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Auf der Suche nach kreativen Unternehmern: (v.l.) Sabine Moser, Daniela Ruffing, Dorien Meima-Schmid und Florian Brunner wollen den leer stehenden Laden im Moserhaus in Miesbach mit einem Popupstore beleben.

Produktpioniere für neues Projekt gesucht

Laden im Miesbacher Moserhaus wird zum Pop-Up-Store

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Miesbach - In den leer stehenden Laden im Moserhauses am Miesbacher Stadtplatz kehrt wieder Leben ein – zumindest für vier Wochen. Am 16. Februar öffnet hier der „erste Pop-Up-Store“ des Oberlands.

Ihre Produkte sind innovativ, kreativ und haben das Zeug zum Verkaufsschlager. Eine flache Trinkflasche, die in jede Jackentasche passt. High-Heels mit höhenverstellbaren Absätzen. Eine Brotbackmischung aus rein veganen Zutaten. Die Ideen von jungen Unternehmensgründern sind nahezu unbegrenzt. Was ihnen oft fehlt, ist eine Plattform, diese von ihren Hinterhofmärkten hinaus in die Welt zu tragen. „Das Internet alleine reicht dazu nicht aus“, sagt Daniela Ruffing.

In ihrer Bachelorarbeit zum Thema „Kreative Räume“ hat die Studentin der Sozialwissenschaft und Geografie untersucht, wie sich „Produktpioniere“ einem breiteren Publikum präsentieren können. Den dazu passenden Praxisversuch startet die Praktikantin der Standortmarketinggesellschaft (SMG) Landkreis Miesbach nun im Herzen der Kreisstadt. Vom 16. Februar bis 11. März öffnet der leer stehende Laden im Moserhaus am Stadtplatz seine Türen für die sogenannten Startups. Vier Wochen lang können diese „im ersten Pop-Up-Store“ des Oberlands auf 230 Quadratmetern und in acht Schaufenstern ihre originellen Produkte ausstellen – und natürlich auch verkaufen. Von Donnerstag bis Samstag, jeweils von 10 bis 18 Uhr, können die Kunden durch das bunte Angebot stöbern und dabei mit den kreativen Köpfen ins Gespräch kommen.

Die Idee des „Pop-Up-Store“ – frei übersetzt ein Laden, der spontan eröffnet und nach kurzer Zeit wieder zusperrt – haben Ruffing und ihre Praktikantenkollegin Mara Blaser aus München mitgebracht. Dort durften im November 16 Startups aus den Bereichen Mode, Kunst, Design oder Literatur zwei Wochen lang einen Laden an der Maximilianstraße bespielen. „Direkt neben dem Gucci-Store“, sagt Ruffing. Nicht nur für die Aussteller, sondern auch für die Kunden eine willkommene Abwechslung zwischen all den großen Luxusmarken.

Auch wenn der Miesbacher Stadtplatz nicht mit der Münchner Maximilianstraße konkurrieren kann: SMG-Regionalmanager Florian Brunner bescheinigt dem Laden im Moserhaus eine „hohe Standortqualität“. Noch viel entscheidender ist für ihn die Besitzerin: „Es braucht Leute, die hinter so einer Idee stehen“, sagt Brunner. „Ein Pop-Up-Store wirft keine eine hohe Miete ab.“ In Sabine Moser, die bekanntlich vor kurzem den ersten Miesbacher Coworking-Space im Dachgeschoss ihres Hauses eröffnet hat und ein Herz für die Kreativbranche mitbringt, scheint die SMG die perfekte Partnerin gefunden zu haben.

Seit zwei Jahren bemüht sich Moser, die Verkaufsfläche wieder langfristig zu beleben – am liebsten mit einem Biomarkt, wie sie verrät. Bis es so weit ist, gebe es aber noch einige Hürden zu überwinden. „Da ist es doch schön, wenn sich zumindest zwischenzeitlich mal was rührt“, sagt Moser. Pacht verlangt sie von den Produktpionieren nicht. „Wir verhandeln gerade noch über die Nebenkosten“, meint sie schmunzelnd. Der Verkaufserlös gehe aber selbstverständlich an die Startups.

Dass diese überhaupt in Miesbach ihre Tresen aufbauen, dafür sorgt Dorien Meima-Schmid. Die Marketingexpertin ist seit November selbstständig und kümmert sich nun um die Akquise für den Pop-Up-Store. „Wir sind aktuell mit 13 Startups im Gespräch“, berichtet Meima-Schmid. Etliche davon seien im Landkreis Miesbach beheimatet, die anderen im Raum Rosenheim und München. Mit ins Moserhaus bringen bräuchten diese eigentlich nur ihre Produkte und eine kleine „Startgebühr“. Für Kassensystem, Tresen und Regale sorgen die Organisatoren. „Es kann natürlich jeder seine Ecke selbst einrichten und dekorieren“, sagt Meima-Schmid.

Vor allem eines ist den Organisatoren von „Startups and more“ wichtig: Der Laden soll weder wie ein Flohmarkt, noch wie eine Kunstausstellung wirken. Vielmehr geht es um den Austausch von Ideen. Nicht nur zwischen den Produktpionieren selbst, sondern auch in ihrem Gespräch mit den Kunden. „Sie wünschen sich ein direktes Feedback für ihre Kreationen“, sagt Meima-Schmid. Für den „Erlebnischarakter“ sollen Aktionen wie Bierverkostungen oder ein regelmäßiger Mittagstisch sorgen.

All das ist für die SMG nicht nur ein Symbol im Kampf gegen den Leerstand in den Innenstädten, sondern auch die Botschaft, dass der Boom des Interneteinkaufs nicht zwangsläufig das Ende der traditionellen Ladengeschäfte bedeutet. „Jeder Trend“, sagt Brunner, „hat auch einen Gegentrend.“

Interessierte Startups

können sich bei Daniela Ruffing unter 0 80 25 / 9 93 72 25 sowie per Mail an office@smg-mb.de melden. Weitere Infos gibt es auch bei Facebook unter dem Suchbegriff„@startupsandmore“.

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