+
Im Fokus des Interesses: der amtierende Landrat Wolfgang Rzehak (r.) und sein CSU-Herausforderer Olaf von Löwis.

Kommunalwahl 2020

Landratswahl im Kreis Miesbach: Rzehak und Löwis gehen in Stichwahl

Bleibt ein Grüner Landrat, oder holt die CSU sich das Amt nach der Schmach 2014 zurück? Die Entscheidung müssen die Wähler im Landkreis Miesbach in der Stichwahl treffen.

Landkreis – Neun Kandidaten waren diesmal zur Landratswahl angetreten, so viele wie noch nie. Die Wähler – rund 79 000 waren stimmberechtigt – konzentrierten sich dennoch im Wesentlichen auf drei Kandidaten. Amtsinhaber Wolfgang Rzehak (Grüne) landete mit rund zehn Prozentpunkten Abstand hinter seinem CSU-Herausforderer, dem bisherigen Holzkirchner Bürgermeister Olaf von Löwis. Die beiden gehen am 29. März in die Stichwahl. Auf Rang drei folgt Andreas Hallmannsecker (FWG). Der bisherige Valleyer Bürgermeister erreichte knapp 18 Prozent. Alle anderen Landratskandidaten: unter ferner liefen. Auch Christine Negele (SPD) mit nur rund 4,5 Prozent, was Rzehak, Löwis und Hallmannsecker regelrecht entsetzt, wie alle drei bekennen, als sie am Sonntagabend in einem Sitzungssaal des Landratsamts angespannt und um Lockerheit bemüht auf das vorläufige amtliche Endergebnis warten.

Alle Ergebnisse der Kommunalwahlen 2020 im Landkreis im Überblick finden Sie in unserem Ticker

Die Situation für Rzehak ähnelt der vor sechs Jahren, als er im Nachgang der Kreidl-Affäre im zweiten Wahlgang den FWG-Bewerber Norbert Kerkel hinter sich ließ und als erster Grüner den Landratsposten holte. Entsprechend groß ist bei dieser Wahl auch das überregionale Medieninteresse. Sogar ein Kamerateam des BR ist am Sonntagabend im Landratsamt dabei, als die Wahlleitung mit den Kandidaten Rzehak, Löwis, Hallmannsecker (FWG) und Gisela Hölscher (FW) auf das Balkendiagramm blicken, das an die Wand geworfen ist. Löwis und Hallmannsecker sind mit ihren Frauen gekommen, Rzehak mit Frau und den beiden Töchtern.

Landratswahl in Miesbach: Am 29. März kommt es zur Stichwahl 

Sowohl Rzehak als auch Löwis geben sich in ihrer ersten Reaktion sehr zufrieden mit dem Ergebnis, auch wenn beiden die Anspannung anzumerken ist. „Ich hätte mich irgendwo zwischen 33 und 35 Prozent gesehen“, sagt Löwis. Seine Ausgangslage für eine Stichwahl sei gut, findet der Holzkirchner. Dass seitens seiner Parteiführung Druck auf ihm laste, den Landkreis nach der Schmach 2014 für die CSU zurückzugewinnen, nehme er so nicht wahr, sagt der 65-Jährige. Er bereue es nicht, statt für eine zweite Amtszeit als Holzkirchner Bürgermeister als Landratskandidat angetreten zu sein. Sein Ergebnis gebe ihm Mut für die Stichwahl.

Auch Rzehak deutet die Lage für sich positiv, obgleich er offenbar keinen Amtsinhaberbonus für sich geltend machen konnte. „Das ist ein gutes, solides Ergebnis“, sagt der 52-jährige Gmunder: „Mit über 27 Prozent als Grüner, auch als Amtsinhaber – das ist nicht einfach in diesem konservativen Landkreis.“ Die CSU habe kein herausragendes Ergebnis eingefahren. Nirgendwo, „nicht einmal in den absoluten CSU-Hochburgen“, habe ihr Kandidat mehr als 50 Prozent einfahren können.

Für wen entscheiden sich die FWG-Wähler?

Mitentscheidend dürfte werden, ob Hallmannseckers fast 9000 Wähler in zwei Wochen klar zu einem der beiden Stichwahl-Kandidaten tendieren. Das ist Löwis ebenso klar wie Rzehak, der allerdings auch deutlich macht, dass sein Fokus als amtierender Landrat in den kommenden beiden Wochen vor allem auf der Corona-Entwicklung liegen werde, nicht auf Wahlkampf. „Die Lage ist zu ernst“, sagt er, am Montag habe er gleich eine Besprechung bei der Regierung von Oberbayern.

Gibt’s eine Empfehlung der FWG für die Stichwahl? „Schauen wir mal“, sagt Hallmannsecker gleichermaßen viel- und nichtssagend: „Irgendwo vielleicht schon – aber schauen wir mal.“

Katrin Hager

Auch interessant

Kommentare