im Eck. Seit Sommer 2016 leitet Isabella Krobisch Miesbachs Kulturbetrieb und damit das Kulturamt der Stadt. Einarbeiten muss sich die 54-jährige Miesbacherin nicht. 18 Jahre war sie die rechte Hand ihres Vorgängers, nun lenkt sie die Geschicke selbst und verantwortet 2017 ihr erstes Programm. Ein Gespräch über bewährte Ansätze und neue Wege. 

Frau Krobisch, haben Sie sich schon eingelebt im neuen Büro? 

Ja, ich habe etwas umgeräumt für ein paar Attribute, die mir wichtig sind. 

Welche denn? 

Zum einen mag ich das Bild „Miesbach“, gemalt von Bürgermeister Hans Schuhbeck. Es drückt meine Heimatverbundenheit aus und erinnert mich an Hans Schuhbeck, der mir durch seine Geradlinigkeit, seinen Fleiß, seinen hohen Gemeinsinn und sein besonnenes Agieren ein großes Vorbild war. Und er hat meine Affinität zur Kultur erkannt und gefördert. 

Und das Bild schräg gegenüber? 

Das ist der Druck „Maika“ von Christian Schad. Ein gebürtiger Miesbacher, der zum Weltkünstler wurde – ein Pfund, mit dem wir noch viel zu wenig gewuchert haben. 1999 hatten wir das Original mal für drei Wochen hier im Haus. Das war damals unser Durchbruch als Kulturzentrum mit überregionaler Ausrichtung. 

1998 hatte Martin Fischhaber den Waitzinger Keller in Schieflage übernommen, und Sie wurden seine Stellvertreterin. Bis Ende 2016 haben Sie beide zusammengearbeitet. Jetzt tragen Sie die Verantwortung. 

Wir waren ein gutes Team. Ich kenne das Haus nach all den Jahren ja bestens, aber es selbst zu verantworten, ist ein neuer Schritt, den ich freudig gehe. Deshalb bin ich dem Stadtrat sehr dankbar, dass er mir diese Aufgabe übertragen hat. 

Was charakterisiert Sie denn beim Arbeiten?

Im Prinzip dieser runde Tisch. Frauen sind ja bekanntlich Netzwerkerinnen, und auch ich lade gerne Menschen an den Tisch – in Sachen Kultur, Tourismus und auch in sozialer Hinsicht. Dazu gehört auch die Vernetzung mit der Gemeinschaftswerbung Miesbach (GWM), mit der wir unsere Zusammenarbeit intensivieren wollen. Ziel ist es, Synergien beim Stadtmarketing zu nutzen. Das kommt beiden Seiten zugute.

„Im Gespräch mit der GWM haben wir schnell festgestellt, dass es Dinge gibt, die jeder schon mal anpacken wollte“

Manchmal hilft es ja schon, wenn man sich nur mal unterhält. 

Das stimmt. Im Gespräch mit der GWM haben wir schnell festgestellt, dass es Dinge gibt, die jeder schon mal anpacken wollte. Aber das gilt ja auch hausintern: Seit Kurzem haben wir Monitore in den Schaukästen am Waitzinger Keller. Das ist eine Idee unserer Techniker. Wir haben uns alle zusammen unterhalten, wie wir unser äußeres Erscheinungsbild beleben können. So kam diese Idee ins Spiel. Das Tolle dabei: Wir müssen keine Plakate mehr austauschen und können unser aktuelles Programm komplett zeigen. Der Betrachter ist immer wieder aufs Neue gefesselt, und gekostet hat es auch nicht viel. 

Geld sparen und haushalten ist in Miesbach ja eine wesentliche Tugend.

Der Waitzinger Keller lebt von den Ideen der Leute, die hier arbeiten, nicht vom großen Budget. Wir müssen total kreativ sein. Unser jährliches Veranstaltungsbudget bewegt sich zwischen 20 000 und 25 000 Euro. Damit müssen wir auskommen. Deshalb ist es wichtig, das Haus auch zu vermieten und mit Agenturen zusammenzuarbeiten. Und man braucht Spürsinn. 

„Etwas auszuprobieren ist gewissermaßen brandgefährlich. Funktioniert es nicht, ist das Budget rasch ausgereizt“

Inwiefern?

Wir haben nicht viele Versuche. Etwas auszuprobieren ist gewissermaßen brandgefährlich. Funktioniert es nicht, ist das Budget rasch ausgereizt. Sicher haben wir einen Kulturauftrag, aber eben nur in einem bestimmten Rahmen. Wichtig sind für uns Bühnengrößen. Denn sie bescheren uns dank ihrer Fans, die sich über das Internet über Auftritte in der weiteren Region informieren, ein neues Publikum. Und viele stellen dann fest, wie schön ein entspannter Tag auf dem Land sein kann – nicht zuletzt mit einem kostenlosen Parkplatz vorm Kulturzentrum.

Warum ist das Budget so niedrig?

Weil wir es uns genau genommen mit dem Freien Landestheater Bayern teilen. Das FLTB wird von der Stadt bezuschusst und zahlt bei uns für Proben und Auftritte Miete. Damit trägt es auch zu unseren Einnahmen bei. Genau das ist die Herausforderung: mit wenig Mitteln trotzdem erfolgreich zu sein. Im Dienst des Waitzinger Kellers zu stehen ist letztlich eine Lebenshaltung. Es ist keine seelenlose Stadthalle, sondern ein Haus, das einen besonderen Zauber hat und durch seinen unendlichen Reichtum an Möglichkeiten besticht. Es fordert jedem von uns hohe Einsatzbereitschaft ab und den Mut, immer wieder neue Richtungen einzuschlagen – dies jedoch mit Maß und Ziel. Dazu feilen wir kontinuierlich an der Qualität. Das Sinnbild dazu steht ebenfalls auf meinem Schreibtisch.

