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Passt da noch ein Häuschen hin? Auf dem einzigen bebauten Grundstück nördlich (hier links) des Panoramawegs möchte der Eigentümer bauen. Während die Behörden aufgrund des Landschaftsschutzes abwinken, sagen die Mitglieder des Kreis-Umweltausschusses mehrheitlich Ja.

„Dann wären alle Dämme offen“

Landschaftsschutzgebiet: Umweltausschuss befürwortet Herausnahme in Parsberg

Wolfgang Rzehaks Warnungen liefen ins Leere. Der Umweltausschuss des Kreistags befürwortete die Herausnahme eines Grundstücks in Parsberg aus dem Landschaftsschutzgebiet.

Miesbach – Wolfgang Rzehaks Warnungen fehlte es nicht an Eindringlichkeit. Von „da wären alle Dämme offen“ bis hin zu „dann gehören wir der Katz’“ sprach der Grünen-Landrat. Doch es half nichts. Mehrheitlich befürwortete der Umweltausschuss des Kreistags die Herausnahme eines Grundstücks in Parsberg aus dem Landschaftsschutzgebiet. Dies geschah auf Antrag der Stadt Miesbach, die dem Eigentümer den Bau eines zweiten Wohnhauses für seine Familie ermöglichen will. Die Entscheidung über die Herausnahme fällt der Kreistag.

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Eigentlich hört sich das Vorhaben unspektakulär an. Auf einem gut 1000 Quadratmeter großen Grundstück am Ortsrand möchte der Eigentümer ein normal dimensioniertes Einfamilienhaus bauen. Doch die Lage macht dies schwierig. Das Grundstück liegt unstrittig im Außenbereich. Als einziges nördlich des Panoramawegs ist es bebaut – seit 1936 mit einem Wohngebäude, das ob der Hanglage recht exponiert dasteht. Das Baurecht würde die Erweiterung des Bestands hergeben, aber keinen Neubau ohne entsprechende Bauleitplanung der Stadt Miesbach. Deren Bauausschuss könnte sich ein weiteres Häusl dort durchaus vorstellen. Stichworte: Wohnraumknappheit, Grundstückspreise, Nachverdichtung.

Der Kreistag wird mit der Sache befasst, weil das Landratsamt den Weg einer Befreiung vom Landschaftsschutz, also auf dem Verwaltungsweg, nicht gehen kann. Dafür fehle das öffentliche Interesse, es handelt sich schließlich um ein privates Vorhaben. Die Untere Naturschutzbehörde sieht den Bauwunsch ausgesprochen kritisch, schreibt in ihrer Stellungnahme über den Hang von „herausragender Schönheit“ und „ökologisch besonders wertvoll“ und „für das örtliche Landschaftsbild unersetzlich“. Ähnlich fallen die Stellungnahmen der Umweltverbände aus, und auch die Mehrheit des Naturschutzbeirats lehnte – schriftlich befragt – eine Herausnahme ab.

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„Das ist sehr eindeutig“, sagte Rzehak und meinte wohl, den Tagesordnungspunkt schnell abschließen zu können. Doch weit gefehlt. Die Miesbacher Michael Lechner (FWG) und Ingo Jooß (SPD) wollten die Bedenken ebenso wenig teilen wie Maria Dießl (CSU). Ihre Argumente: Es handle sich um ein bereits genutztes, eingezäuntes Grundstück, auf dem Baufenster stehe aktuell ein Gartenhäuschen, und es gehe auch keine ökologisch wertvolle Fläche verloren. Auch den von Rzehak ins Feld geführten Präzedenzfall wollte etwa Jooß nicht erkennen, weil der Fall doch sehr speziell sei.

Rzehak wiederum konnte nicht erkennen, welche Punkte im Kriterienkatalog, den der Kreistag für solche Fälle beschlossen hat, für die Herausnahme aus dem Landschaftsschutz sprechen. Diese würde „im Widerspruch zu allem stehen, was wir in den vergangenen fünf Jahren besprochen haben“. Ähnlich sahen das nur Thomas Mandl (SPD) und Ulrike Küster (Grüne).

Als nächstes befasst sich der Kreistag mit dem Thema – allerdings erst nach der Kommunwahl. Mit einer Zustimmung dort wäre aber noch lange kein Baurecht geschaffen. Erst muss die Stadt Miesbach etwa die naturschutzfachlichen Bedenken abwägen und die Genehmigungsbehörde ist sowieso das Landratsamt.

von Daniel Krehl

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