1. Startseite
  2. Lokales
  3. Miesbach
  4. Miesbach

Immer mehr Lamas und Alpakas grasen im Oberland

Erstellt:

Von: Bettina Stuhlweißenburg

Kommentare

Mit Alpakas: Karin Hatzl bietet den Gästen des Hofes „Zum Hausmann“ in Kreuth verschiedene Veranstaltungen mit Alpakas - von der Wanderung bis hin zu Yoga.
Mit Alpakas: Karin Hatzl bietet den Gästen des Hofes „Zum Hausmann“ in Kreuth verschiedene Veranstaltungen mit Alpakas - von der Wanderung bis hin zu Yoga. © Thomas Plettenberg
Mit Lamas: Die Münchnerin Elisabeth Hanus hält in Agatharied Lamas und Alpakas
Mit Lamas: Die Münchnerin Elisabeth Hanus hält in Agatharied Lamas und Alpakas © Thomas Plettenberg

Sanfte Kulleraugen, weiches Fell: Immer mehr Lamas und Alpakas grasen auf den Weiden des Oberlands. Für viele Hofbesitzer ist die Haltung der südamerikanischen Tiere inzwischen zum zweiten Standbein geworden.

Landkreis – Wer von Rottach-Egern nach Kreuth fährt, sieht die grünen Wiesen des Bayerischen Voralpenlandes, Kühe – und linker Hand Alpakas. Ein überraschender Anblick. Vermutet man die domestizierte Kamelart doch eher in den Anden als am Tegernsee. Vor neun Monaten hat Karin Hatzl die Alpakas auf dem „Zum Hausmann“-Hof ihrer Familie in Kreuth angesiedelt. Die 27-Jährige steht in Gummistiefeln im weitläufigen Gehege ihrer fünf Alpaka-Wallache, Fridolin (1) knabbert an ihrem Ärmel. „Das Schöne ist, dass sie so zutraulich sind, man kann sie streicheln“, sagt Hatzl.

Alpakas als Attraktion

Ende 2020 hat ihre Familie die Milchviehwirtschaft aufgegeben – Alpakas weiden jetzt das Grünland der Kühe ab. Abgesehen von der Rinderzucht, die die Hatzls noch haben, setzt der Hof inzwischen auf den Tourismus. Schließlich ist Juniorchefin Karin Hatzl Hotelfachfrau. Zehn Jahre hat sie im Ausland gearbeitet, zuletzt war sie Assistent Manager in einem Luxushotel in Abu Dabi. Dann kam Corona.

Für Hatzl ist klar: „Wenn ich den Hof übernehme, würde ich gern einen anderen Weg einschlagen als den der Milchviehwirtschaft.“ Die Alpakas sind Teil ihres Konzepts, Urlaub auf dem Bauernhof und Events für Ausflügler und Einheimische anzubieten: Hatzl veranstaltet Alpaka-Wanderungen, Glühwein-Ausschank mit Alpakas – und Alpaka-Yoga. „Die Tiere haben eine entspannende Wirkung.“ Hatzl hat ihre bei einem Züchter gekauft, der auf ein zutrauliches Wesen achtet, damit sie sich für die Arbeit mit Menschen eignen. Denn von Natur aus sind Alpakas keine Kuscheltiere.

Hatzl ist nicht die einzige Halterin sogenannter Neuwelt-Kamele im Landkreis: Nach Angaben des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) gibt es acht Alpaka- und Lamahalter mit insgesamt 121 Tieren im Kreis Miesbach, darunter auch Züchter. 2015 waren es nur fünf Halter mit insgesamt 69 Tieren. „Die meisten Halter machen das im Nebenerwerb“, erklärt Peter Nawroth, Bereichsleiter Landwirtschaft beim AELF. Viele spezialisierten sich auf den Sektor Erlebnis-Bauernhof. „Sie wollen eine Attraktion für ihre Gäste haben.“

Lamas als Rasenmäher

Außerdem dienten die Tiere gewissermaßen als Rasenmäher: „Die Halter haben Grünland, das gepflegt werden muss.“ Alpakas und Lamas könnten auch steile Flächen effektiv abweiden und machten weniger Trittschäden als Kühe. „Sie wiegen ja nicht so viel“, sagt Nawroth. Außerdem sind sie Schwielensohler, haben keine Hufe.

Woll-Lieferanten

Ein weiterer Aspekt ist laut Nawroth die Wolle. „Sie ist sehr begehrt, weil sie einen hohen Tragekomfort bietet.“ Auch Hatzl lässt aus der Wolle ihrer Alpakas Bettdecken, Schals und Handschuhe herstellen, um sie zu verkaufen. Wirtschaftlich betrachtet ist das allerdings Nebensache – nur zehn Kilo verwertbare Wolle gewinnt sie jährlich mit ihren fünf Alpakas.