Das Flaschenschiff? 

Ja, mein Buddelschiff. Es gefällt mir so gut, weil es dem Dasein im Waitzinger Keller gleicht: der Arbeit im Kleinen, die Disziplin, Geduld und Hingabe und immer wieder neue Strategien erfordert, um den Kurs zu halten und zu Erfolgen zu kommen. Und nicht zu vergessen der Teamgeist.

Das könnte jetzt auch aus dem Fußball stammen. 

Da wäre ich auch sofort dabei. Fußball fasziniert mich, weil er so strategisch ist. Ich wollte schon selbst immer spielen, aber in meiner Jugend gab es noch keine Mädchenmannschaften.

Haben Sie eine Lieblingsmannschaft?

Nein, mich fasziniert generell ein gutes Spiel, in dem Taktik und Können zum Erfolg führen.

„Wir passen uns dem an, was das Publikum verlangt – aber nicht ausschließlich“

Zurück zur Kultur: Was kommt denn an beim Publikum? 

Im Prinzip das, was wir gerade im neuen Programm haben. Kabarett steht natürlich hoch im Kurs. Wir passen uns dem an, was das Publikum verlangt – aber nicht ausschließlich. Wir setzen auch neue Akzente. Zum Beispiel mit dem Vorarlberger Ensemble Bluatschink oder mit der neuen Reihe der Blauen Couch am 26. Januar, bei der prominente Künstler nicht nur ihre Kunst zeigen, sondern im Gespräch auch etwas über sich selbst verraten. Wir beobachten den Markt genau und selbstkritisch, denn wir wollen auch über uns hinaus wachsen. Aber wir scheitern auch oft am Publikum.

Wieso das?

Wir könnten beispielsweise über Agenturen durchaus einige Jazz-Größen für Miesbach bekommen – so unerschwinglich wären die gar nicht. Aber damit füllen wir in Miesbach keinen Saal. Leider.

„Wir haben viel strategische Arbeit geleistet – weitere Kooperationen sind in Vorbereitung“

An der Reichweite Ihres Angebots haben Sie ja schon geschraubt. Die neuen Kooperationen mit Holzkirchens Kultur im Oberbräu und mit Münchenticket dürften mehr Besucher nach Miesbach bringen, oder?

Ja, das waren wichtige Schritte. Unser Bestreben ist es, dem Kunden so viel Service wie möglich vor Ort anzubieten. Der gegenseitige Kartenverkauf und unsere durchgehenden Öffnungszeiten gehen in diese Richtung. Wir haben viel strategische Arbeit geleistet – weitere Kooperationen sind in Vorbereitung. 

Wie läuft das Tagungsgeschäft, die zweite Säule des Waitzinger Kellers?

Die Tagungen könnten noch besser laufen. Das Problem ist ja bekannt: Uns fehlen in Miesbach geeignete Übernachtungsmöglichkeiten. Das macht uns für mehrtägige Seminare und Tagungen nicht gerade attraktiver. Für Tagesseminare wird unser Haus jedoch gerne genutzt. Unser Ziel ist es, insgesamt mehr Tagesbesucher nach Miesbach zu locken. Der Ansatz sieht so aus: Wir haben im Jahr rund 30 000 Abendbesucher. Wenn wir es schaffen, einen Teil davon auch tagsüber für Miesbach zu begeistern, ist viel erreicht. Miesbach könnte sich als Markt- und Trachtenstadt deutlich besser vermarkten. Die Liebenswürdigkeit der Stadt mit ihren kleinen Geschäften ist auch touristisch ein hohes Potenzial.

Welche Rolle kann Miesbach im Tourismus-Konzept des Landkreises spielen? 

Ich sehe gute Chancen im Kulturtourismus. Bislang wird ja nur aufs Brauchtum gesetzt. Aber mit dem Waitzinger Keller als Stammhaus des Freien Landestheaters Bayern und einem kontinuierlichen Spielbetrieb können wir landkreisweit einen wichtigen Beitrag leisten – genauso wie Kultur im Oberbräu Holzkirchen. Hinzu kommt auch unser Wanderwegenetz um Miesbach, das sich wachsender Beliebtheit erfreut. 

„Das Museum wäre ein gewaltiger Baustein - gerade für den Tagestourismus“

Wie wichtig ist das geplante, aber aus Kostengründen zurückgestellte Museum?

Das wäre ein gewaltiger Baustein – gerade für den Tagestourismus. Touristen sind bereits im Landkreis, die muss man nicht erst anlocken.

Warum glauben Sie, dass das Museum in Miesbach funktionieren würde?

Weil die Voraussetzungen ideal sind: herausragender Sammlungsbestand, Standort in einem historischem Gebäude mit attraktivem Umfeld, hohes bürgerschaftliches Engagement, großes Besucherpotenzial durch Schulen am Ort und Eingangstor zu einer gefragten Sport- und Tourismusregion. Das Museum als Tagesbetrieb wäre ein zweiter kultureller Kristallisationspunkt, der ganz erheblich zur Belebung der Innenstadt Miesbachs beitragen würde.

Wann kommt denn nun das Museum?

(lacht) Ich weiß nicht, ob ich es noch erleben werde, aber ich bereite es auch gerne vor. Im Ernst: Es ist bei all den Widerständen, die es damals gab, auch ein Wunder, dass es den Waitzinger Keller gibt. Aber heute würde keiner mehr darauf verzichten wollen. So ein Haus hat ja auch eine soziale Funktion. Die Stadt hat jedenfalls vom Waitzinger Keller profitiert. Nicht zuletzt durch viel Prominenz, dank der die Stadt auch außerhalb positiv wahrgenommen wurde und wird.

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