Ein Schatz der Lebenserfahrung: Seniorenbeauftragte Christine Dietl hatte dazu aufgerufen, Erinnerungen niederzuschreiben. Es kamen mehr als 1000 Einsendungen. Eine Auswahl findet sich im Buch „Was ich immer schon mal erzählen wollte“.
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Ein Schatz der Lebenserfahrung: Seniorenbeauftragte Christine Dietl hatte dazu aufgerufen, Erinnerungen niederzuschreiben. Es kamen mehr als 1000 Einsendungen. Eine Auswahl findet sich im Buch „Was ich immer schon mal erzählen wollte“.

NEUERSCHEINUNG - Senioren aus Landkreis erzählen in Buch Erinnerungen aus ihrem Leben

Lausdirndl und gestrenge Lehrer: Senioren aus dem Kreis Miesbach erzählen in einem Buch von Erinnerungen

  • Alexandra Korimorth
    VonAlexandra Korimorth
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Aus Erzählungen von Senioren aus dem Landkreis Miesbach ist kürzlich Buch mit 148 Anekdoten und historischen Fotos hervorgegangen. Jetzt wird es verkauft.

Landkreis – Corona war der Impulsgeber. Weil die Senioren in der Pandemie nicht mehr zusammenkommen und sich mit ihren Erfahrungen und Lebensgeschichten austauschen konnten, hielt Christine Dietl, die Seniorenbeauftragte des Landkreises, sie im Juli 2020 an, ihre Anekdoten schriftlich zu erzählen. Ein Jahr später liegt nun ein Buch mit 148 Anekdoten und etlichen historischen Fotos aus privaten Familienalben vor.

Mit „Was ich immer schon erzählen wollte! – Anekdoten aus dem Landkreis Miesbach“ hebt Dietl für den Landkreis einen wahren Schatz: an Wissen, Zeitgeschichte und Lebensart.

„Was ich schon immer mal erzählen wollte“: Buch enthält Anekdoten auf 192 Seiten

Die Geschichten zeugen von guten und schlechten Zeiten, von langen Schulwegen, Ferien auf der Alm, von Lausbuam, Lausdirndln und gestrengen Lehrern, von Ausbildung und Handwerk, von Heimweh, Sehnsucht und vom Träumen in jungen Jahren, von Lebensrettern und strebsamen Politikern und deren Familiengeheimnis, von Erfindergeist, Entdeckungsfreude und Forscherdrang. Sie berichten aber auch von den Schrecken von Flucht und Tieffliegerangriffen sowie Abgründigem wie einem Meuchelmord. Es ist das pralle Leben in all seiner Vielfalt, die aus jeder der 192 Seiten spricht und Geschichte bunt und lebendig macht.

Dietl hat als Seniorenbeauftragte des Landkreises schon viele dieser Geschichten bei Besuchen, Kaffeekränzchen und Ausflügen per Zufall zu hören bekommen. Und immer bedauerte sie, dass viele dieser Anekdoten mit ihren Menschen einfach verschwinden. Aus Erfahrung in der eigenen Familiengeschichte weiß sie: „Oft ist in jungen Jahren bei den Angehörigen das Interesse an den alten Geschichten einfach nicht da. Und noch öfter ist es – später, wenn das Interesse dann da ist – zu spät.“

Deshalb war sie schon länger mit der Idee schwanger gegangen, die Geschichten und Anekdoten zu sammeln. Als Corona die Senioren so lange zur Isolation verdammte, fiel für Dietl sozusagen der Startschuss. Sie rief dazu auf, die Geschichten niederzuschreiben – gerade so, wie der Schnabel gewachsen sei (wir berichteten). „Es sollte ein Anstoß sein, Wissen zu überliefern und die Geschichte weiterzuerzählen.“

1000 Geschichten eingereicht: Auch Anekdoten ehemaliger Bürgermeister darunter

Mehr als 1000 Anekdoten kamen zurück. Für Band 1 von „Was ich immer schon mal erzählen wollte!“ hat Dietl 148 Geschichten ausgewählt und zu einer emotional ausbalancierten Mischung zusammengestellt von Erzählern, die man nur innerhalb der Dorfgemeinschaft, manchmal aber auch über die Landkreisgrenzen hinaus kennt. So haben etwa ehemalige Bürgermeister wie Michael Pelzer (Weyarn), Konrad Niedermaier (Rottach-Egern), Georg von Preysing (Gmund) und Andreas Hallmannsecker (Valley) Beiträge geliefert. Auch professionelle Geschichtenerzähler wie Martin Köck sind dabei, Monsignore Walter Waldschütz, Bundestagsabgeordneter Alexander Radwan, Seniorenbeauftragte, Kirchengemeinderäte, Landwirte – selbst eine 99 Jahre alte ehemalige Lehrerin, die in Hannover in einem Altenheim lebt, hat Erinnerungen niedergeschrieben.

Material, mehrere Bücher zu füllen, hat Dietl genug. Die Namen der jeweiligen Erzähler stehen jedoch absichtlich nicht bei ihren Texten, erklärt Dietl: „So können die Geschichten unvoreingenommen gelesen und bei Interesse nachgeschaut werden, von wem sie sind.“

Das Buch (ISBN 978-3-9816949-6-3, 22,40 Euro), erschienen im Südseiten-Verlag, ist im Buchhandel, in Rathäusern und Filialen der Raiffeisenbank im Oberland sowie per E-Mail an christine.dietl@ lra-mb.bayern.de erhältlich. Ein etwaiger Gewinn aus dem Buchverkauf wird für die Seniorenarbeit eingesetzt. Wenn Corona es zulässt, will die Seniorenbeauftragte des Landkreises ein großes Treffen mit allen Protagonisten aus dem Buch organisieren. (ak)

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