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Nicht mehr zu retten: Das ehemalige Landwirtschaftsamt (vorne l.) an der Münchner Straße in Miesbach soll einem Ersatzbau weichen.

Architektenwettbewerb wird vorbereitet

Landratsamt: Ersatzbau ohne Schulden finanzierbar

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Miesbach - Die Finanzierung des geplanten Ersatzbaus für das Landratsamt steht. Ohne neue Schulden will der Landkreis das Mammutprojekt schultern. Der Kreisausschuss hat die Planung befürwortet.

Die frohe Botschaft, wie es Robert Wiechmann (Grüne) formulierte, versteckte sich in einem umfangreichen Zahlenwerk. Trotzdem hätte Kreiskämmerer Gerhard de Biasio gestern im Kreisausschuss ein Satz gereicht, um das Gremium vom anvisierten Ersatzbau für das Landratsamt zu überzeugen. Der Landkreis könne das 15,5 Millionen schwere Projekt eigenwirtschaftlich und ohne Kreditaufnahme finanzieren, sagte er. Zu diesem Ergebnis sei auch der Runde Tisch bei seinen Haushaltsberatungen gekommen.

Wie berichtet, beschäftigt sich die Verwaltung seit dem Umzug von Landwirtschaftsamt und Hauswirtschaftsschule ins Grüne Zentrum Holzkirchen mit einer räumlichen Neuordnung der auf acht Häuser verteilten Behörde. Der Einsturz einer Geschossdecke im momentan ungenutzten ehemaligen Landwirtschaftsamt an der Münchner Straße hat die Idee eines Abrisses zusätzlich befeuert. „Wir wollen eine gescheite Lösung, keine halbscharige“, stellte Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) im Ausschuss einmal mehr heraus. Die derzeitige Situation sei nicht nur für die 327 Mitarbeiter, sondern auch für die Bürger eine Belastung.

Bereits im Juli 2015 sprach sich der Kreistag deshalb einstimmig für die Erstellung eines Raumprogramms und die Bildung einer Arbeitsgruppe aus. Das Ergebnis: Zusammen mit den weiter genutzten Häusern A, F und D an der Münchner und der Rosenheimer Straße stünden dem Landratsamt bei einem Neubau künftig 8800 Quadratmeter Nettogeschossfläche zur Verfügung – 1400 Quadratmeter weniger als im Bestand. 185 000 Euro an Betriebskosten für Strom, Reinigung, Heizung und Miete für den Sitzungssaal im Miesbacher Gewerbegebiet Ost würde sich der Landkreis damit pro Jahr sparen, rechnete de Biasio vor. In nur elf Jahren hätten sich so die Mehrkosten gegenüber einer Sanierung des Altbestands amortisiert. Ein möglicher Verkaufserlös für die Häuser B und C auf der gegenüberliegenden Seite der Rosenheimer Straße samt zugehörigem Parkplatz nicht mit eingerechnet. „Das wäre ein Sicherheitspolster“, erklärte der Kämmerer.

Eine solide Planung, fand Wiechmann. „Eine Sanierung wäre Unfug“, sagte er. Josef Bierschneider (CSU) sah das ähnlich. Das „kleine Schluckerl“ an Mehrkosten habe man schnell wieder „herinnen“, sagte der Kreuther Rathaus-Chef. Miesbachs Vize-Bürgermeister Paul Fertl (SPD) mahnte trotzdem zur Vorsicht. „Die Welt wird nicht immer so heile aussehen wie jetzt.“ Fertl empfahl, als Plan B eine Aufteilung in zwei Bauabschnitte vorzubereiten. Sein Fraktionskollege Martin Walch erinnerte daran, dass der Landkreis mit der Erweiterung der Anton-Weilmaier-Schule in Hausham noch ein weiteres Großprojekt zu schultern habe. Und Norbert Kerkel (FWG) forderte die Verwaltung dazu auf, um Zuge des Ersatzbaus die eigenen Arbeitsabläufe und die Personalstruktur zu durchleuchten.

Die schärfste Kritik kam von Irschenbergs Bürgermeister Hans Schönauer (FWG). Er wolle die Harmonie im Gremium nicht stören, schickte er voraus, aber jede Medaille habe zwei Seiten. So sei keinesfalls gesichert, dass die derzeitige Hochkonjunktur auf ewig fortbestehen werde. Gleichzeitig sei der Landkreis schwer verschuldet, trotz hoher Kreisumlage. „Das Geld geht den gut arbeitenden Gemeinden ab“, schimpfte Schönauer. Diese könnten sich nicht einfach ein neues Rathaus bauen. „So was kann man den Bürgern nicht mehr vermitteln“, kritisierte Schönauer.

Der Landrat hielt dagegen. „Die Entschuldung hat weiter höchste Priorität“, sagte er. Auch die Kreisumlage werde sinken. Erst recht nicht zumuten könne man den Bürgern aber, viel Geld für eine schlechte Lösung – nämlich die Sanierung – auszugeben.

Dieses Argument überzeugte im Gremium. Einstimmig – also inklusive Schönauer – fasste der Ausschuss den Empfehlungsbeschluss für die Errichtung des Ersatzbaus für das Landratsamt auf Basis des bereits beschlossenen Raumprogramms. Sollte der Kreistag am 21. Dezember ebenfalls zustimmen, legt der Landkreis gemeinsam mit der Stadt Miesbach die Eckwerte für einen Architektenwettbewerb fest. Der Baubeginn ist für 2019 geplant, der Einzug nicht vor 2021.

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