Mountainbiken, wie hier an der Aueralm in Bad Wiessee, wird immer beliebter. Um Konflikte zu vermeiden, will man versuchen, den Sport in Bahnen zu lenken.
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Mountainbiken, wie hier an der Aueralm in Bad Wiessee, wird immer beliebter. Um Konflikte zu vermeiden, will man versuchen, den Sport in Bahnen zu lenken.

Riesiges Interesse, reger Austausch

Online-Gespräch zum Thema Mountainbiken: Lenken, aber nicht die Freude vergällen

  • vonHeidi Siefert
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Mountainbiken liegt im Trend - und längst geht es nicht mehr nur ums Bergauffahren. Wie sich der Sport in Bahnen lenken lässt, ohne den Bikern die Freude zu nehmen, war jetzt Thema eines Online-Gesprächs.

Miesbach – Die Resonanz war gewaltig, der Diskussionsbedarf groß. Rund 130 Interessierte hatten sich zum Online-Gespräch zum Thema „Bergwald, Bike und Biotop – Ideen für nachhaltiges Mountainbiken im Oberland“ eingewählt, zu dem Hans Urban, forst- und jagdpolitischer Sprecher der Grünen im Bayerischen Landtag, eingeladen hatte. Tanja Brunnhuber, Expertin für Besucherlenkung, Mountainbike-Profi Nico Kölbl und Jörg Meyer, Leiter der Bayerischen Staatsforsten in Schliersee, erläuterten den Status Quo und skizzierten Möglichkeiten, eine boomende Fortbewegungsart in geordnete Bahnen zu lenken, ohne den Menschen die Freude daran zu vergällen.

Der Verkauf boomt: 80 Millionen Fahrräder in Deutschland

„Das Fahrrad als Freizeitinstrument ist in der Gesellschaft angekommen“, konstatierte Geographin Brunnhuber, die sich schwerpunktmäßig mit Besucherlenkung und Fahrrad-Tourismus beschäftigt. 80 Millionen Fahrräder habe es 2020 in Deutschland gegeben, davon 40 Prozent E-Bikes. 736.200 Räder fanden im vergangenen Jahr neue Besitzer, davon 80 Prozent mit Elektro-Antrieb. „Wir kaufen ganz freudig“, beschrieb sie die Stimmung. Das Radfahren, so die Lenggrieserin, die vormals in Otterfing lebte, müsse man größer und mit allen Facetten von Wertschöpfung bis Gesundheit betrachten.

Schottische Trailcenter als Vorbild für unsere Regionen?

Nicht für alles müsse man zwingend in die ohnehin stark frequentierten Berge, falls es attraktive Alternativen, etwa für Fahrtechnikschulungen, gebe. Exemplarisch stellte sie schottische Trailcenter vor. Ursprünglich entstanden, um übergewichtige Kinder aufs Rad und zum Sport zu bringen, seien sie heute etablierte Stützpunkte mit Verleihmöglichkeit, Tourenangebot und oftmals Gastronomie. In Tschechien, Skandinavien und Dänemark gebe es ähnliche Zentren.

Forstamtsleiter berichtet von Bemühungen, das Wegenetz auszuweiten

Darauf angesprochen, ob es auch hier denkbar wäre, sich ähnlich wie die schottischen Forstämter zu engagieren, reagierte Meyer zurückhaltend. Zwar sei die Idee gut und so etwas theoretisch denkbar. Dennoch sehe man es nicht als Hauptaufgabe der Staatsforsten, solche Projekte zu entwickeln. Meyer, bekennender Mountainbiker, der auch selbst gerne Trails fahre, berichtete von gemeinsamen Projekten mit der Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS), um das Wegenetz auszuweiten. Dazu gehöre auch ein Trail in der Langenau. Dabei müsse man die Ansprüche von Forst und Natur sowie der Erholungssuchenden, aber auch der verschiedenen Gruppen von Freizeitsportlern ausbalancieren.

Profi-Mountainbiker bietet seine Unterstützung an

Als Schnittstelle bot sich Downhiller Nico Kölbl an, der skizzierte, wie die technischen Möglichkeiten das Mountainbiken grundlegend veränderten. „Die Leute fahren nicht mehr nur rauf. Sie haben jetzt ganz andere Ansprüche“, meinte er. Darauf müsse man eingehen, denn ohne entsprechendes Angebot würden sich viele in ungeeignetes Terrain begeben.

Lesen Sie hier einen Bericht über den Mountainbike-Konflikt am Taubenberg

Nicht zuletzt die lebhafte, von viel Sachkenntnis getragene Diskussion im Chat bewog Urban schon früh, eine Fortsetzung des Dialogs in weiteren Webinaren anzukündigen.

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