Im Kreistag stellte sich der neue Kreisbehindertenbeauftragte Gerhard Henrikus (vorne l.) kurz vor. Landrat Olaf von Löwis (r.) würdigte Henrikus’ Vorgänger Anton Grafwallner, der selbst nicht an der Sitzung teilnahm. Foto: Landratsamt
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Im Kreistag stellte sich der neue Kreisbehindertenbeauftragte Gerhard Henrikus (vorne l.) kurz vor. Landrat Olaf von Löwis (r.) würdigte Henrikus’ Vorgänger Anton Grafwallner, der selbst nicht an der Sitzung teilnahm.

Gerhard Henrikus folgt auf Anton Grafwallner

Landkreis hat neuen Behindertenbeauftragten

  • Stephen Hank
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Der Landkreis hat einen neuen Behindertenbeauftragten. Gerhard Henrikus (64) aus Bayrischzell tritt die Nachfolge von Anton Grafwallner (72) aus Gmund an.

Landkreis ‒ Grafwallner hatte seinen Rückzug bereits für Ende April angekündigt, wegen eines geordneten Übergangs blieb er aber auf Bitten von Landrat Olaf von Löwis (CSU) noch bis Dezember im Amt. Henrikus hatte sich neben elf anderen um das Amt beworben, die Entscheidung traf der Kreisausschuss in nicht öffentlicher Sitzung. Im Kreistag stellte sich der gebürtige Saarländer jetzt den Kommunalpolitikern kurz vor. Henrikus arbeitet seit 1988 beim Gase- und Anlagenhersteller Linde in Pullach und ist dort inzwischen Konzernschwerbehindertenvertreter. Fürs neue Ehrenamt dürfte er also reichlich Erfahrung mitbringen.

„Er suchte den Kontakt zu den Entscheidern“

Im Landkreis tritt er in große Fußstapfen, wie Elisabeth Janner (Grüne) mit Blick auf den ausscheidenden Kreisbehindertenbeauftragten sagte. Grafwallner habe die sperrigen Begriffe Inklusion und Teilhabe mit Leben erfüllt. „Er war dafür ein Handelsreisender, suchte den Kontakt zu den Entscheidern“, sagte Janner in ihrer Würdigung.

Seit 1992 auf den Rollstuhl angewiesen

Zuvor hatte Landrat Löwis die Verdienste des Gmunders hervorgehoben. Grafwallner selbst nahm als Hochrisikopatient an der Sitzung nicht teil. Der 72-Jährige leidet seit seinem 30. Lebensjahr an Multipler Sklerose und ist seit 1992 auf den Rollstuhl angewiesen. 1999 hatte der Gmunder, der hauptberuflich als Verkehrsingenieur bei Siemens arbeitete, beim damaligen Landrat Norbert Kerkel die Bestellung eines Landkreis-Behindertenbeauftragten angeregt, die Stelle wurde im Kreistag zunächst aber nicht genehmigt. Die CSU-Kreisräte fühlten sich nicht ausreichend informiert. Als Grafwallner in einer darauf folgenden Bürgermeisterdienstbesprechung die Argumente umfassend und überzeugend darstellen konnte, erfolgten ein Stimmungswandel und im Sommer 2000 ein positiver Beschluss.

Startkapital aus Merkur-Aktion „Leser helfen Lesern“

Das Startkapital in Höhe von 220 000 Mark kam damals über die Aktion „Leser helfen Lesern“ der Heimatzeitung. In den folgenden 20 Jahren sammelte Grafwallner weitere rund 200 000 Euro. „Anton Grafwallner hat sich oft mit Arroganz und Ignoranz auseinandersetzen müssen, aber nie den Mut und auch seinen Humor verloren“, sagte Löwis, der seinen Dank explizit auch auf Grafwallners Ehefrau Anette ausweitete, die ihn in seiner ehrenamtlichen Tätigkeit über die Jahre tatkräftig unterstützt hatte. Schwerpunkt seines Einsatzes sei die Barrierefreiheit im Landkreis gewesen. Und noch etwas hat der Gmunder geschafft. Löwis: „In allen 17 Kommunen des Landkreises gibt es inzwischen Behindertenbeauftragte.“

sh

Lesen Sie auch: Der Kampf um die Barrierefreiheit bei der Bayerischen Regiobahn.

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