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Die BOB muss zur Zeit viel Kritik einstecken - jetzt auch von Ex-Geschäftsführer Heino Seeger.

BOB-Debakel: Stimmen Sie ab!

Ex-BOB-Chef Seeger kann sich Rückkehr vorstellen

Landkreis - Unpünktliche Züge und ein wenig durchdachter Fahrplan: Die BOB muss zur Zeit viel Kritik einstecken. Jetzt spricht auch der Ex-Geschäftsführer Tacheles.

UPDATE 15:47 Uhr:Zwei Tage nach ihrer harschen Kritik an der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) hat die Bayerische Eisenbahngesellschaft das neue Qualitätsranking für den Regionalverkehr im Freistaat vorgelegt. Die BOB nimmt hier unverändert den 13. von 15. Plätzen ein. Immerhin: Seinen Punktwert hat das Bahnunternehmen steigern können – von minus 43,22 auf minus 37,61. Die Skala reicht von minus 100 bis plus 100. Den besten Wert verzeichnet die agilis Nord (86,51), die in Franken und der Oberpfalz fährt. Ganz hinten landete Kahlgrund (Raum Aschaffenburg, minus 83,02). In die Wertung fließen die Sauberkeit der Fahrzeuge, die Fahrgastinformationen im Regel- und Störfall, die Funktionsfähigkeit der Ausstattung sowie das Verhalten der Mitarbeiter ein. Bei kleineren Netzen wie der BOB beträgt der Erhebungszeitraum zwei Jahre, bei größeren nur eins. Erfüllt eine Bahn die Erwartungen der BEG, landet sie bei Null. Die Pünktlichkeit ist kein bewertetes Kriterium. Gerade die hatte die BEG an der BOB zuletzt bemängelt.

UPDATE 13:53 Uhr: Unser Voting läuft noch, doch schon jetzt zeichnet sich ein deutlicher Trend ab. Die User sind sich einig: Unter Ex-Geschäftsführer Heino Seeger war alles besser. 62,7 Prozent der Teilnehmer wollen Seeger als Geschäftsführer zurück. Nur 6,6 Prozent wollen den aktuellen BOB-Chefs noch eine Chance geben. Und: 30,7 Prozent ist das alles egal, sie fahren nämlich wieder lieber mit dem Auto.

Und wie reagiert Heino Seeger auf dieses Ergebnis? „Als ich die Umfrage gesehen habe, bin ich zusammengezuckt vor lauter Bescheidenheit“, sagt Seeger am Freitagvormittag in gewohnt ironischem Ton. „Dass man vermisst wird, ist immer schön“, fügt er hinzu, macht aber deutlich, dass dieser Wunsch vor allem von Veolia, dem Mutterkonzern der BOB kommen muss. Und von dieser Seite gab es noch keine Anfrage.

Seeger kann sich aber grundsätzlich schon vorstellen, zum Unternehmen zurückzukehren. „Denkbar wäre es.“ Ihm sei das Thema Bahn nämlich eine Herzensangelegenheit. Deshalb schmerzt ihn ein weiteres Ergebnis der Umfrage besonders: Über 30 Prozent der User ist die BOB inzwischen egal, sie nehmen lieber wieder das Auto. Seeger: „Das ist eine sehr schlechte Zahl.“

Ex-BOB-Geschäftsführer Heino Seeger: "Das tut mir in der Seele weh!"

Ein mehr als ungewöhnlicher Vorgang: Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) poltert ungefragt gegen die Bayerische Oberlandbahn (BOB) und droht mit Sanktionen, die über Strafzahlungen hinaus gehen. Damit es soweit kommt, muss schon viel im Argen liegen.

Da sind zum einen die Züge der Baureihe Talent. Die jetzt auf den BOB-Strecken fahrenden Exemplare sind nicht identisch mit denen, die das Unternehmen noch bis Dezember 2013 eingesetzt hatte. Vielmehr sind es Züge, die zuvor in Mecklenburg-Vorpommern unterwegs waren. Das schnelle Kuppeln und Flügeln, also das Zusammenschließen und Trennen einzelner Zugteile, beherrschen sie nicht so richtig. „Das ist seit 13 Jahren bekannt“, sagt Seeger. Erst jüngere Modelle, wie sie auch zwischen München und Alpen fuhren, seien dafür geeignet. Doch die Leasingverträge für diese Züge hat der Mutterkonzern der BOB, Veolia, nicht verlängert. Die Oldie-Talente fit fürs Oberland zu machen, „wird meiner Meinung nach viel technischen und finanziellen Aufwand kosten“, sagt Seeger.

Die jetzigen Probleme der BOB erinnern in fataler Weise an jene, die Seeger vorfand, als er Ende der 1990er-Jahre ins Oberland kam. Auch damals mussten er und seine Truppe den Zügen, in diesem Fall das Modell Integral, das Koppeln und Flügeln erst beibringen. Später führte die BOB das entwertbare Ticket ein. Seeger erklärt: „Das war der Wunsch der Fahrgäste: Sie wollten sich Tickets auf Vorrat kaufen und nicht in der Schlange stehen.“ Just das ist seit Dezember 2013 nicht mehr möglich. Darüber kann der Ex-Chef des Unternehmens nur den Kopf schütteln: „Ich muss eine Prozedur doch so gestalten, dass sie Fahrgast-freundlich ist.“

Dem Haushamer kommt es so vor, als ob bei der BOB zu viele Änderungen auf einmal vorgenommen wurden und der Blick fürs Detail verloren ging. Seeger leidet dabei mit den Zugführern und Schaffnern, die den Ärger abbekommen – die meisten davon kennt er persönlich. Geteilt wird die Kritik vom Fahrgastbeirat der BOB. Der Vorsitzende, Karl Ambrosius aus Bad Tölz, hat seit dem Fahrplanwechsel eine „dramatische Produktverschlechterung“ ausgemacht. So müssen zu bestimmten Zeiten die Fahrgäste in Holzkirchen umsteigen. Lästig sei das zum Beispiel abends, wenn man aus München zurück in Richtung Süden will. Dann gilt es nämlich, in Holzkirchen von Gleis 1 zu Gleis 4 zu wechseln, „und dort auch noch ganz nach vorne zu laufen“, schildert Ambrosius. „Für uns ist das aber inakzeptabel.“ Der Fahrgastbeirat habe beschlossen, deswegen bei der BEG vorstellig zu werden „und eine sofortige Rückkehr zum alten System zu fordern“.

Unterstützung kommt dabei vom Fahrgastverband „Pro Bahn“. Ambrosius hofft, eine Veränderung zu bewirken – so wie im Jahr 2010, als nach Protesten des Fahrgastbeirats und von „Pro Bahn“ eine Fahrplanlücke am späten Abend geschlossen und der viel zitierte „Theaterzug“ aus München ins Oberland wieder eingeführt wurde. Auch das Thema Verspätungen wurde laut Ambrosius im der Beiratssitzung angesprochen. „Ich selbst war vergangene Woche dreimal mit der BOB in München, dreimal war der Zug verspätet. Das ist nicht erbaulich.“ Doch Besserung ist dem Tölzer zufolge in Sicht. Geschäftsführer Kai Müller-Eberstein habe dem Beirat erläutert, dass drei von fünf neuen Talent-Zügen die Probleme mit dem Kuppeln hatten, bereits umgebaut seien. Dass die BOB derzeit wieder so stark in der Kritik steht, „schmerzt uns als Fahrgastverband natürlich“, sagt der Tölzer. Eine Haltung, die er mit Heino Seeger teilt.

Von Daniel Krehl

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