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Der Grafiker und die Bäume: Gunnar Matysiak zeigt im Waitzinger Keller derzeit seine aktuellen künstlerischen Arbeiten. 

Lesung mit Illustrator Gunnar Matysiak in Miesbach

Rudi Rüssel rennt und rennt

Er gab dem „Rennschwein Rudi Rüssel“ sein Gesicht. Nun liest Illustrator Gunnar Matysiak bei einer Lesung aus dem Kinderbuchklassiker. Und auch die „Zugmaus“ kommt dabei wieder zu Ehren.

Miesbach – Er hat Verpackungen designt für Whiskey, Zigaretten oder Werkzeug, hat die Marke eines Textilherstellers optisch geprägt und kam weit in der Welt herum. „Das Interessante für mich war immer, zu machen, was ich noch nie gemacht habe“, sagt GunnarMatysiak (72). Der Grafiker und Illustrator, der seit mehr als 30 Jahren in Weyarn lebt, hat aber immer auch ein Herz für Kinder gehabt – nicht nur, weil er auch Erziehungswissenschaften studiert hat. In den 80er-Jahren illustrierte er mehrere Kinderbücher seines späteren Freundes, des Autors Uwe Timm, gab dessen „Rennschwein Rudi Rüssel“ im Buch des Deutschen Taschenbuchverlags ein Gesicht und brachte auch dessen „Zugmaus“ im Zeichentrickfilm zum Laufen. Diese Seite von Gunnar Matysiak können kleine und größere Besucher am Freitag, 11. Januar 2019, bei einer Lesung im Waitzinger Keller kennenlernen. Dort liest Matysiak aus „Rennschwein Rudi Rüssel“ vor und gibt darüber hinaus Einblicke, wie man Bilder im Film zum Laufen bringt. Die Kinder können sogar sogenannte Phasen im Original als Andenken mit nach Hause nehmen.

Phasen, so werden Bewegungsszenen im Zeichentrick genannt. Matysiak hat noch eine ganze Menge davon, ungefähr 40 000 Einzelbilder, schätzt er. Sie zeigen etwa eine Maus beim Rennen oder eine Katze auf der Jagd, in Einzelbildern auf transparenter Folie. Sie stammen aus „Die Zugmaus“, die 1984 als bis dahin teuerster und aufwendigster Trickfilm überhaupt im deutschen Fernsehen produziert wurde und knapp zwei Jahrzehnte im Weihnachtsprogramm lief. Inzwischen nicht mehr, denn „Die Zugmaus“ ist für heutige Sehgewohnheiten „quälend langsam“, sagt Matysiak. Allein die Schnitte sind in den vergangenen Jahrzehnten so rasant geworden, dass „Die Zugmaus“ nicht mehr mithalten kann.

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Eine Maus lernt laufen: Phasen wie diese aus der „Zugmaus“ verschenkt Gunnar Matysiak bei seiner Lesung. 

Damals, ab 1982, nahm sich auch das elfköpfige Team viel Zeit, zeichnete und kolorierte die Maus und ihre Abenteuer nach Matysiaks Design. „Nach diesem Film kannte jeder, der in Deutschland mit Kinderfernsehen zu tun hatte, meinen Namen“, erinnert sich Matysiak.

Und da schließt sich auch der Kreis zum „Rennschwein Rudi Rüssel“. Die Geschichte von der Familie, die ein Schweinchen gewinnt, das erst als Rennschwein durchstartet, später nur knapp dem Schlachter entgeht und schließlich sein Glück auf einem idyllischen Bauernhof findet, sollte Matysiak 1989 illustrieren. Da hatte er, nach dem Erfolg mit „Die Zugmaus“, schon Timms Buch „Die Piratenamsel“ bebildert.

Das übrigens mit viel mehr Muße als bei Rudi Rüssel, wie der Künstler selbst gesteht. Denn den Auftrag fürs Rennschwein hätte Matysiak beinahe abgesagt. „Ich war schon drauf und dran, das abzulehnen, weil ich keine Zeit hatte wegen anderer Aufträge“, erinnert er sich. Aber die Zusage hatte er schon gegeben, und daran hielt er sich auch. „Hätten wir den Produktionstermin nicht halten müssen und hätte ich geahnt, dass das Buch derart erfolgreich wird, hätte ich viel mehr Liebe reingesteckt“, sagt er heute lachend.

Dass Rudi Rüssel auf der Erfolgsspur durchstarten würde, ahnte damals niemand – und auch nicht, dass er so einen langen Atem hat: Allein in Deutschland wurden laut Matysiak 1,4 Millionen Exemplare verkauft, derzeit sei die 26. Auflage auf dem Markt. Daran ist wohl auch die Realverfilmung 1995 mit Ulrich Mühe und Iris Berben nicht ganz unschuldig, ebenso wie die TV-Serie ab 2008 mit 39 Folgen. „Das waren Werbespots“, sagt Matysiak.

Weil sein Name mit dem Rennschwein verbunden bleibt, kam das Team des Waitzinger Kellers auf die Idee, zu Matysiaks aktueller Ausstellung „Bilder von hier“ eine Lesung zu organisieren. Weil Timm selbst dafür nicht zur Verfügung steht, übernahm Matysiak gerne selbst. „Neben ihm habe ich ja den engsten Bezug dazu.“ Und so macht er wieder mal etwas Neues.

Die Lesung aus „Rennschwein Rudi Rüssel“ mit Gunnar Matysiak im Waitzinger Keller beginnt am Freitag, 11. Januar, um 16 Uhr. Der Eintritt kostet fünf Euro. Vorverkauf im Waitzinger Keller, Telefon 0 80 25 / 7 00 00. Matysiaks Ausstellung „Bilder von hier“ ist im Foyer Ost noch bis Sonntag, 13. Januar 2019, zu sehen.

Katrin Hager

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