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Hier sind die Grundstückspreise am stärksten gestiegen: Unsere Tabelle zeigt – in absteigender Reihenfolge – wo sich der Bodenrichtwertindex von 2010 bis 2016 am meisten erhöht hat. Der Ausgangswert ist auf 100 festgelegt.

Neue Bodenrichtwerte veröffentlicht

Landkreis-Tabelle: Hier steigen die Grundstückspreise besonders schnell

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Die Grundstückspreise im Landkreis steigen weiter – immer höher und immer schneller. Die neuen Bodenrichtwerte sprechen eine deutliche Sprache. Die Bürgermeister sind besorgt.

Landkreis – Viele träumen davon, nur wenige können es sich wirklich leisten: Ein Eigenheim auf dem Land gehört nach wie vor zu den großen Lebenszielen – gerade von Familien. Beim Blick auf die Grundstückspreise mutet der Wunsch nach den eigenen vier Wänden für Normalverdiener im Landkreis heutzutage jedoch eher wie ein Luftschloss an. Und das Gefühl täuscht nicht. Tatsächlich sind die Preise seit 2010 in allen 17 Städten und Gemeinden stark angestiegen, seit 2014 sogar noch deutlich schneller als zuvor. Die neuen Bodenrichtwerte, die der Gutachterausschuss für Immobilienwerte im Landkreis Miesbach kürzlich veröffentlicht hat, sprechen für sich (siehe Tabelle).

So entstehen die Bodenrichtwerte

Jeweils gut 1200 Notarurkunden hat das unabhängige Gremium, das sich aus Angehörigen der Kreisbehörde, ehrenamtlichen Gutachtern sowie Vertretern von Finanz- und Vermessungsamt zusammensetzt, 2015 und 2016 analysiert. Jeder getätigte Kauf wurde in zwei Stufen anonymisiert, nachrecherchiert, bewertet und statistisch ausgewertet. Daraus ergaben sich dann die so genannten Bodenwerte, die als Richtwerte für ein durchschnittliches, baureifes Grundstück innerhalb der betreffenden Zone in einer Gemeinde gelten.

„Sie entstehen also auf der Grundlage der tatsächlichen Verkäufe, objektiv und sachverständig ermittelt und veröffentlicht“, teilt die Geschäftsstelle des Gutachterausschusses am Landratsamt Miesbach mit. Nutzen sollen sie nicht nur Banken, Versicherungen und dem Finanzamt bei Grundstücksbewertungen, sondern auch Wirtschaftsunternehmen bei Standortentscheidungen und Bürgern bei Immobilienkäufen sowie Erbschaften und Überlassungen. Ziel ist laut Gutachterausschuss, für Markttransparenz zu sorgen.

So entwickeln sich die Preise

Das aktuelle Zahlenwerk lässt nur einen Schluss zu: Der Preissog reicht immer weiter nach oben – und das immer schneller. Die Bodenrichtwerte für mittlere Wohnbauflächen im Landkreis liegen 2016 um 37 Prozent höher als 2014. Zum Vergleich: Von 2012 auf 2014 war es „nur“ ein Plus von 18 Prozent. Neu ist laut Gutachterausschuss auch, dass der Markt stärker differenziert. Schwankten die Bodenrichtwertindizes 2013 noch zwischen 115 Punkten in Warngau und 128 in Gmund, setzten sich 2016 die Gemeinden Bad Wiessee (195), Rottach-Egern (190), Gmund (182) und Holzkirchen (178) deutlich vom Hauptfeld ab. Doch auch in Bayrischzell (145), Weyarn (153) und Miesbach (155) mussten die Bürger seit 2010 Preissteigerungen von teils deutlich mehr als 45 Prozent verkraften.

So reagieren die Rathäuser

In den Rathäusern verfolgt man die Entwicklung mit Sorge. „Wir waren schon entsetzt angesichts dieser Steigerungen in so kurzer Zeit“, sagt Holzkirchens Zweite Bürgermeisterin Elisabeth Dasch. Angesichts der Niedrigzinsphase seien diese zwar nicht überraschend, aber trotzdem sehr bedenklich. Gerade junge Holzkirchner würden durch Quadratmeterpreise von bis zu 1200 Euro gezwungen, der Gemeinde den Rücken zu kehren. „Das schadet dem gesamten Ort“, meint Dasch. Die Vereine würden engagierte Mitglieder verlieren, die Firmen ortsansässige Mitarbeiter. Um diesem Trend entgegenzuwirken, setzt die Gemeinde auf kommunalen Wohnungsbau. „Damit können wir mehr Leute beglücken als mit Einfamilienhäusern“, erklärt die Zweite Bürgermeisterin.

Noch brisanter ist die Preissituation im Tegernseer Tal. Bodenrichtwerte von 2900 Euro pro Quadratmeter in Seeufer- oder Hanglagen werden laut Gutachterausschuss in der Praxis sogar übertroffen. „Das Tal ist immer attraktiver geworden“, sagt Rottach-Egerns Bürgermeister Christian Köck. In seiner Gemeinde hat sich der Bodenrichtwertindex seit 2010 fast verdoppelt. Man könne niemandem verwehren, sich hier häuslich niederzulassen, sagt der Bürgermeister. Zumal es meist Einheimische seien, die ihre Grundstücke – ein laut Köck oft über Generationen aufgebautes „Faustpfand“ – hochpreisig verkaufen würden. „Da haben viele gute Geschäfte gemacht“, sagt Köck.

Die Gemeinde sei damit jedoch in die Defensive geraten. Um trotzdem Einfluss auf die bauliche Ortsentwicklung ausüben zu können, habe man damit begonnen, Bebauungspläne für die entsprechenden Gebiete aufzustellen. In Sachen Nahverdichtung rät Köck zur Vorsicht: Gerade die landwirtschaftlichen Freiflächen würden zum Ortsbild beitragen. „Wir wollen uns nicht komplett verstädtern“, sagt Köck.

Entspannter sieht es noch in Bayrischzell aus. Hier werden im Schnitt Quadratmeterpreise von 300 Euro gezahlt. Doch auch hier heißt es: Tendenz weiter steigend. Immer mehr Häuser werden verkauft, berichtet Bürgermeister Georg Kittenrainer. „Den Zuschlag erhalten fast nur Zweitwohnsitzler von außerhalb.“ Um gegenzusteuern, will er dem Gemeinderat vorschlagen, die Zweitwohnungssteuer „drastisch anzuheben“. Ferner bemühe sich die Gemeinde, selbst Grundstücke zu erwerben und diese zu vernünftigen Preisen an Einheimische weiterzuverkaufen. Nachverdichtung sei ebenfalls ein Thema in Bayrischzell, erklärt Kittenrainer. Allerdings gebe es hier einen großen Haken: „Da wird das meiste leider auch wieder höchstbietend verkauft.“

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