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Wünschen sich neue Mitglieder: (v.l.) Eberhard Bode, Präsident Lions Club (LC) Miesbach-Holzkirchen, Crista Zecher, Präsidentin LC Gmund-Oberland, Christoph Seidenfus, Past-Präsident LC Miesbach-Holzkirchen, und Kurt Baiker, Mitgliedsbeauftragter LC Am Tegernsee, wollen die Arbeit der Lions im Landkreis transparenter machen.

100 Jahre Lions International

Landkreis-Lions im Interview: „Wir sind kein Geheimbund“

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Seit 100 Jahren engagieren sich die Mitglieder der Lions Clubs (LC) für soziale Zwecke. Im Interview stellen die Landkreis-Clubs ihre Arbeit vor. Mitmachen kann übrigens jeder.

Landkreis – Die Löwen feiern runden Geburtstag. Seit 100 Jahren engagieren sich die Mitglieder der Lions Clubs (LC) für soziale Zwecke. Heute umfasst die selbsterklärte „weltweit größte Serviceorganisation“ mehr als 1,4 Millionen Mitglieder in fast 47 400 Clubs. Drei davon kümmern sich um den Landkreis Miesbach: der LC Am Tegernsee, der LC Gmund-Oberland und der LC Miesbach-Holzkirchen (siehe unten).

Den Schwung des internationalen Jubiläums wollen die Landkreis-Lions nutzen, um ihre Arbeit transparenter zu machen – und damit neue Mitglieder zu gewinnen. Den Auftakt machte ein Gespräch zwischen Crista Zecher (71, Präsidentin LC Gmund-Oberland), Eberhard Bode (75, Präsident LC Miesbach-Holzkirchen), seinem Vorgänger Christoph Seidenfus (59) und Kurt Baiker (77, Mitgliedsbeauftragter LC Am Tegernsee) mit unserer Zeitung.

-Wie kommt es, dass sich eine Gemeinschaft mit 100-jähriger Geschichte und mehr als 1,4 Millionen Mitgliedern Gedanken um ihren Bekanntheitsgrad machen muss?

Seidenfus: Das liegt schlicht und einfach daran, dass die Lions lange Zeit keine echte Öffentlichkeitsarbeit gemacht haben. Das ist schade, weil dadurch kaum jemand etwas von unseren vielen Aktivitäten und Projekten mitbekommen hat. Bis heute werden wir von den meisten Leuten nicht als Serviceorganisation wahrgenommen, sondern eher als elitärer Zirkel oder sogar Geheimbund. Genau das sind wir natürlich nicht.

-Sondern?

Baiker: Ein Freundeskreis, der Gutes tut. Das steckt ja schon in unserem Motto „We serve“, zu deutsch „Wir dienen.“ Da spielen Dinge wie Beruf, Politik oder Religion keine Rolle. Bei uns ist jeder willkommen, der sich engagieren will. Je mehr wir sind, umso mehr können wir bewegen.

Zecher: Deshalb müssen wir rausgehen und die Leute ansprechen. Mit unserem Schülerzeitungsprojekt treten wir als LC Gmund-Oberland bereits an die Kinder heran und erklären ihnen, was Helfen für uns bedeutet. Über die Zeitung können wir möglicherweise auch die Eltern erreichen.

-Es gibt also einen Nachwuchs-Mangel bei den Lions im Landkreis?

Bode: Es ist schon so, dass die meisten unserer Mitglieder über 50 Jahre alt sind. Das liegt aber in der Natur der Sache. Wer sich engagieren will, braucht auch die Zeit dazu. Das fällt leichter, wenn man beruflich nicht mehr ganz so stark im Geschirr hängt. Nur mit Geldspenden ist es bei den Lions nämlich nicht getan.

-Das bedeutet?

Baiker: Dass wir keine Scheckbuchactivity machen, sondern persönlichen Einsatz erwarten. Keines unserer Mitglieder muss eine bestimmte Summe zur Verfügung stellen. Lieber ist uns, wenn sich die Leute in unseren Stand auf dem Weihnachtsmarkt stellen oder Kisten für den Büchermarkt schleppen.

