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Auf Facebook hat der Wahlkampf der Landrats-Kandidaten bereits begonnen.

Ganz ohne Facebook geht es nicht

Löwis gegen Rzehak: Das sagt eine Professorin zum Online-Duell

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Den Schlagabtausch der Landratskandidaten bei Facebook findet auch Romy Fröhlich interessant. Sie ist Professorin für Kommunikationswissenschaft an der LMU München. 

Wann wird gewählt? Wie sieht der Stimmzettel aus? Wir haben bereits alle Informationen zur Komunalwahl 2020 in Bayern zusammengestellt.

Miesbach/München – Den Schlagabtausch der Miesbacher Landratskandidaten bei Facebook findet auch Romy Fröhlich interessant. Sie ist Professorin für Kommunikationswissenschaft an der LMU München. Wir haben mit ihr über die Strategien und die Bedeutung des Wahlkampfs in den Sozialen Medien gesprochen.

Löwis gegen Rzehak: Das sagt eine Professorin zum Online-Duell der Landrats-Kandidaten

Frau Fröhlich, ein Landratskandidat teilt bei Facebook Urlaubsfotos, einer Profi-Bilder. Wer hat die bessere Strategie?

Beide sind schlau. Zwei Kandidaten brauchen schon alleine deshalb unterschiedliche Strategien, um sich voneinander abzugrenzen. Gibt der Amtsinhaber private Einblicke, macht es für den Herausforderer Sinn, auf Seriosität zu setzen.

Was bestimmt die Strategie noch?

Politiker müssen ihre Zielgruppe bedenken. Das heißt: vor allem die Stammwählerschaft nicht vergraulen. Ein Grüner hat wahrscheinlich jüngere Wähler. Die erwarten eher, dass er auf Facebook ist und auch private Einblicke gibt. Für einen CSU-Mann würde das wohl schlechter funktionieren. Er kann bei Facebook zwar auch jüngere Themen ansprechen, muss sich aber treu bleiben.

Könnten CSU-Politiker also auch ohne Facebook?

Eher nicht. Manche Wählergruppen schauen kein Fernsehen und lesen keine Zeitung mehr. Gerade die jüngeren. Die erreichen Politiker besser über das Internet. Also müssen sie auch dort präsent sein. In welcher Partei sie sind, ist dabei egal.

Was ist mit dem Info-Stand beim Bäcker? Erreicht der die Jüngeren nicht auch?

Eher nicht. Junge Menschen sind beruflich stark eingespannt und sehr freizeitorientiert. Sie müssen nicht vor Ort sein, denn sie sind über ihr Handy stets mit der Welt verbunden. Genau darüber muss ich sie als Politiker dann aber auch ansprechen. Den Info-Stand bekommen sie oft nicht mit.

Romy Fröhlich (60) ist Professorin an der LMU München

Lesen Sie auch: Olaf von Löwis will Landrat werden

Miesbacher Landrats-Wahlkampf: Ohne Facebook ginge es wahrscheinlich nicht

Können Soziale Medien also einen Kommunalwahlkampf entscheiden?

Da ist sich die Forschung uneinig. Strittig ist vor allem, wie glaubwürdig Soziale Medien in der Lokalpolitik wahrgenommen werden. Auf nationaler Ebene sind die Politiker weiter weg, die Menschen begegnen ihnen nicht. Also machen sie sich in den Sozialen Medien ein Bild von ihnen. Im Lokalen sind Politiker den Wählern näher. Im Wahlkampf ein schillerndes Image von sich aufzubauen, das vom Original abweicht, funktioniert deshalb nicht.

Weil die Menschen die Wahrheit kennen?

Genau. Wer auf Facebook etwas schönt oder gekünstelt wirkt, hat im Lokalen sofort verloren. Die Kandidaten müssen verdammt ehrlich sein. Ob das dann aber wirklich wahlentscheidend ist, ist eine völlig andere Frage.

Warum gehen Kandidaten dann überhaupt das Risiko ein, Privates zu teilen?

Manchmal sind sie unsicher, ob sie die Menschen mit politischen Themen überhaupt noch erreichen. Also setzen sie auf Privates und Persönliches. Man muss sich aber gut überlegen, ob man sich und seinen Liebsten das wirklich antun will.

Sind manche Politiker beim Online-Wahlkampf im Vorteil?

Klar, es gibt Unterschiede. Ein etabliertes Netzwerk ist nicht zu unterschätzen. Kandidaten, die seit Jahren auf Facebook unterwegs sind, tun sich leichter als jemand, der zum Wahlkampfbeginn erst einmal Strukturen schaffen muss. Man darf aber auch nicht zu sehr auf die Follower-Zahlen schauen. Etwa ein Drittel davon sind Leute, die in erster Linie ihre Vorurteile gegen einen Kandidaten bestätigen wollen.

Ebenfalls interessant: Kommunalwahl 2020: Rzehak will Landrat bleiben

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