An der Gemeindebücherei startet der Kunstpfad durch Holzkirchen. Dort zeigt Ivana de Faveri (M.) zwei ihrer Gemälde. Holzkirchens Bürgermeister Christoph Schmid und Sibylle von Löwis vom Verein KulturVision, die das Projekt geleitet hat, freuen sich über viele neugierige Schaufensterbummler.
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An der Gemeindebücherei startet der Kunstpfad durch Holzkirchen. Dort zeigt Ivana de Faveri (M.) zwei ihrer Gemälde. Holzkirchens Bürgermeister Christoph Schmid und Sibylle von Löwis vom Verein KulturVision, die das Projekt geleitet hat, freuen sich über viele neugierige Schaufensterbummler.

Gemeinsame Spielorte im Freien geplant

Kulturelle Aufbruchsstimmung: So sollen Musik und Theater trotz Corona wieder möglich werden

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Trotz Corona-Lockdown: Die Kultur im Landkreis Miesbach soll bald wieder Fahrt aufnehmen. Ideen gibt es bereits. Beispiel: zentrale Spielorte für Musik- und Theatergruppen.

Landkreis – Im Stufenplan des Bundes taucht die Kultur erst im vierten Öffnungsschritt auf. Abhängig von der Corona-Inzidenz dürfen Theater-/Konzert-/Opernhäuser und Kinos frühestens ab dem 22. März wieder Publikum empfangen, eventuell auch nur mit tagesaktuellem Schnell- oder Selbsttest. Über diese Details haben sich die Teilnehmer des virtuellen Runden Tisches des Vereins Kulturvision im Landkreis Miesbach noch keine Gedanken gemacht. Sie legen ihr Augenmerk vielmehr auf eine langfristige Wiederbelebung des kulturellen Lebens. An guten Ideen mangelt es dabei nicht, resümiert Kulturvision-Vorsitzende Monika Ziegler. „Man spürt eine regelrechte Aufbruchsstimmung“, schwärmt Ziegler.

Das war so nicht unbedingt zu erwarten. „Aus Kummer“ sei der Runde Tisch in den vergangenen Monaten eingeschlafen. Kein Wunder, fällt die Bilanz von 2020 doch reichlich frustrierend aus. Vor allem die Absage der Offenen Ateliertage, die mit großem personellen und finanziellen Einsatz geplant wurden, traf die Projektbeteiligten hart. „Die Ateliertage sind für die Kulturvision ein Herzensanliegen“, sagt Ziegler. Obendrein musste der Verein auch noch die für die Finanzierung des Künstlerkatalogs geplante Kunstauktion coronabedingt absagen.

Ateliertage auf 2022 verschoben

Es kommt noch bitterer: Wie die Teilnehmer des Runden Tisches einstimmig beschlossen, fallen die Offenen Ateliertage auch 2021 aus. „Der Termin im April wäre angesichts der aktuellen Lage nicht zu halten gewesen“, berichtet Ziegler. Im Frühsommer 2022 soll es dann aber endlich klappen.

Doch so lange soll die Kultur im Landkreis nicht mehr in der pandemiebedingten Schockstarre bleiben. Bereits im Lockdown hat die Kulturvision zusammen mit der Standortförderung Holzkirchen mit dem Gemeinschaftsprojekt „Kultur im Schaufenster“ eine Art Ersatzprogramm gestartet. Bis zum 14. März stellen 19 heimische Künstler im Ortszentrum ihre Werke aus. Nachahmer hat die Idee bereits gefunden, berichtete Sibylle von Löwis als neue Leiterin des Rundes Tisches. In Otterfing läuft seit dem 6. März der einmonatige Kunstpfad nach demselben Schema. Auch in Bad Wiessee und Miesbach denke man über eine Umsetzung nach, in Tegernsee will sich Volkstheaterchef Andreas Kern dafür einsetzen.

Gemeinsame Spielorte für Musik und Theater

Doch die Kultur soll nicht nur stumm durch Fensterscheiben stattfinden können. Auch Musiker und Theaterspieler wollen die Menschen im Landkreis wieder unterhalten. Wie das gehen könnte, schlug der Schlierseer Kulturherbst-Chef Johannes Wegmann in der Diskussion vor. Er könnte sich vorstellen, drei bis vier feste Orte für Auftritte verschiedener Gruppen im Landkreis einzurichten. Diese Freiluftspielstätten sollen mindestens den Sommer über bestehen bleiben und durch Zugangskontrollen auch die Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln garantieren.

Der Vorteil: Nicht jedes Theater oder jede Musikgruppe müsste für sich allein ein aufwendiges und oft auch kostenintensives Hygienekonzept entwickeln. Darüber hinaus hätten die mehrfach genutzten Spielorte den Charme, dass beispielsweise das Schlierseer Bauerntheater auch einmal im Tegernseer Tal auftreten könnte –und umgekehrt.

Ziegler zeigte sich sehr angetan von der Idee des „Aufweichens der Grenzen“ zwischen Tegernsee und Schliersee: „Da kann etwas Gedeihliches draus entstehen“, sagte die Vorsitzende von Kulturvision. Auf Anregung des Otterfingers Stefan Späth nach einer intensiveren Vernetzung auch im Landkreisnorden bot Ziegler an, eine „Brücke zwischen Holzkirchen und Otterfing“ zu bauen.

Alle genannten Ideen sollen nun in kleinen Arbeitsgruppen weiterverfolgt werden, versichert Ziegler auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Bilanz des Runden Tisches sei dafür eine gute Motivation: „Die Ergebnisse waren ausgesprochen befriedigend.“ Die Kultur im Landkreis, sie schöpfe wieder Hoffnung.

sg

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