Seidenfus: Wobei man sich beim Spendensammeln schon auch die Hacken ablaufen kann.

-Wie offen sind denn da die Türen im Landkreis?

Baiker: Also beim „Betteln“ um Sachspenden für die Tombola bei unserem Golfturnier sind wir eigentlich immer ziemlich erfolgreich. Da zahlt es sich schon aus, wenn man ein gutes Netzwerk hat.

Bode: Ein Netzwerk für soziale Zwecke, wohlgemerkt. Keines, wovon wir Mitglieder wirtschaftlich profitieren. Lions helfen ohne Gegenleistung.

Zecher: Aber wir prüfen schon genau, bevor wir etwas spenden.

-Nach welchen Kriterien?

Seidenfus: Zuerst geht es uns darum, dass wir keine eigentlich staatlichen Unterstützungsaufgaben übernehmen wollen. In solchen Fällen überweisen wir kein Geld, sondern setzen uns bei den zuständigen Stellen für eine schnelle und gute Lösung ein.

Baiker:Manchmal sagen wir aber auch mal „Nein“. Wenn wir zum Beispiel einer bedürftigen Familie zu Weihnachten ein Geldgeschenk vorbeibringen und der Vater steht mit einer Alkoholfahne in der Tür.

Zecher: Oder wenn Langzeitarbeitslose mehrfach Jobs nicht annehmen. Da tun wir uns schwer, mit Spenden zu helfen. Wir wünschen uns schon eine gewisse Eigenbeteiligung.

-Bleiben da in einem wohlhabenden Landkreis überhaupt noch genug Begünstigte übrig?

Bode: Auf jeden Fall. Wir haben stets mehr Anfragen als Geld, was wir letztlich ausgeben können.

Baiker: Über unsere Kontakte zu Kirchen und Sozialamt kommen wir an Leute heran, die wir sonst nicht erreichen würden.

Seidenfus: Trotzdem sind Einzelschicksale nur eine Säule unserer Aktivitäten. Jeder Club hat auch mehrere Projekte, die er regelmäßig unterstützt. Beim LC Miesbach-Holzkirchen sind das zum Beispiel der Kinderhort Miesbach, die Babysprechstunde des Kinderschutzbunds oder der Kinder- und Jugendchor Holzkirchen. Und dann gibt es noch die internationalen Hilfsaktionen, an denen wir uns über die Mitgliedsbeiträge beteiligen.

-Bei all dem ehrenamtlichen Engagement: Profitieren denn auch die Lions selbst von ihrem Club?

Seidenfus: Selbstverständlich. Über den Club ist man in ein rühriges Netzwerk aus aufgeschlossenen und interessierten Leuten eingebunden. Bei unseren Treffen beschäftigen wir uns immer wieder mit neuen, spannenden Themen. Auch Ausflüge und Vorträge gehören zu unserem Programm.

Baiker: Weil unsere Präsidenten jedes Jahr wechseln, gibt es regelmäßig neue Impulse. Jeder ist aufgerufen, seine Stärken und Interessen einzubringen.

Zecher: Dadurch lernt man auch selbst laufend dazu. Seit 2015 bin ich im LC Gmund-Oberland und nun zum ersten Mal Präsidentin. Mit der Unterstützung der erfahrenen Mitglieder fühlt man sich nicht allein gelassen.

-Gilt das auch für die Zusammenarbeit mit anderen Clubs?

Bode: Klar! Wir pflegen ein freundschaftliches Verhältnis und laden uns gegenseitig zu Veranstaltungen ein.

Zecher: Es gibt auch keine Konkurrenz zwischen den Clubs. Wenn wir zum Beispiel von einem Hilfsbedürftigen aus einem anderen Distrikt erfahren, kontaktieren wir zuerst den zuständigen Club, bevor wir in irgendeiner Weise tätig werden.

