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Konflikte in der Natur gibt’s zuhauf, wenn Ausflügler in den Bergen unterwegs sind. 

Neue Bewerbung für neue Modellregion 

Landkreis will Konflikte zwischen Tourismus und Natur angehen

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Der Landkreis möchte nun auch Modellregion Naturtourismus werden. Eine Bewerbung ist in Arbeit. Der Wirtschaftsausschuss begrüßt das. Doch es gibt auch kritische Stimmen.

Landkreis – Wie lassen sich Natur und Tourismus in Einklang bringen? Diese Frage beschäftigt die Touristiker im Landkreis nicht erst, seit die Ministerinnen Ilse Aigner (Wirtschaft) und Ulrike Scharf (Umwelt) im September vergangenen Jahres den Wettbewerb „Modellregion Naturtourismus“ ausgeschrieben haben. Doch mit dem Wettbewerb sehen sie nun auch die Chance, für ihre Ideen Fördergelder zu kommen. „Wir wollen uns jetzt bewerben“, kündigte Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) im Wirtschaftsausschuss an.

Die Unterlagen sind relativ weit gediehen. Bewerbungsschluss ist Ende April. Trotzdem besteht noch die Möglichkeit für Modifikationen und Ergänzungen. „Wir bitten um Ihr Feedback“, sagte Umwelt-Abteilungsleiter Thomas Eichacker, der die Bewerbung von Landkreis-Seite federführend betreut. Kooperationspartner sind die Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS), die Standortmarketing-Gesellschaft (SMG) Landkreis Miesbach und die Gebietsbetreuung Mangfallgebirge.

Für Touristiker und Umweltexperten kommt der Wettbewerb gerade recht. Denn eines seiner Ziele ist es, Konzepte zu fördern, die touristischen Mehrwert schaffen und gleichzeitig der Verantwortung für die Natur gerecht werden. „Ob Mountainbike oder Nachtskitouren, wir haben bei uns viele Nutzungskonflikte“, sagte Eichacker. Der Wettbewerb helfe dabei, diese Konflikte anzugehen und steuernd einzugreifen. Auch die Landwirtschaft soll mit ins Boot geholt werden.

Details der Bewerbung stellte ATS-Geschäftsführer Thorsten Schär vor. Das Projekt „Lenkungsmaßnahmen im Naturtourismus“ sieht drei Blöcke vor. Zum einen soll auf ausgewählten Wander- und Radrouten eine Art Verkehrszählung erfolgen. Die Kosten für die „Ermittlung der Nutzungsintensitäten“ sind mit rund 40 000 Euro veranschlagt. Der zweite Block (40 000 Euro) sieht die Entwicklung von Maßnahmen vor, also beispielsweise die Anbringung von Hinweisschildern und Wegweisern, die Ausarbeitung von naturnahen Touren und die Schulung wichtiger Multiplikatoren wie etwa Wanderführer. Block drei umfasst die Vermarktung und Kommunikation. Hierfür sind 20 000 Euro angesetzt. Insgesamt also 100 000 Euro – so viel muss das Gesamtvolumen betragen, um den maximalen Förderbetrag von 70 000 Euro auszuschöpfen.

Im Wirtschaftsausschuss stieß die Bewerbung grundsätzlich auf Zustimmung. Er und später auch der Kreistag müssen nicht zuletzt deshalb gehört werden, weil das Projekt auch finanzielle Auswirkungen hat. Sollte der Landkreis als eine von maximal drei Gegenden als „Modellregion Naturtourismus“ ausgezeichnet werden, wird je nach Gesamtvolumen ein Eigenanteil von bis zu 30 000 Euro erforderlich.

„Angebote, die die Menschen wieder näher an die Natur heranbringen, sind optimal“, kommentierte Peter Haberzettl (Grüne) das Konzept. „Es ist wichtig, die Umweltbildung voranzutreiben.“ Doch es geht nicht nur um die Natur allein. So bat Leonhard Wöhr (CSU) darum, bei einer späteren Umsetzung auch die Frage zu beleuchten, wo das Betretungsrecht in der freien Natur endet und das Eigentumsrecht beginnt.

Kritische Worte kamen von Anastasia Stadler (CSU) – „auch wenn ich mich jetzt wahrscheinlich um Kopf und Kragen rede“. Sie bezeichnete die Bewerbung als „zu seicht“. Sie vermisste wesentliche Teile, beispielsweise das Ziel, den Nachwuchs und die eigene Bevölkerung wieder für die Natur zu sensibilisieren. „Ein Umdenken bei unseren Kindern zu schaffen, ist viel wichtiger, als irgendwelche Daten zu erheben und Schilder anzubringen“, bemängele sie. „Mir ist das zu wenig, damit haben wir keine Chance.“

Versuchen will es der Landkreis trotzdem. Ende April entscheidet der Kreistag endgültig über die Bewerbung. So oder so müsse es weitergehen, forderte Thomas Danzer (SPD): „Wir sollten das Konzept fortführen, auch wenn der Preis nicht an den Landkreis geht.“

sh

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