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Noch unbenutzt: So sah die Turnhalle aus, kurz bevor die Asylbewerber dort eingezogen sind.

Neuer Asyl-Notfallplan 

Landrat: „Turnhallen werden nicht mehr belegt“

Die Berufsschulturnhalle könnte Ende März wieder bespielt werden. Dann ist die lange Sanierungsphase abgeschlossen. Inzwischen zeichnet sich ein generelles Umdenken im Landratsamt ab.

Miesbach – Die Asylbewerber sind längst wieder ausgezogen, doch in der Turnhalle der Berufsschule in Miesbach wird immer noch kein Sport getrieben. Grund: der enorme Sanierungsbedarf. Nun zeichnet sich für Schule und Vereine ein Ende der Wartezeit ab. Nach Auskunft des Landratsamts soll die Instandsetzung im Februar beginnen und bis Ende März abgeschlossen sein. Gleichzeitig macht die Kreisbehörde zudem klar, dass es zu einer Belegung von Schulturnhallen mit Asylbewerbern künftig nicht mehr kommen soll.

Einer der größten Brocken ist die Lüftungsanlage, wie Kreiskämmerer Gerhard de Biasio im Kreistag auf Nachfrage von Miesbachs Bürgermeister Ingrid Pongratz (CSU) erläuterte. Sie muss komplett demontiert, gereinigt und dann wieder eingebaut werden. Grund für diese außerordentliche Maßnahme ist – wie berichtet – die massive Belastung, welche die dauerhafte Unterbringung von 300 Menschen in einer Turnhalle mit sich bringt. Ursprünglich hätte die Anlage bereits im Herbst saniert werden sollen. Doch wegen der zunächst hohen Kosten waren die Arbeiten noch mal neu ausgeschrieben worden. Nun sollen sie bis Mitte Februar erledigt sein, wie das Landratsamt auf Nachfrage mitteilte.

Überdies müssen in der 30 Jahre alten Halle Sanitäranlagen ausgetauscht, die Bänke in den Umkleiden abgeschliffen und neu lackiert und Malerarbeiten durchgeführt werden. Die Parkettböden im Turnschuh- und Stiefelgang werden abgeschliffen und eingelassen, der Linoleumboden in den Umkleiden ergänzt. Auch einige Fliesen in den Duschen müssen ersetzt werden. Die Prallwände in der Halle, also die vier Meter hohen Schutzwände an den Seiten, werden erneuert.

Die Berufsschulturnhalle war im August 2013 erstmals mit 17 Asylbewerbern belegt worden. Im Juli 2015 trat dann der Notfallplan Asyl der Regierung von Oberbayern in Kraft, gemäß dem der Landkreis die Unterbringung von 300 Flüchtlingen kurzfristig vorhalten muss. Dieser Notfallplan gilt noch immer. 

Allerdings ist es erklärter Wille von Landrat Wolfgang Rzehak, die Belegung von Turnhallen künftig zu vermeiden. „Im Rahmen des Notfallplans Asyl werden wir künftig Traglufthallen an die Regierung melden“, sagt Rzehak. „Eine Nutzung von Schulturnhallen zur Unterbringung von Geflüchteten können und wollen wir unseren Schülern, ihren Eltern, den Lehrkräften und den Vereinssportlern nicht mehr vermitteln.“ 2015 freilich sei es die einzige Möglichkeit gewesen. Eine Traglufthalle gewähre auch für die Bewohner bessere Lebensverhältnisse und biete daher weniger Konfliktpotenzial.

Der Landrat erwartet, dass die Regierung von Oberbayern eine Unterbringung im Rahmen des Notfallplans an den schon erschlossenen Standorten in kurzzeitig zu errichtenden Traglufthallen akzeptiert. „Turnhallen“, stellt er klar, „werden wir nicht mehr belegen.“

sh

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