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Viel Lob für die Aussteller gab es bei der Vernissage unter anderem von Inge Jooß (2.v.r.) und Paul Fertl (3.v.l.).

Die Kunst des doppelten Sehens

Fotofreunde Parsberg präsentieren ihre Jahresausstellung

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Bilder aus der Heimat und aus der Ferne, von Landschaften, Tieren und Menschen. Eine große Bandbreite stellen die Fotofreunde Parsberg bis Montag, 6. Januar, in ihrer 35. Jahresausstellung im Schulhaus aus.

Links im Bild drei Laternen, rechts ein junger Laubbaum: Es sind nur vier Objekte, die Marion Marski mit ihrer Kamera abgelichtet hat. Die reizvolle Ästhetik ergibt sich aus deren Anordnung und dem Kontrast von Natur und Technik. Marski nennt ihr Foto „peripher – vereinzelt“. Es ist eines von knapp 80 Bildern, die die Fotofreunde Parsberg noch bis Montag, 6. Januar, in ihrer 35. Jahresausstellung im Schulhaus zeigen.

Die Kunst des doppelten Sehens

„Eisberg in Grönland“: ein Bild von Maxi Sedlmaier.

„Einem Fotografen schreibe ich ein doppeltes Sehen zu“, hatte Miesbachs Kulturreferentin Inge Jooß bei der Eröffnung am gestrigen Sonntag gesagt. Den Blick von außen und den, der ein „inneres Bild“ festhält, eines, das haften bleibt, zu dem es vielleicht eine besondere Geschichte gibt. Viele der Bilder würden wohl Sehnsuchtsorte zeigen, vermutete sie. Unverkennbar jedenfalls: Etliche Fotos sind auf Reisen entstanden. „Man merkt, wer wo Urlaub gemacht hat“, sagte der Zweite Bürgermeister Paul Fertl mit einem Schmunzeln. Er freue sich, dass die Ausstellung über nun dreieinhalb Jahrzehnte zu einem festen Bestandteil des Miesbacher Kulturlebens geworden sei und lobte ihre zunehmende Professionalität.

An das Ablichten von Menschen haben sich indes nur wenige der Fotografen herangewagt. Peter Rosenmüller zeigt einen Töpfer, einen Keramikmaler und eine Tee-Zeremonie im Nomadenzelt. Martina Brand hat Kinder bei typischen Spielen „…im Süden“ und „…im Norden“ festgehalten: zwei Mädchen in einer grünen Wiese mit Kränzen aus Löwenzahnblüten im Haar und Kinder, die in Gummistiefeln durch flaches Brackwasser staksen.

Impressionen vom lettischen Meer

Landschaften und Stillleben, die die Natur malt, gehören dagegen unverkennbar zu den liebsten Motiven der Parsberger Fotofreunde. Michaela Urban hat in der Wüste Namibias einen abgestorbenen Baum entdeckt. Wie verkohlt steht er im Zentrum des Bildes, die Risse im beigen Sand lassen extreme Trockenheit als seine Todesursache erahnen. Einen „Eisberg in Grönland“ hat Maxi Sedlmaier im zarten Abend- oder Morgenlicht festgehalten. Die künstlerisch gestaltende Kraft der Natur hat es Horst Mahr angetan: Er war mit seiner Kamera am lettischen Meer, wo die sich zurückziehende Flut ein gleichmäßiges Wellenmuster in den schlickigen Sand gemalt hat.

Doch nicht nur in der Ferne haben die Aussteller wunderschöne Seiten der Natur entdeckt. Ibolyas Wieczorek sieht in den Tautropfen eines Spinnennetzes eine „Versteckte Perlenkette“. „Eistränen“ betitelt Gabriele Schütz ihre Fotografie vom Tegernsee, wo das Wasser tropfenförmig an den Schilfhalmen festgefroren ist. Und auf allerkleinste Wunder lenkt Rudi Hauptvogel den Blick: In Makrotechnik hat er Ameisen abgelichtet. Den Reiz des Bildes macht aus, dass Teile des Insekts nur als Silhouette zu erkennen sind, dagegen jedes Glied jedes einzelnen Beines zu sehen ist.

Auch Lüftlmalerei hat ein Forum

Schließlich zeigt eine Sonderausstellung Bilder von Lüftlmalereien: Bauernhäuser mit verzierten Fenster- und Türstöcken sowie Darstellungen von Heiligen und Berufsgruppen. Aber auch ein paar ungewöhnliche Motive haben die Fotografen gefunden: etwa eine Forelle, die nach einer Mücke springt, und eine Katze, die ihre Pfoten nach einem Vogelkäfig ausstreckt.

Öffnungszeiten

Die Parsberger Fotoausstellung ist bis Montag, 6. Januar, täglich von 11.30 bis 16 Uhr im Schulhaus zu sehen. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

cmh

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