Tiergestützte Therapie

Desweiteren kommen die Tiere laut Nawroth in der tiergestützten Pädagogik und Therapie zum Einsatz. „Die Tiere sind sehr ruhig, wenn sie an Menschen gewöhnt sind und eignen sich daher.“

Eine, die diese Wirkung kennt, ist die Münchnerin Elisabeth Hanus. Jedes Wochenende kommt die 56-Jährige nach Agatharied, wo sie ihre zwei Lamas und fünf Alpakas im Berghof eingestellt hat – das Haus bietet Gästezimmer für Mensch und Tier. Eine Art Lama-Pension. Hanus erlitt vor einigen Jahren einen Burnout mit Depression. „Vier Jahre lang konnte ich nicht arbeiten und habe keine Möglichkeit gesehen, wieder in meinen Beruf zurückzukehren“, erzählt die Erzieherin. Bis sie begann, mit Lamas zu wandern. „Nach einem viertel Jahr war ich wieder in der Lage, zu arbeiten.“ Die Ausstrahlung der Tiere sei so friedvoll. Mit ihnen in der Natur zu wandern entschleunige. „Man kommt zu sich, die Belastungen des Alltags fallen ab.“

Lamas als Haustiere

Hanus hält ihre Herde, wie andere ein Haustier halten: Es macht ihr einfach Freude. Wanderungen veranstaltet sie nur im Nebenerwerb. Sie kennt ihre Tiere genau: „Mein Lama Ava zum Beispiel ist ein Tier vom neuen Schlag, ein Kuscheltier. Sie kommt, um gestreichelt zu werden.“ Das liege daran, dass viele Züchter darauf achteten, dass die Tiere dem Menschen zugetan seien.

Dagegen sei ihr Lama Quilaila ein Tier vom alten Schlag. „Sie lässt sich nicht gern anfassen, so wie es der eigentlichen Natur der Tiere entspricht.“ Hanus hat ihrer Quilaila den Spitznamen „Queen Laila“ gegeben. „Das entspricht ihrem Selbstverständnis und ihrem Status in der Herde.“ Queen Laila sei ernsthaft, schaue bei Wanderungen aufmerksam nach vorne, um Gefahren zu erkennen. „Sie macht unbeirrbar ihre Arbeit.“ Wie die Queen.

Strenge Auflagen

Ob der Lama- und Alpakatrend anhält? Immerhin müssen Halter strenge Auflagen erfüllen. Sie müssen unter anderem mindestens 1000 Quadratmeter Weidefläche für die ersten beiden Tiere bieten, für jedes weitere Tier zusätzliche 200 Quadratmeter, wie Karin Hatzl erklärt. Sie hat sich in Kursen auf die Tiere vorbereitet – das Veterinäramt verlangt einen Sachkundenachweis. „Alpakas sind zeitintensiv“, sagt Hatzl. „Man muss sie beobachten, weil sie nicht offensichtlich zeigen, wenn sie ein Problem haben.“ Und doch will sie die Tiere nicht mehr missen. „Sie sind Zuckerpuppen, ich kümmere mich gern um sie.“ Hatzl hofft, das landwirtschaftliche Anwesen ihrer Familie mithilfe der Alpakas als Erlebnis-Bauernhof zu positionieren. „Ob’s funktioniert, wissen wir nicht. Wir probieren es aus, danach sind wir schlauer.“

Lamas und Alpakas

Lamas und Alpakas unterscheiden sich äußerlich durch ihre Ohren: Lamas haben bananenförmige, die von Alpakas erinnern an Speerspitzen.

Lamas gelten als kooperativer, Alpakas als eigenständiger im Denken. „Würde man sie mit Hund und Katze vergleichen, wären Lamas Hunde, Alpakas Katzen“, erklärt Elisabeth Hanus, die auf ihrer Webseite www.tieren-begegnen.de, Fragen rund um die Tiere beantwortet.

Beide stammen von südamerikanischen Wildkamelarten ab. Lamas werden in ihrer Heimat als Lastenträger genutzt, eignen sich aber nicht zum Reiten, da sie höchstens 30 Kilo tragen können. Alpakas werden wegen ihrer feinen Wolle gehalten. Sie sind Herdentiere, kennen aber keine soziale Körperpflege. Jungtiere kuscheln sich nur im ersten Jahr an ihre Mutter, danach findet kein Körperkontakt mehr statt. Deshalb mögen sie auch nicht gern gestreichelt werden – sie dulden es aber, wenn sie daran gewöhnt sind. Inzwischen werden die Tiere auch dahingehend gezüchtet. Ihre Lebensweise ist dem Klima im Oberland angepasst.

Wanderungen bieten neben Hanus und Hatzl (www.zumhausmann.de) auch die Mangfall-Lamas (www.mangfall-lamas.de) aus Agatharied sowie die Mesner-Alpakas (www.mesner-alpakas.de) aus Fischbachau an.

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Miesbach-Newsletter.

Auch interessant

Kommentare