Kunst auf Knopfdruck: Im Automaten „Schmankerlschrankerl“ sind oben Bilder einsortiert, unten Tiramisu, Gemüsesuppe und weitere Gerichte.
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Kunst auf Knopfdruck: Im Automaten „Schmankerlschrankerl“ sind oben Bilder einsortiert, unten Tiramisu, Gemüsesuppe und weitere Gerichte.

Interview

Galeristin spricht über die Vermarktung von Kunst in einem Lebensmittelautomaten

  • Bettina Stuhlweißenburg
    VonBettina Stuhlweißenburg
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Die Gemälde der Münchner Malerin Brigitte Yoshiko Pruchnow per Knopfdruck aus einem Automaten? Die Werke der Miesbacher Bildhauerin Lisa Mayerhofer präsentiert neben Cola-Dosen und Tomatensauce? Bei der Vermarktung ihrer Künstler geht die Galeristin Micol Krause (50) neue Wege – und verkauft deren Werke im Automaten „Schmankerlschrankerl“ des Cafés „Elisabeths Platzerl“ am Miesbacher Stadtplatz.

Frau Krause, wie kamen Sie auf die Idee, Kunst im Automaten zu verkaufen?

Während des Lockdowns hatten Künstler keine Möglichkeit, sich zu präsentieren, da Galerien geschlossen waren und Ausstellungen nicht stattfinden konnten. Deshalb habe ich andere Wege gesucht. Unter anderem habe ich einen Shop auf Instagram und Facebook eingerichtet, weil ich es super finde, per Paypal mit einem Wisch Kunst kaufen zu können. Das Pendant dazu in der realen Welt war die Pop-up-Galerie in der ehemaligen Jeanseria und jetzt eben der Automat. Kunstautomaten an sich sind ja nichts Neues. Aber die Kombination mit Elisabeths Schmankerlschrankerl, die ist einzigartig.

Die Galeristin Micol Krause

Sind Tafelspitz und Tiramisu ein angemessenes Umfeld für Kunst?

Natürlich! Das ist Seelenfutter – genau wie Kunst. Außerdem muss Kunst nicht immer auf dem hohen Ross daherkommen. Sie soll ruhig zugänglich sein.

Zum Schmankerlschrankerl geht man, um sich ein Mittagessen zu kaufen. Finden Werke für 50 Euro hier ihre Zielgruppe?

Durchaus. Die erste Serie von sechs Bildern, die Brigitte Yoshiko Pruchnow für den Automaten angefertigt hat, ist schon ausverkauft. Sie ist eine anerkannte Künstlerin, die international ausstellt. Ihre Bilder kosten normalerweise das Fünffache. Kunstinteressierte von außerhalb sind extra nach Miesbach gefahren, nachdem sie über Instagram erfahren haben, dass es Brigitte Yoshiko Pruchnows Bilder am Automaten gibt.

Warum war die Künstlerin mit dem niedrigen Preis einverstanden?

Ihr hat – genau wie Bettina Krugsperger, Lisa Mayerhofer und Katrin Hering – die Idee gefallen, etwas Freches und Unkonventionelles zu machen. Die Künstlerinnen haben ihre Werke extra für den Automaten angefertigt. Lisa Mayerhofer zum Beispiel hat die Serie „Kaffeegsatzl“ geschaffen. Das sind Fotografien von Kaffeesatz, die sie zu Objektbildern gemacht hat. Alle Serien mit jeweils sechs Bildern haben den gleichen Rahmen und das gleiche Format. Es orientiert sich an der Größe einer Schachtel Calvin-Klein-Unterwäsche (lacht).

Wieso das denn?

Als ich Elisabeth gefragt habe, ob wir in ihrem Automaten verkaufen dürfen, war sie sofort einverstanden. Sie ist für unkonventionelle Ideen zu haben. Die Frage war aber, wie wir die Bilder in die Spiralen des Automaten kriegen. Vor allem Lisa Mayerhofer ist eigentlich für großformatige Werke bekannt. Elisabeth, die ja schon Unterwäsche von der benachbarten Wäschetruhe im Automaten verkauft hat, drückte mir eine Schachtel Calvin-Klein-Unterwäsche in die Hand und sagte: „Dieses Format funktioniert am besten.“

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