Seidenfus:Umgekehrt ist man als Lion bei allen Clubs weltweit ein gern gesehener Gast. Bei meinen Reisen habe ich da schon den einen oder anderen inspirierenden Abend erlebt. Gerade in den USA sind die Lions in der Öffentlichkeit viel präsenter als hierzulande. Genau da wollen wir aber im Landkreis auch hinkommen. Nur so können wir neue Leute für eine Mitgliedschaft bei den Löwen begeistern.

Alles Wissenswerte zu den Lions

Der Lions-Gedanke stammt ursprünglich aus den USA. Der Kaufmann Melvin Jones aus Chicago gründete 1917 den ersten Club. Der Name Lions leitet sich dabei nicht vom Tier Löwe ab, sondern ist eigentlich eine Abkürzung von „Liberty Intelligence our Nations Safety“, oder, in der deutschen Version „Leben ist ohne Nächstenliebe sinnlos“. 1948 wurde der erste europäische Club in Stockholm gegründet, vier Jahre später der erste deutsche in Düsseldorf. Seit 60 Jahren gibt es mit den Leo-Clubs zudem eine eigene Organisation für junge Menschen von 16 bis 30 Jahren, erst 30 Jahre später durften auch Damen den Clubs beitreten. Mit mehr als 1,4 Millionen Mitgliedern in rund 47 400 Clubs sind die Lions heute die größte Nichtregierungsorganisation der Welt. Sie verstehen sich selbst als „weltweit größte Serviceorganisation“ unter dem Motto „We serve“, zu deutsch „Wir dienen“.

Die Präsidenten der Clubs wechseln jährlich. In ihren „Activitys“ – also den Aktivitäten und Projekten – sind sie selbstständig. Lediglich die finanzielle Beteiligung an den internationalen Projekten – darunter etwa das weltweite Hilfsprogramm „SightFirst“ gegen vermeidbare Blindheit – ist verpflichtend. Gut 60 Prozent der Mitgliedsbeiträge in Höhe von rund 200 Euro jährlich wird dorthin abgeführt, den Rest können die Clubs selbst verteilen.

Der älteste der drei Landkreis-Clubs ist der LC Am Tegernsee. Er wurde 1962 in Wildbad-Kreuth gegründet und hat heute 47 Mitglieder. Präsident ist Gerhard Kainz, der jährliche Erlös der Activitys wie Golfturnier, Weihnachtsgrußkarten und Verkaufsstände auf Festen und Märkten beträgt rund 50 000 Euro. Das Geld kommt im Landkreis unter anderem dem Projekt Schulschach und dem therapeutischen Reiten auf dem Straußenhof in Waakirchen zugute. Interessenten können sich beim Mitgliederbeauftragten Kurt Baiker (kurt.baiker@t-online.de) melden.

Der LC Miesbach-Holzkirchen wurde 1998 gegründet und zählt aktuell 21 Mitglieder. Spendengelder akquirieren diese aus zwei großen Bücherflohmärkten. Sie fließen regelmäßig an den Kinderhort und den Kinderschutzbund Miesbach. Auch der Jugendchor Holzkirchen profitiert. Weitere Informationen erteilt Präsident Eberhard Bode unter eberhard.bode1@gmx.de.

Der jüngste Lions Club im Landkreis ist der LC Gmund-Oberland. Er wurde 2003 gegründet und hat aktuell 27 Mitglieder, wobei der weibliche Anteil überwiegt. Das Team um Präsidentin Crista Zecher engagiert sich unter anderem für den Verein Knochenmarkspenden und für die Palliativstation des Krankenhauses Agatharied. Auch ein Sponsoring der Musikschulen ist geplant. Die notwendigen Spendengelder sammeln die Mitglieder mit ihrer jährlichen Adventskalenderaktion sowie beim weihnachtlichen Schlossmarkt in Tegernsee. Wer sich selbst engagieren möchte, kann sich an Crista Zecher (crista_zecher@gmx.de) wenden.

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