Wird ab April 2021 Heimat von 50 Landratsamtsmitarbeitern: das derzeitige Kreditcenter der Kreissparkasse im Manhartwinkl.
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Wird ab April 2021 Heimat von 50 Landratsamtsmitarbeitern: das derzeitige Kreditcenter der Kreissparkasse im Manhartwinkl.

Landkreis mietet Sparkassengebäude an

  • Stephen Hank
    vonStephen Hank
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Das Landratsamt expandiert: Ab 1. April mietet es im Miesbacher Manhartwinkl ein Gebäude der Kreissparkasse an. Im früheren Möbelhaus Schmid kommen 50 Mitarbeiter unter.

Miesbach – Die Anmietung ist Teil einer Gesamtstrategie, die in Zusammenhang mit dem Ersatzbau des Landratsamts steht. Das Landratsamt überarbeitet gerade die Pläne für seinen dringend benötigten Ersatzbau. Grund sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie. „Sie hat die Digitalisierung extrem beschleunigt“, sagte Kreiskämmerer Gerhard de Biasio im Kreistag. Das Thema Homeoffice beispielsweise müsse wesentlich stärker berücksichtigt werden, momentan arbeite ein Viertel der rund 430 Mitarbeiter zu Hause. „Gewisse Arbeitsplätze wird es wegen der Digitalisierung in dieser Form irgendwann auch gar nicht mehr geben“, erläuterte er. Im März möchte Biasio den Kreisgremien erste Vorschläge für einen deutlich verkleinerten Ersatzbau vorlegen. Ab 2025 sollen in dem Gebäude an der Riezlerstraße 160 Mitarbeiter unterkommen.

Fünf Jahre, in denen das Landratsamt Übergangslösungen benötigt. Denn noch steigt die Mitarbeiterzahl. Im Rahmen der Verabschiedung des Haushalts gaben Kreisausschuss (wir berichteten) und zuletzt der Kreistag grünes Licht für 30 neue Stellen. „Diese Mitarbeiter im Bestand unterzubringen, ist für uns ein riesiges Problem“, gestand Biasio. „Schon jetzt arbeiten 42 Mitarbeiter in Bürocontainern.“ In nicht öffentlicher Sitzung habe der Kreisausschuss deshalb vergangene Woche beschlossen, das Sparkassengebäude in der Stadtmitte anzumieten. „Es gibt keine Sonderkonditionen“, stellte Landrat Olaf von Löwis (CSU) klar. „Wir zahlen den ortsüblichen Preis von elf Euro pro Quadratmeter.“

Die Kreissparkasse räumt das Gebäude im Manhartwinkl zum 1. April. Derzeit ist dort das Kreditcenter untergebracht. „Auch wir überlegen gerade, wie wir unsere Flächen am besten verwerten“, berichtet Vorstandsvorsitzender Martin Mihalovits auf Nachfrage. Da viele der bestehenden Sparkassenfilialen in den Gemeinden räumlich nicht mehr ausgelastet sind, aber eben auch nicht so einfach zurückgebaut werden können, siedelt die Bank nun etliche Arbeitsplätze dezentral an. Die digitale Vernetzung macht’s möglich. Gebäude wie das im Manhartwinkl können somit als Ganzes vermietet werden und spülen Geld in die Kasse. „Es werden deshalb keine Stellen abgebaut“, versichert Mihalovits. Aber natürlich spiele das Thema Homeoffice auch bei der Kreissparkasse eine immer wichtigere Rolle.

Mit der Anmietung im Stadtzentrum verschafft sich der Landkreis Luft, um die nächsten Jahre zu überbrücken. Der Kreiskämmerer rechnet im Frühjahr 2022 mit der Baugenehmigung für den Ersatzbau. Anschließend werden das ehemalige Landwirtschaftsamt und die Landwirtschaftsschule abgerissen, an deren Stelle das neue Gebäude entsteht. Während der Bauphase müssen auch die momentan dort untergebrachten 44 Arbeitsplätze ausgelagert werden.

Ziel sei es, bis 2030 sämtliche Mitarbeiter im Hauptgebäude, im Ersatzbau und im ehemaligen Finanzamt an der Münchner Straße unterzubringen. „Die Satelliten wollen wir dann sukzessive aufgeben“, sagte Biasio. Derzeit ist das Landratsamt auf acht Gebäude in der Kreisstadt verteilt, ab April dann sogar auf neun.

„Es ist viel in Bewegung“, stellte Paul Fertl (SPD) im Kreistag fest. „Es wäre wichtig, die Politik wieder ins Geschehen einzubeziehen.“ Fertl warnte vor einer zu hohen Kostensteigerung bei der Planung für den Ersatzbau. Auch Robert Wiechmann (Grüne) wünschte sich eine stärkere Einbindung und die Wiederbelebung der Arbeitsgruppe für den Ersatzbau. „Es läuft alles transparent“, versicherte Landrat Löwis. „Wir wollen eine Lösung, die von allen mitgetragen wird.“

sh

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