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Zusammenkunft ohne Ergebnis: Die Hauptversammlung des Leitzachtalvereins mündete in einer heftigen Auseinandersetzung über die neue Satzung. 

Differenzen über neue Satzung

Leitzachtalverein: Darum hat es bei der Hauptversammlung gekracht

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Diese Hauptversammlung ist nicht nach Plan gelaufen. Weder einen neuen Vorstand haben die Mitglieder des Leitzachtalvereins gewählt, noch wurde der alte entlastet. Die Gründe.

Landkreis – Nicht jeder Verein hat das Glück, einen erfolgreichen Betrieb wie die Leitzachmühle sein Eigen zu nennen. Doch damit geht auch eine große Verantwortung einher, sagt Friedrich Hecker, Mitglied im Leitzachtalverein. „Aktuell steht der Vorstand voll in der Haftung.“ Deshalb sei es höchste Zeit, die fast 40 Jahre alte Satzung des Vereins an die neuen rechtlichen Strukturen anzupassen.

Einen Entwurf habe eine fünfköpfige Arbeitsgruppe angefertigt, berichtet Hecker, der ebenfalls mit am Tisch saß. Wohlgemerkt unter Einbeziehung des Vorstands und mit juristischer Beratung. Bei der Hauptversammlung in Holzolling, zu der die Mitglieder der sechs Ortsvereine Elbach-Wörnsmühl, Niklasreuth, Reichersdorf, Frauenried, Irschenberg und Holzolling eingeladen waren, hätte die neue Satzung beschlossen werden sollen. Doch daraus wurde nichts.

Nach Abweichungen bei der Abstimmung per Handzeichen kam es zum schriftlichen Votum. Mit dem Ergebnis, dass die neue Satzung letztlich durchfiel. Daraufhin habe ein Teil der Mitglieder vorzeitig den Saal verlassen, berichtet Vorsitzender Klaus Waldschütz. Damit sei die Wahl des neuen Vorstands nicht mehr möglich gewesen. Weil auch die Kassenführung nicht lückenlos dokumentiert gewesen sei, sei der alte Vorstand obendrein nicht entlastet worden. Waldschütz vermutet, dass für den Knatsch auch persönliche Differenzen verantwortlich waren.

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„Das ist alles sehr unglücklich gelaufen“, bestätigt Hecker. Unterschiedliche Sichtweisen seien in Ordnung, ein emotionaler Schlagabtausch bringe aber nichts. Waldschütz hat eine Vermutung, wo der Unmut herkommt. So sehe die neue Satzung mehr Kontrollmechanismen des Vereins als Eigentümer über den Mühlbetrieb vor. Und das, obwohl das Unternehmen seit Jahrzehnten von der Familie Seeger vorbildlich geführt werde. „Die machen das so gewissenhaft, als würde die Mühle ihnen gehören“, schwärmt Waldschütz. Der Vorsitzende lässt durchblicken, dass auch er noch nicht vollends von der neuen Satzung überzeugt ist. „Das ist ein bisschen zu schnell gegangen“, meint er.

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Hecker kann als Mitglied der Arbeitsgruppe die Skepsis durchaus nachvollziehen. Der Vorstoß sei aber keinesfalls als Misstrauen oder gar als Angriff gegenüber der Mühle zu verstehen, betont er. Vielmehr würde auch die Geschäftsführung von einer rechtlichen Absicherung in Form einer neuen Satzung profitieren. „Es ist immer besser, die Verantwortung auf mehreren Schultern zu verteilen“, sagt Hecker.

Er selbst habe lange Jahre hauptberuflich an der Spitze verschiedener Unternehmen mitgearbeitet. Seine Kenntnisse würde er nun auch gerne beim Leitzachtalverein einbringen. Da Waldschütz signalisiert hatte, nicht mehr als Vorsitzender zu kandidieren, hätte er sich vorstellen können, dessen Nachfolge anzutreten. Nach der zurückliegenden Hauptversammlung ist sich Hecker jedoch nicht mehr sicher, ob er seinen Hut noch in den Ring werfen möchte.

Vorerst wird sich ohnehin nichts ändern, betont Waldschütz. Er will den Vereinsmitgliedern mehr Zeit einräumen. Der alte Vorstand bleibe ein weiteres Jahr kommissarisch im Amt, kündigt er an. „Es läuft jetzt erst mal so weiter, wie gehabt.“

Das sagt der Müllermeister zum Knatsch beim Verein

Die Differenzen im Leitzachtalverein beschäftigen auch Norbert Seeger, Geschäftsführer der Leitzachmühle. „Ich will keine Spaltung im Verein“, betont Seeger auf Nachfrage unserer Zeitung. Er wolle keine Partei ergreifen und wünsche sich, dass alles so harmonisch weiterlaufe wie bisher. 

Schon im Jahr 1270 wurde die Leitzachmühle erstmals urkundlich erwähnt, seit 1931 ist sie im Besitz des Leitzachtalvereins. Die Familie Seeger ist seit 1956 ohne Unterbrechung für die Produktion von Mehl und Futtermitteln zuständig. Mit Norbert Seegers Schwiegersohn arbeitet bereits die dritte Generation mit. „Die Mühle ist unser Leben“, schwärmt Seeger. 

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13 Angestellte kümmern sich um Kunden von Berchtesgaden bis zum Werdenfelser Land und sogar in Tirol. Für das kommende Jahr plant Seeger eine größere Investition für ein neues Getreidesilo mit Futtermischung. Dafür hofft er vor allem auf eines: „Stabilität und Ruhe im Verein.“

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